Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 50 (14.12.1864)
- Date
- 1864-12-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1005 1006 laufet Esra's, wie Esra ein Vorläufer Hillel'S ist. Der größere und eigenthümlichere Theil deö Buches, welches Ezechiel's Namen trägt, hat nicht Profetische, sondern gelehrte Tendenz, und gibt sich nicht als lebendige, wirklich gehaltene Rede, sondern als schriftstellerische Aufzeichnung zu erkennen. Seine wiederholt ausgesprochene Vorliebe für beschriebene Rollen und für Schreibmaterialien^) verräth ebenfalls den Schriftsteller. Praktischer Volkslehrer war er allerdings auch; aber der Inhalt seiner Reden stellt weniger den Profeten, als den Schristgehrten in den Vordergrund. Selbst der Talmud setzt ihn den übrigen Profeten nach. Die Kauonizität seines Buches wird nach dem Talmud noch gegen das Ende der Periode des zweiten Tempels in Frage gestellt (Sabb. 13, b). Daß man ihn ganz vorzüglich als Schriftgelehrten verehrte, beweist der Spruch: ״Wem Ezechiel im Traume erscheint, hoffe auf Erlangung der Schriftgelehrsamkeit!" 3) Um so merkwürdiger ist die Kühnheit des talmudischen Satzes: ״Moses sprach die Drohung aus , daß Gott die Missethat der Vater heimsuchet an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied (2 M. 34, 7); Ezechiel kam und suspendirte diese Drohung, indem er (18, 20) sagte: ״Die Seele, welche sündigt, soll sterben! 4) Aus öffentlichen Plätzen, wie die Profeten im heiligen Lande, konnte Ezechiel inmitten einer gemischten Bevölkerung unmöglich seine Reden halten. Seine Zuhörer fanden sich in seiner Wohnung ein. (8, 1; 13, 24; 20, 1.) Die Sage erzählt von dem hohen Alter babylonischer Synagogen, 5) und es dürfte derselben kaum ein historischer Kern abgesprochen werden können. In Jerusalem erhob sich zwar der Tempel von Neuem und die Stimme der Profeten ließ sich daselbst wieder vernehmen; nichtsdestoweniger behauptete sich, von mannigfachen Umstanden begünstigt, die Emigration so sehr in ihrer Präponderanz, daß einer ihrer Söhne es wagen durfte, im Mutterlande als Reformator aufzutreten. Dieser hervorragende Sohn der Emigration war Esra, welcher, wie Jeremias und Ezechiel, dem priesterlichen Geschlechte entstammte. Er eröffnet die zweite Wendung unseres Zeitraumes, welcher mit dem Eindringen griechischer Elemente in Palästina unter Ptolemäuö Lagi schließt, und 116 Jahre umfaßt (458—301—157.) Die Befesti- *) ®j 2 9 103 2 9 *2 1 3 ן s) 50er. 57, b. R. Jesaj. B rlin verweist daselbst aus Ab. des 0t. Nathan Kap. 40., wo dieser Spruch fehlt; s. jedoch צל״ח zur St., wo die gewöhnliche Leseart auf'eine sehr einleuchtende Weise emendirt wird, und der angeführte Spruch ^unangetastet bleibt. Eine abweichende Leseart f.. iu Beih Nakhan-von Eoronel 35, ä. y Makk. 24, wo die Suspension Mosaischer Anösprüche aus anderen Profiten — AmoS, Jeremias j Jesajas — zngeschrieben wird. Zm Jalkut wird diese Tatmudstelle beim!Dckalog angeführt: Zu 2 M. Nr. 291. / ') S. Fürst'ö Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien. S. 8. gung des nationalen Gesetzes im Mutterlande ist das geschichtliche Produkt dieser Wendung. Esra führt in der Schrift bekanntlich den Titel Sofer (ר,סופר), was Luther ״Schriftgelehr te r" übersetzt. Dieser Uebersetzung folgte man bis auf den heutigen Tag, ohne daß man sich hierüber die erforderliche Rechenschaft gegeben Hätte. Eine etwas abweichende Erklärung gibt Frankel. Nach seinem Dafürhalten beginnt nämlich die Schriftauslegung, welche, wie wir sahen, die Geister schon im letzten Jahrhundert des ersten Tempels beschäftigte, erst in der Persischeu Zeit; sie verdankt ihren Ursprung den Sofer in. Dies sucht er geschichtlich und sprachlich zu begründen. In letzter Beziehung sagt er: ״Sofer, zur Zeit des Lebens der hebräischen Sprache ״Schreiber", bedeutet zur Zeit deö zweiten Tempels ״Gelehrter": es schließt sich nämlich an ספר, Buch, Schrift an: Schrifterklärer (Progr. I. S. 4. S. Hob. ,3,)" Gegen diese Auffassung spricht aber schon der Umstand, daß in denselben biblischen Schriften, welche Esra den ״Sofer" nennen, die Schrifterklärer nicht סופרים, sondern מבינים genannt werden. Ebensowenig sprachliche Stichhaltigkeit hat Nachman Krochmal's Deduktion, nach welcher Sofer mit ״—ספרGrenze" znsammenhängen und ungefähr so viel als Definitor bedeuten soll (More 165, d). Läßt man sich nicht von willkürlichen Geschichtskonstrüktionen leiten, so wird man nicht umhin können, den Titel ״Sofer", welcher Esra beigelegt wird, als ״Schriftsteller" aufzufassen, und die Soferim, von denen in der Chronik die Rede ist (I. 2, 55), für Abfasser von Schriften oder Schriftstücken zu halten. Die Ueberlieferung führt manche religionsgesetzliche Bestimmungen und den Ursprung der ältesten Elemente der Mischna auf sie zurück. 3 * 7) Diese Angaben sind wol großen Theils historisch richtig, ohne jedoch mit der Etymologie deß Namens Sofer znsammenzuhängen. 0 R. Gemaliel II. redet zwar Schriftgelehrte als Soferim an (Sota 15, a); aus dieser pathetischen Apostrofe kann aber auf die eigentliche Bedeutung des Wortes kein Schluß gezogen werden. . Das Soferthum repräsentirt nicht nur literarische, sondern auch gewerbliche Thätigkeit; der Abfasser von Urkunden hieß Sofer—Notar: so schon bei Ezechiel, sehr häufig in der Mischna und in beiden Gemaren, 8) Da aber das Notariat nicht hinreichte, als alleiniger Nahrungserwerb zu dienen, so befaßte sich der ^ofer, der wol auch Bibeln schrieb, °) Sanh. .11, 3. Orla 3, '8; Töß. Ädlij. Sifre be-Haal. Nr. 73. Krochmal'S More 167 ff- ’) Irr. Schek. 5, 1. Babli Kidd. 30, a. — Mar Hat auch Esra 7, 11. 12. 21. die'Bedeutung des Zählens gefunden nnd'dies für ein Mißverständniß gehaltui fZiinz, G. B- 23. 43.) Hier ist aber ספר in der alten Bedeutung des Abfaffens zu nehmen. ') Ez. 9.-2. 3. M. Peß. 3, 1. Gittin S. 8. B. Mch 11. uud an vielen Stellen in der Dem,