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Ben Chananja · 1864-11-30 · 48 (30.11.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
48 (30.11.1864)
Date
1864-11-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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973 974 auf der ganzen Retourreise vor, und die Gedankenreihe bot mir den Stoff zu nachstehender Parallele. Preßburg, wie Alba, bieten in ihren KultuSgemrinden zwei Parteien, die Orthodoren und die Fortschrittspartei. Hat gleich Preßburg der öffentlicheu Skandale nicht so viele, als Weißenburg aufzuweisen, so gibt es deren im Innern genug, was doch, glaub ich, auf Tins hinaus« kommt. Weißenburg hat gekämpft, beharrlich und ausdauernd gekämpft, so konnte der Sieg nicht ausbleiben. Die Fortschrittspartei, als die Majorität, steht in Glanz und Eintracht da, zum Nutze» und Frommen der Nachwelt; auch zu Preßburg wird gekämpft —! es ist der Kampf ein stiller, aber nur desto hartnäckiger und ungleich schwieriger, nach« dem die Fortschrittspartei den Orthodoren gegenüber nur klein ist. Ein Beispiel dieses im Stillen geführten Kampfes möge den geehrte» Lefern zur Begutachtung vorgeführt werden. Die Preßburger Judengemeinde, trotzdem fie zahlreich ist, besitzt noch keine öffentliche Mädchenschule. Die Herren Vorsteher der Primärschule, die zugleich das Innere der Reformpartei repräsentiren, sahen die Notwendigkeit einer solchen ein, und machten höher» Ortes Schritte dazu. Ihr Gesuch, welches nebst der Bewilligung auch eine Unterstützung beanspruchte, ward von der kön. ung. Statthalterei dahin beantwortet, daß fie, im Falle die im Bittgesuche angeführte Armuth der Gemeinde fich konstatirt, geneigt wäre, (wenn ich gut unterrichtet bin), einen jährlichen Beitrag von 1000 fl. der Gemeinde PreßburgS zufließen zu lassen.' Was thaten aber die Obskuranten? Eilends gaben, sie das Gutachten ab, daß sie der Hilfe nicht bedürftig find und nahmen die Verpflichtung auf sich, binnen drei Zähren eine öffentliche Mädchenschule zu errichten. Bald sind es zwei Jahre und noch ist nichts zur Sache geschehen, und Eltern, die ihren Töchtern so gerne eine bessere Erziehung geben möchten, sehen sich in der peinlichsten Lage, denn in den christlichen Jnstituten finden jüdische Mädchen hier keine Aufnahme; und die einzige hier bestehende Privatmädchenschule — ist eben nur eine Privatschule- Die wachsende Armuth allhier, die den Lehrern der Gemeindeschule ein Vierteljahr lang den Sold vorenthält, kann und wird dem bereits Herrschenden Elend nicht noch mehr Elend hinzufügen, und es ist evident, daß Preßburg keine öffentliche Mädchenschule zu erwarten hat. Dieses Beispiel sonder Gleichen ist nicht nur geeignet, jedwedem öffentlichen Skandal die Spitze zu bieten, sondern ist auch eine Todsünde, begangen an schuldlosen, harmlosen Kindern. Und von wem? Von Frömmlern und Heuchlern! Die Synagoge von Außen, der Mode nach mit weithin glänzender Kuppel zugestntzt, einem Thürsteher, der in moderner Livrüe steckt, ist von Innen die alte Schul geblieben. Noch mehr, das alte Gitter hatte wenigstens weite Oeffnungen und die Frauen konnten ungehindert das Aus- und Einheben sehen, während jetzt ein eugeS Drathgeflecht, wo kaum eine Fliege durchschlüpfen kann, den Frauen das Hinunterschauen verleidest. Zum Ueberfluß wollte Reb Frisch besagtes Gitter noch mit Vorhängen versehen wissen, welche Ausgabe fich aber die Gemeinde auf bessere Zeiten ersparte. Die alten Nigunim, die famosen ״Esbores" sind noch ander Tagesordnung, nur die heilige Keduscha wird ausnahmsweise mit einer Arie aus irgend einer volkstümlich gewordenen frivolen Oper — bom« bastisch vorgetragen. Das Schreien und fich wie wahnsinnig Gebährden, besonders zur Zeit der hohen