Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 50 (14.12.1864)
- Date
- 1864-12-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1018 1014 allerlei zu sageu. Es ist dieses übrigens auch alles, was wir in diesem Augenblicke darüber sagen können. Chronologische Lemerkunge» über die durch Herrn A. Neubauer veröffentlichten Firkowitz'scheir Abdrücke von alten Hebräischen Grabinfchriften aus der Krim. Von Dr. Hochstädter, Bezirksrabbiner in Bad Ems. Dritter Artikel. (Schluß.* *) Es ist darum mehr als wahrscheinlich, doß in Folge jener harten Ausschließung und Bedrückung die Juden in den thracischen Landen allmälig nach andern Gegenden wanderten; und so mögen auch gegen das Ende des sechsten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung einzelne Juden aus dem an das schwarze Meer grenzenden Thrake (Ibraoia) — dem jetzigen Rumelien oder Bulgarien — sich zu den israelitischen Glaubensbrüdern auf der benachbarten isolirten Halbinsel Krim*) zeitweise geflüchtet haben. Vielleicht auch, daß sich zur selben Zeit eine Tochter dieser flüchtigen judaischen Familien Namens Esther**), Tochter desSchelomoh — einen Krim'schen Israeliten geheiratet hatte; weshalb bei ihrem Grabstein die von anderer (wahrscheinlich jüdischer) Hand gemeiselte Nachschrift hinzugefügt wurde: (ש0״ה ר־מטרכייבט das will sagen: Für diejenigen (judaischen Glaubensgenossen), welche (in jüngster Zeit) aus Thrake (zu uns gekommen sind) rechnet man nach der Schöpfnngsaera (385 (ליצירה Jahre (nach der kleinen Zahl (ל0״ק); d. h. 4385 nach der großen Zahl (לפ״ג), also um 151 Jahre minder. Daß eben diese thracischen Glaubensgenossen Judäer und keine Nachkommen der zehn Stämme Jisraels gewesen sein müssen, geht schon aus der obenerwähnten Pnrimfeier hervor, welche nur bei den zwischen der Zerstörung des ersten und dem Aufbau des zweiten Tempels unter der medisch -persischen Oberherrschaft lebenden erilirten Judäern***) oder noch viel später bekannt und eingeführt wurde; wie selbst der Talmud (8. Tr. Baba Bathra 15, a.) die Abfassung des Buches Esther den Männern der großen ,Synode (אמ׳ה) von Esra biö Simon dem Gerechten — zuschreibt. 911 (י־« Ergänzung zu S. 595 Note 3 mögen hier folgende Worte von Seneca (Briefe Rr. 117) angeführt werden. 3״eder m uß nach seinen Kräften tragen. Nimm, was du kannst, nicht, was du willst." *) S. die vorige Nummer. **) Diese nichtrabbanitischen Israeliten blieben auf ihrer ziem»!ich eingeschloffenen Halbinsel und bei ihrer einfachen Lebensweise in religiöser, wie politischer Beziehung von dergleichen religiösen und nationalen Verfolgungen meistens verschont, so auch später, als sie zum Kar.aiömus übergetreten sind und unter der Herrschaft der Araber und Mongolen, der Türken und Russen lebten. ***) Darauf weist wol auch ihr Name ans einer der spätesten biblischen Bücher (Esther) hin; indem die in der Krim isolirt lebenden Nachkommenden der zehn Stämme Z iS raels weder dieses Buch, noch diese persischen Frauennamen (s. das. Kap. L. SB. 7) eher kennen lernten, als bis sie mit den Nachkomtpeu der au« dem Reiche 3udäa Bertrlebeuen verkehrten. Resumiren wir nun zum Schlüsse die Ergebnisse, welche aus diesen in der Halbinsel Krim aufgefundenen hebräischen Grabsteinen — in sofern dieselben echt und der (auf Nr. 35 der Abdrücke sich befindende) Zusatz היא שפ״ה למטרפיים kein späteres Machwerk ist*) — folgen: 1) die Reduktion der in der Bibel (II. Mos. 12, 40. und 41.) angegebenen Zeitdauer der egyptischen Sklaverei von 430 Jahren auf circa die Hälfte dieser Zahl (—210 oder 215 Jahre) beruht nicht auf einer Fiktion jübischer und christlicher Schriftgelehrten, sondern auf einer uralten nationalen Tradition, die sich selbst auf die (karaitischen) Nachkommen der zehn Stämme Jisraels vererbt hat. 2) Die Annahme der rabbinischen Chronik über die Zeitdauer (von 410 Jahren) des ersten Tempels ist, sammt den dazu gehörigen Ausgleichungen (in VVD) allen andern Kombinationen voznziehen. 3) Dagegen mangeln bei derselben Chronik über die Zeitdauer (von 420 Jahren) des zweiten Tempels mindestens l'/2 Jahrhundert, weshalb die griechische Aera (תנין וונים) bis zum Ende des ersten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung und noch später, neben der Schopfungsaera (□עול nN מ׳ לברי) beibehalten wurde. 4) Die Nachkommen der zehn Stömme Jisraels führten zunächst für sich eine eigene Erilära (כד לגלות ישראל) ein, gleichwie solches auch später die ausgewanderten Judäer thaten (vrgl. Jecheskel 40, 1 בניר.שגה לגלותנו) wozu dann später auch bei jenen israelitischen Nachkommen die Schöpfungsaera (כד ליצירה) hinzukam. 5) Die auf der Halbinsel Krim isolirt lebenden Nachkommen der ans dem ehemaligen Sonderreiche Jisrael Vertriebenen machten erst gegen das Ende des sechsten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung Bekanntschaft mit den rabbanitischen Juden aus den tracischen Ländern. 6) Dieselben traten gegen das Ende des achten Jahrhunderts zum Karatsmus (ראיט,?) über, welcher sich demzufolge theilS aus dem Ueberreste der ehemaligen Sekte der starren und halbgläubigen Sadduzäer (צדוקים) und theils unter den unkultivirten und mindestens unwissenschaftlichen Nachkommen der zehn Stämme (טיי.שבטים (J i sraels seinen ersten Anhang verschaffte, respektive ergänzte. Korrespondenz. Ausland. L. Hannover, Gilde November. Eine besondere Anerken^ nung ist dieser Tage dem Architekten Oppler, der, wie Ihnen berichtet mit dem Bau unserer neuen Synagoge betraut ist. geworden. GS wird in der Nähe Hannovers ein neues Palais. die Marienburg, gebaut, das sicherlich zu den schönsten Deutschlands zählen wird; der Bau schritt unter der bisherigen Leitung zu langsam weiter und war die innere Einrichtung auch nicht nach dem Geschmacke Ihrer Majestät der Königin. Höherer SeitS wurden deshalb die Leiter ihrer Srellung ent- *) Drgl. meine rrligionsfilosofischen Erläuterüngeu zur biblisch reinen Glaubens« and Pflichtenlehre Nr. 50. *•) Vrgl. über diesen Zweifel die gelehrte Abhandlung (muthmaßlich von unser,»« Rappoport) in der hebr. Zeitschrift Kerem Chemed, Band V, Brief 17 und namentlich Artikel 8