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Ben Chananja · 1864-12-07 · 49 (7.12.1864) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
49 (7.12.1864)
Date
1864-12-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ioöo 999 der Redner seiner Gemeinde offenkundige Unwahrheiten predigt. So sagt er: ״Unsere vorgeschriebene Gottesverehrungsweise kan» weder innerlich noch äußerlich je veralten oder ihren Werth einbüßen; für alle Zeiten und Geschlechter ist ihr ursprünglicher Inhalt, wie ihre ursprüngliche Form von Gott bestimmt und festgesetzt." Aus welcher Queste hat der Verfasser diese Behauptung geschöpft? Zn Wahrheit ist der in der Thora festgesetzte Kultus wesentlich Opferkultus; für den opferlosen Kultus ist selbst nach dem Talmud in der Thora nur ein winziges Minimum vorgeschrieben! Der Verfasser beruft sich zu wiederholten Malen mit vielem Pathos auf die Worte der Thora: ״Ihr sollt nichts hinzuthun zu dem, däs ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon thun (5 M- 4, 2), ohne zu bedenken, daß diese Warnung nicht für, sonderu gegen seine reaktionären Tendenzen spricht. R. Moses Ventile (gest. 1711) begleitet die angeführten Worte mir folgender Bemerkung: ״Alle Gebote Gottes sind mit Weisheit gegeben. Sie hängen gleich den Ringen einer Kette zusammen; die Kette wird zerrissen, sobald man einen Ring herausnimmt. Vermehren wir aber diese Gebote, so wird deren Beobachtung durch die große Menge derselben unmöglich. In unserer Zeit wissen wir dies aus Erfahrung. Denn durch die vielen Satzungen und Gebräuche, mit denen die Gebote vermehrt wurden, wird die Masse des Volkes genöthiget, die Hauptsache, nämlich die Befehle Gottes, die gerade und frei sind von Krümmung und Verkehrtheit, zu verlassen nnd zu vergessen. Daher lehrt Moses, daß man befolge, was Gott geboten hat, und sich damit begnüge. Deshalb soll zu den Geboten Gottes nichts hinzugefügt, und nichts davon genommen werden" ואנחנו'בדור הזה נסינו באלה כי ברוב דברים ומנהגים רבים הוסיפו על המצות דלת הארץ מוכרחים לעזוב העקר. Zch habe Sie, v. H., vielleicht schon zu lange mit dem Butschowitzer Chaßid beschäftigt, nnd dennoch kann ich nicht umhin, noch eine Bemerkung hinzuzufügen. S. 13 führt derselbe Ra sch i an, und nennt diesen N. Salomo Jarchi. Nun hat Zunz schon 1822 folgende Worte veröffentlicht: ״Die bekannte Namenverkürzung רש״י hat der ältere Burtorf in R. Salomo Jarchi aufgelöst; daher auch Raschi in der gelehrten Welt den falschen Namen Jarchi erhalten, und l'Emperenr hat daraus den Ort Lünel in der Provence zu Raschi'S Geburtsort erklügelt; alles dies zum großen Verdruße Richard Simon'S nnd mit Widerspruch aller alten jüdischen Rabbinen. Neuere jüdische Schriftsteller erst, die aus Burtorf ihr Hebräisch gelernt, sagen die Fabeln von Jarchi und Lünel nach, und moderne Bordeaurer sind eö, die sogar nach Lünel, zum vermeintlichen Grabe Raschi'S, wallfahrten (Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums S. 279)." Woher hat nun der Chaßid den Namen Jarchi, der in jüdischen Quellen gar nicht vorkommt? Die heuchlerischen Romantiker verharren allerdings auf Gemeinplätze», um sich keine Blöße zu geben. Nichtsdestoweniger gelingt es ihnen nicht immer, ihre Ignoranz zu verbergen.*) Eine originelle litcrärische Erscheinung ist dieses Heft: ״Diwre Jehnda." Vorträge halachischen und agadischen Inhalts von Dr. I. Leop. Rockenstein, Rabbiner. Im Selbstverläge des Verfassers. Wien Holzwarth. 8. 