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Ben Chananja · 1864-12-14 · 50 (14.12.1864) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
50 (14.12.1864)
Date
1864-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1007 auch mit dem Bibelunterricht.*י) In der alten KönigSzeit bezeichnte Sofer den Rang eines Kanzlers, später war es der Titel des Schriftstellers, endlich wurde eS der Name des armen Schulmeisters. Der mächtige Aufschwung, welchen das Studium des assyrisch-babylonischen und persischen AlterthumS in neuerer und neuester Zeit nahm, wird gewiß auch ans die Eregese und die alte Geschichte der Juden in den Euphrath- und Tigrisgegenden seinen die spezielle Erkenntniß fördernden Einfluß ausüben. So erscheinen die Erschütterungen, von denen der Profet Haggai spricht (2, 6. 7) in einem ganz neuen Lichte, sobald man sich mit Mordtmann'S Erklärung der Keilinschriften (Zischst, d. D. M. G. 17, 1 ff.) bekannt gemacht hat. In den Inschriften spricht DariuS HystaöpeS von den Revolutionen in seinem Reiche; die Erschütterungen Haggai's sind aber nichts Anderes, als eben diese Revolutionen! — Je genauer die politischen und sozialen Zustände jener Gegenden erkannt werden, desto begreiflicher wird man die vollständige Autonomie der dortigen Gemeinden finden. Und nur auf dem Boden autonomer, in ihrer Entwicklung nicht gestörter Gemeinden konnte das Studium der nationalen heiligen Literatur zu sorgfältiger Pflege gelangen: einer Pflege, welcher es an den Sitzen uralter babylonischer Kultur nicht an Aufmunterung fehlte. Schon der Talmud erblickt in dem babylonischen Eril eine providentielle Veranstaltung zur Erhaltung Israels, indem die Erulanten daselbst eine milde Behandlung genossen, und die Sprache der Babylonier mit der der Thora verwandt war, so daß eine die Erulanten dem Verständnisse der Thora entfremdende Entnationalistrung derselben nicht eintreten konnte (Peß. 87, b.) Je höher die nationale Kultur der östlichen Emigration stieg, desto lebhafter mußte sich in den gelehrteren und edleren Emigranten der Wunsch regen, das zurückgebliebene Mutterland zu sich emporzuziehen, und das daselbst vernachlässigte väterliche Gesetz zur Kenntniß und praktischen Geltung zu bringen. Esra, der priesterliche Schriftsteller, übernahm die Mission, diesen Wunsch zu realisiren. Der biblische Bericht über Esra und seine Zeit besteht aus drei Elementen: aus einer von ihm selbst herrührenden, einer aus der kommenden Wendung stammenden Relation und einem von der Kritik als echt anerkannten Schreiben סופרי׳ ומשני׳ ף jer. Chag. 1. 7., wo auch die chalb. Form vorkommt. Der Gloffator: מלמדי תינוקות מקרא ומשנה Daß Sofer wirklich Bibellehrer bezeichnet, geht daraus hervor, daß die Bibelschule יסית ספר die der mündlichen Lehre סית תלמור heißt (Jer. Meg. 3. 1. vrgl. Toß. Maaßer. I.) Hieher gehört auch Jlk. zum Hohen!. 5.15.: ססייפר מלמד תורה לישראל und B. Bathra 21, a.:סופר ארמאי,סופר יהוראי, ebenfalls von Jugendlebrern. Auf alle diese Stellen gründet sich Raschi'S Erkl. Sota 49, a. Ende. was Frankel a. a. S. übersehen hat. Die Schüler werben als angehende Soferim ebenfalls סופרים genannt: Kidd. 4, 13.. wo die Erklärung der Toßasisten 82. s. die richtige. die Raschi'S hingegen sprachlich »nrichtig ist. Ber. 45, b. wird der Sofer dem Zhioten (Bor) entgegengesetzt. 1008 des persischen Königs. In diesem Schreiben heißt es unter Andermr ״Und du Esra bestelle nach der Weisheit deines Gottes, die in deiner Hand ist, Richter und Rechts- Pfleger, die alles Volk richten, das jenseits des Stromes ist, alle, die das Gesetz deines Gottes kennen, und die eS nicht kennen, die lehret es." (Esra 7, 25.) Bis dahin muß also im heiligen Lande die Gerechtigkeitspflege nach dem Herkommen, oder nach dem arbiträren Ausspruche der Richter, und nicht, oder doch nicht immer nach dem geschriebenen Gesetze gehandhabt worden sein. Von der Ausführnng der dem Esra übertragenen Justizreform herichten nun die biblischen Quellen allerdings nichts; der Talmud führt aber die in den orientalischen Gemeinden bis auf den heutigen Tag üblichen mondtäglichen und donnerStäglichen Sitzungen der Gerichte auf Esra zurück (B. Kama 82, a.) Es ist auch gar nicht denkbar, daß Esra die ihm gestellte Hauptaufgabe ungelöst ließ. Die Erhebung des geschriebenen Gesetzes zur einzigen Norm der Gerechtigkeitspflege ist sein Werk; die Erinnerung daran klingt in den talmudischenAussprüchen durch: ״Als Israel die Thora vergessen hatte, zog Esra von Babel nach dem heiligen Lande, und begründete dieselbe." (Sukka 20, a.) ״Esra war würdig, daß durch ihn das Gesetz gegeben werde» wäre ihm nicht Mose zuvorgekommen." (Sanh. 21, b.) Esra stand bei der Erfüllung seiner Mission nicht allein; seine Mitarbeiter waren die מסימס,-von denen Esra auch in seiner eigenen Relation spricht (Esra 8, 16.) D ie Schriftgelehrten hießen nicht mehr □הכמי, wle im früherer Zeit, sondern ״Verstehende", indem die Gelehrsamkeit im Verständnisse des geschriebenen Gesetzes oder des nationalen Schriftthumes lag. Von einer Vorlesung und Erläuterung des Gesetzes redet die Relation, in welcher Esra in der ersten Person erzählt, nicht. Vor seinem Ausbruche aus Babel läßt er am Flusse Ahawa ein Fasten halten , ohne dabei eine Gesetzesvorlesung vornehmen zu lassen -(Das. 8, 21.) Dagegen spricht die jüngere, der folgenden Wendung angehörende Relation ausführlich von solchen Vorlesungen. Diese Wendung, die dri t te unseres Zeitraumes, wird von Ptolemäus Lagi und Simon dem Hasmonäer begrenzt, und umfaßt 160. Jahre (301—142= I59i) D e r Sieg der jüdischen Nationalität über das eindringende Griechenthum ist das geschichtliche R esultat dieser Wendung. Die geistigen Mächte, welche mit .den ׳griechischen Heeren Asien neugestalteten, bedrohten die Eristenz der jüdischen Nationalität in Palästina noch vor den gewaltsamen Zentralisationsversuchen des AntiochuS EpifaneS. Die Kraft des jüdischen Widerstandes gegen jene Mächte ist in neuerer Zeit zuerst von Bertheau nach ihrer wahren Bedeutung

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