Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 50 (14.12.1864)
- Date
- 1864-12-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1017 1018 Betrag von 28 bi- 30 Tausend Gulden! Wie soll nun dieses Defizit gedeckt werden? Vorläufig bestehen doch 16 Fleischbänke, deren Inhaber freiwillig jene Tare entrichten. Seit einigen Tagen wird nun eine gedruckte Mahnung des Gemeindevorstandes kolportirt, welche jene Bänke als gehörig beaufsichtigt und koscher empfiehlt, vor den übrigen aber nachdrücklich warnt, und zugleich den Hausfrauen ans Herz legt, daß durch den etwaigen Entfall der Gabella entweder zahlreiche wohlthatige Gemeindeinstitute eingehen, oder die Gemeindeglieder mit namhaften Gteuerzuschlägen belastet werden müßten. Man sieht hieraus, daß die jüdische Gemeindeverwaltung einer gründlichen zeitgemäßen Reform be, darf. Die alten Geleise find au-gefahren, und während im Jahre 1861 durch Belebung des Gemeingeistes, durch Oeffentlichkeit der Sitzungen der Gemeinderepräsentanz, durch neue Institutionen und VerwaltungSmaßregeln das Gemeindebudget täglich blühender wurde, scheint gegenwärtig das Gemeindeschiff auf eine Sandbank gerathen zu sein. — Das konfessionelle Verhältniß der hiesigen akademischen Zugend ist aus folgenden Zahlen zu ersehen. Im Wintersemester 1863—1864 waren an der Universität immatrikulirt: 949 röm. kathol., 321i>raelit, 235, reformirte, 178 evang., 68 griech. n. unirte, 53 griechisch-katholische und 7 unitarische Hörer. — Die Vorlesungen im isr. ung. Verein haben vergangenen Samstag, am 10. d. M. ihren Anfang genommen. Der Vize- Präses Dr. Heinrich Pollak eröffnete, dieselben mit einer Ansprache worauf Dr. .Hasenfeld einen naturwissenschaftlichen Vortrag hielt. Szegedin, 7. Dezember. Beim Herannahen des kalten Winters schlug das Herz der hiesigen Jugend warm für die hilfsbedürftigen .Meinen, die des schützenden Winterkleides entbehren, und wenn der Tanz an nnd für sich ein unschuldiges Vergnügen ist, so wird sein Werth gewiß erhöhet, wenn er das Mittel ist, wodurch das Los des leidenden Bruders erleichtert wird. Am 26. v. M. veranstaltete ein Komitö, bestehend aus den Herren Ludwig Polizer, Samuel Breitner, Eduard Döry, Marton Goldhammer, Samuel Pollak, Leopold Silbersteru, Bernat Lraub, Jakob Weizenfeld und Karl Weiß einen Ball zum Zwecke der Bekleidung armer Schulkinder, dessen Resultat das schöne Sümmchen von 356 st. 75 kr. war und von dem lebhaften WohlthätigkeitSsinne, der in Szegedin herrscht, Zeugniß ablegt. Von dem obgenanntcn Betrage wurden 200 fl. dem Gemeinde- Vorstände übergeben und es mag das Herz der Väter der Gemeinde hochgeschlagen haben, als sie sahen, wie die emporstrebend- Jugend, erglüht für alles Schöne und Edle, sie gerne in den Werken der Menschrnliebe unterstützt. Eine Kommission wurde ernannt, die mit der Anschaffung der Kleidungsstücke betraut wurde und die auch im Vereine mit dem Schuldirektor, Herrn Oberrabbiner Löw, die Vertheilung derselben vornehmen wird. 83 fl. 75 kr. übergab man dem hiesigen Frauenvereine, der edelmüthig die Summe vergrößerte und 15 arme Mädchen vollständig bekleidete, und 75 fl. dem hiesigen christlichen Frauenverein, der in der Zeit der Noth sich ebenfalls gerne der jüdischen Armen erinnert. — Bei dieser Gelegenheit haben wir zwei Kundgebungen seiteuer Munistzenz zu registriren. Der Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr Sam. Bamberg» , bekleidet wie jedes Jahr, zehn arme Kinder, und Herr Jsak Kirschner, der unsere Schule diesen Winter mit Holz versorgte, spendete für 30 arme Kinder Fußbekleidung. Vom isr. Frauenverein soll nächstens eine Wohlthätigkeitslotterie veranstaltet werden. Möge die Zahl der Spenden sich vermehren und der Segen Gottes bleibt für die edlen Geber nicht aus. L. S. M. Arad, Anfangs Dezember. Zn den letzten Tagen des ver- ^offenen Monats Ist der Ausweis über das zweijährige Wirken des hiesigen isr. FraueuveretnS