125. Im Anslande werden diese Vorträge eine sehr strenge Beurtheilung erfahren. Indem aber der Verfasser seine agadischen Vorträge in jüdisch-deutscher Schrift heranSgibt. gibt er ja deutlich genug zu verstehen, für welches Publikum er schreibt. Wahrscheinlich hat er die Neberzeugiing gewonnen, daß seine Vorträge diesem Publikum zusagen werden: de gustibua non est diaputandum! Die Schrift, in *) In dem letzten Hefte des Jeschurnn, das mir soeben zu Gesichte kommt. macht Hr. Dr. Lipschütz mich znm Gegenstände seiner Schmähungen. Da ich nicht Zeit habe, gegen ihn einen Jujurienprozeß einzuleiten , so beschränke ich mich darauf, ihm zu sagen, daß so ein niedriges, ja niederträchtiges Treiben jede« Gebildeten mit Abscheu erfüllen muß. L ö w. welcher die Vorträge gedruckt find, ist in Deutschland ganz außer Brauch gekommen. In Ungarn ist sie wirklich nicht zu verachten. Sind wir einmal so glücklich, einen Aulturveveitt zu besitzen, so wird es dieser ganz gewiß nicht unter seiner Würde halten, für die jüdischen Einwohner der Komitate Zempliu, Süros, Abauj, Ung, Bihar, MärmaroS und SzabolcS, jüdische Lettern zu Hilfe zu nehmen, um durch anfklärende Schriften dem Chaßidäismus und der Unwissenheit entgegenzntreten׳ Eine neue Austage des Megalle Temirin von Josef Perl mit jüdisch-deutscher Uebersetzung wäre ein sehr zeitgemäßes Unternehmen.*) _,_ (Schluß folgt.) LiterSrische Anzeigen. Die Israeliten zu Mekka. Von Dr. Dozy. Leipzig, Engelmann- 1864. 8. VI. 196. und lith. Tafel. Besprochen von Raphael Kirchheim. (S ch l u ß. **) Was nun die ersten Ghornm betrifft, die der Verfasser mit den Simeoniten und diese wieder mit den Jsmaeliten idcntifizirt, so sind wir dabei nur auf Hypothesen und Kombinationen, aber der geistreichsten Art, hingewiesen, die zwar überraschend, aber von einer Geschichts- Wahrheit sehr fern find. Von dem Stamme Simeon, der überhaupt in der biblischen Geschichte keine thätige Rolle spielt, wird (Nicht. 1, 3 und 17) berichtet, daß er, mit Juda vereint, die Bewohner von Zefaih bekämpfte, die Stadt einnahm, sie zu Cherem machte und den Ort Charma nannte.***) Er besaß (nach Jos. 19) 17 Städte im Gebiete des St. Inda, die meistens im Südwesten****) an den Grenzen Arabiens und des Philisterlandes lagen, die daher auch in Jos. 25, 20—32 unter die Städte Zudaö namentlich angeführt, aber nicht mitgezählt wurden; denn der Verfasser des Buches nennt 36 Städtenamen, zählt aber nur 29. Daß nun ein großer Theil seiner Besitzungen an Juda überging, war sicherlich eine Folge der Auswandernng, die uns deutlich 1 Chr. 4,25—43 erzählt wird. Ci» Theil zog weg למבוא גדר עד למורה הגיא — und diese, deren Namen in den Tagen Hiskias, Königs von Juda, ausgezeichnet find, kamen nnd schlugen ihre Zelte nnd Wohnungen המעונים — nach dem Kethib המעינים die Minäer, nnd machten sie zu Cherem bis auf diesen Tag und wohnten an ihrer Statt; denn da gab es Weiden für ihre Heerde»." Die Ursache der Auswanderung ist hier dreimal angegeben, um Weiden zu suchen; auch die Zeit der Auswandernng, denn bei der Aufzählung ihrer 13 früher bewohnten Städte ist beigesügt ״dies waren ihre Städte, bis David König wurde." Schwieriger aber ist die Ermittlung des Orts, wohin sie zogen, und die Angabe des Chronisten ״von Cham herstammten, die früher dort wohnenden" wirft kein helleres Licht auf diese dunkle Stelle. Die Alerandriner lesen גרר. das an der südlichen Grenze P's. liegt, und immer von de» Philistäern bewohnt war. Nach dieser Leseart wäre eS sonderbar, daß der Chronist die früheren Bewohner so allgemein als Chamisten und nicht als die bekannten Philistäer bezeichnet hätte. Dozy, der diese Lcseart anch deshalb verwarf, weil alsdann keine AnSwanderung, sondern nur eine Erweiterung ihrer Grenzen stattgefunden hätte, geht nun von der selbstgewonnenen Meinung aus, daß die AuSwanderung keine freiwillige, sondern eine gezwungene war und er bringt *) Einer meiner Freunde in Galizien wird wol die Güte haben, mir ein Exemplar des Megalle Temirin zukommen zu lassen- L. **) S. die vorige Nummer. ***) Dieselbe Thatsache wird Nummer 2t ungenan erzählt. Bei Jbn Esra z. St. taucht schon die verfängliche Ansicht auf, daß Zosua diese Stelle geschrieben, d. h. die Begebenheit habe sich zu seiner und nicht zu MvsiS Zeit zugetragen. **»*) Wenn 2 Chron. 34, 6 der St. Simeon unter den Nördlich woh- »enden Stämmen genannt wird, so gehört dies zn den vielen Ange- »auigkeiten des Chronisten.

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