an die betreffenden Verein-Mitglieder versendet worden. Der Verein zählt 250 Mitgliedern mit den jährlichen Beiträgen von 2—12 fl. Die zweijährigen Gesammteinnahmen betragen 1981 fl., die Ausgaben 1817 fl. Gegenwärtiger Kaffestand 243S fl. in Papieren. Der Verein hat die Aufgabe, arme Kranke Wöchneriunen, Witwen, Waisen zu unterstützen, und erwerbsunfähige Weibspersonen durch ordentliche Monatsgelder zu erhalten. — Bei dieser Gelegenheit können wir unser Befremden darüber nicht unterdrücken, daß die Rubrik ״Bekleidung armer Schulmädchen" gänzlich weggeblieben, während in dem Rechenschaftsberichte des HumanitätS-VereiueS die Rubrrk ״zur Bekleidung armer Schulknaben" alljährlich 2—300 fl. in Anspruch nimmt. — Wir haben zuweilen Gelegenheit, auch in die Mädchenschule einen Blick zu werfen, und finden wir allenfalls, wenn auch nicht viele, doch mehrere Schulkinder, denen die nothwendigsten Kleidungsstücke für die rauhe Jahreszeit gar sehr fehlen. Von den edelgesinnten Vereinsvorsteherinnen erwarten wir mit Zuversicht, daß sie diesen wolgemeinten Wink wolwollend aufnehmen und dieses gute Werk ebenfalls zu ihrer Aufgabe wachen werden. Möge dem blühenden Kranze ihrer Wohlthaten auch diese Perle hinzugefügt werden und Gottes Schutz über den Verein und seinen Mitgliedern ewig walten. <D Eisenbmtger Komitat, im Nov. Unlängst ist in einer Gesellschaft viel debattirt worden, ob die Eisenbahn mehr von Nutzen als von Schaden sei; man wußte Vieles zu ihrem Lobe , aber ebenso Vieles zu ihrem Nachtheile zu sagen, und wie es gewöhnlich bei solchen Disputationen ohne parlamentarische Ordnung und Abstimmung geht, blieb der Streit unentschieden, das pro und contra hielt so ziemlich einander das Gleichgewicht, denn bei allen Vortheilen, die von der einen Seite aufgezählt wurden, wußte man auf der andern Seite sogleich die Kehrseite zu zeigen und die Nachthrile blieben keineswegs in der Minorität. Wer weiß, wie lange diese unfruchtbare Debatte noch gedauert hätte, wenn nicht ein bisher stiller Zuhörer das Wort ergriffen hätte, und gesagt: Mit der Eisenbahn ist es, wie mit den jüdischen Zeitschriften, sie find uns nothwendig geworden, weil sie anderwärts auch bestehen; jedoch ob fie mehr nützen oder schaden, ist eine Frage, die nie eridgiltig gelöst werden wird , und die Konversation ist noch schneller, als mit des Dampfes Kraft, aüf die jüdischen Zeitschriften nnd ihre Privatmittheilungen übergangen. Ich hakte das Urtheil des guten Mannes schon mehrere Tage auSgeschlafen, da wurde ich durch zwei Mittheilungen in der ״Neuzeit" Nr. 45 und 46, den Lehrer Grünhut in Körmend betreffend, wieder daran erinnert nnd glaube nun, der gute Mann habe,nicht so ganz Unrecht. Ich denke in meiner Einfalt , ein jüdisches Wochenblatt für Kultur-Interessen sollte, wenn es solche hegen und pflegen will, entweder, wo so himmelschreiendes Unrecht geschieht, im Interesse der Kultur seine Stimme laut tadelnd erheben oder, wenn es fich nicht berufen dazu fühlt, solche Mittheilungen gar nicht aufnehmen, weil mit der einfachen Registrirung solcher niedriger Gesinnung und großer Brutalität, die man -der Welt auftischt, nichts weiter bezweckt wird, als höchstens einen andern Vorstand in Versuchung zu sühren, in ähnlicher Weise vorzugehen. Was hat nun der arme Lehrer davon, daß dieses an ihm verübte Attentat in die Oeffentlichkeit gelangte? Ist ihm für das erlittene Unrecht eine Satisfaktion geworden, daß eine Stimme laut geworden wäre und den Vorgang, wenn er fich bewahrheiten sollte, getadelt hätte? Der Herr Präses hat wol darauf die Erklärung abgegeben, ״Daß hier ein Ereigniß von bedeutender Art vorgrfallen, ist Thaisache, jedoch aber an und für sich wahrlich nicht der Mühe werth, Fortsetzung in der Lrktage. Szegedin, Leipzig, Selbstverlag der Ledakttou. Lommisfions-Vertag von Fra«; Wagner. Druck von Sigmund Burger in Gzegedin. Hierzu ein Viertelbogen Beilage.