Feste, als wäre der liebe Gott taub, oder als wollten sie der Gewohnheit gemäß, auch ihn überschreien, gehört noch zum wahren Gottesdienst! Kaum daß die Reformpartei ihren kleinen improvisirten, nach Verhältnissen geschmackvoll ausgestatteten Tempel eröffnet hatten,... hieß es schnell הבה נחהכמה לו פן ירבה und telegraphisch wurde der Magid vulgo Prediger Reb Frisch Fischmann ans Siebenbürgen be- .rufen. Niemand kannte ihn— eine unbekannte Größe, sollte er die Brücke bilde», um di« verirrten Schafe durch die Macht feiner Rede wieder ihrem Gotte zu,»führen, oder besser gesagt, das Neue im Keime ersticken zu machen. Und aufrichtig gesagt! wäre Fischmann der wirklich talentirte Redner gewesen, hätten seine Reden Gehalt und Geist gehabt, wären fie logisch durchdacht und auSgeführt, in gediegener rein deutsch^ Spracht feinen Zuhörern gegeben worden; ich kann nicht mit Gewißheit sagen, ob der kleine Reformtempel auf der GaiSgaffe nicht längst zu bestehen aufgehört hätte. Da aber die Zeit des Teutfchchumesch's vorüber ist, und man in der Nähe Wiens einen Mannheimer und Jet« linek zu Musterbildern hat, mußten die Herren Obskuranten mit ihrem Redner Fiasko machen, während die kleine Fortschrittspartei in Herrn Dr. Brüll, derzeit in Wien domizilirend. eine glückliche Wahl getroffen hat. Die inhaltsvollen Reden, das Gottbegeisterte , das richtig durchdachte und ausgeführte, die blumenreiche schwungvolle deutsche Sprache und was über Alles, sein treues biederes, echt!üdisches Gemüth zu schildern, muß ich einem Würdiger« überlassen, dessen Feder das Erhabene zu schildern gewohnt. Ich konnte das Wahre nur mit schlichten Worten geben. Das hiesige jüdische Casino steht ganz auf dem Niveau der hiesigen Kultur. 8- Warasdin, Ende November. Zur Ehrenrettung unseres sehr geachteten Rabbiners, Herrn Dr. Sonnenschein, halten wir uns verpflichtet, folgende Berichtigung der in diesen Blättern im Monate Sept. Nr. 38. mit dem Namen Lengsfelder gezeichneten Zeilen zu veröffentlichen. Herr Lengsfelder sagt daselbst: Herr Sonnenschein habe sich sogar verpflichtet, keinem Schüler eine schlechte Klasse aus der Religionslehre zu geben. Wir haben die von Herrn Dr. Sonnenschein der Gemeinde gegenüber eingegangenen Verpflichtungen abermals und abermalS durchgelesen und darunter kein Sterbenswörtchen von der angeblichen Verpflichtung gefunden. Battonya, 15. November. Einer weitläufigen Entgegnung des ehrsamen Vorstandes der dortigen isr. Kultusgemeinde entnehmen wir folgende, die Korresp. in Nr. 4L d. Bl. betreffende Notiz: ״Vor Allem eristirt in unseren Chevra-Kadischa-Statuten keine«, welches erigire, daß der Lehrer mit den Schulkindern hinter der Bahre des Joscheb-be Sßeßer rezitire; es heißt vielmehr, der Kantor (Ne'eman) hat diese Funktion zu verrichten, mit welcher Fassung aber unser Herr Rabbiner ganz einverstanden ist." Die Entgegnung konstatirt ferner, ״daß der frühere Usus von dem gegenwärtigen Rabbiner nicht abgeschaffl wurde." Die Herren Vorsteher in Battonya werden sich hoffentlich mit dieser Berichtigung begnügen. Die Polemik gegen den Berichterstatter in Nr. 4L d. Bl. hat für einen weiteren Leserkreis kein Interesse. S. A. Ujhely, im November. In den zahlreichen jüdischen Schulen des Vaterlandes, in denen die ungarische Sprache n»- terrichtssprache ist, fehlt es in d»n unteren Klaffen an einem Leitfaden zum Unterrichte in der biblischen Geschichte. Diese Lücke in unserer Schulliteratur wird auf eine treffliche Weise anSgefüllt-dnrch die Schrift: Biblische Lesestücke für israelitische Schulen und Familien. Von Jsak Rosenmeyer mit Hilfe des Präparandie-DirektorS Jos. ^.rvsi. 8. 124 Eigenthum des Verfassers. Preis 3 kr. ö. W. Möge das mit vielem Takte abgefaßie Büchlein eine recht weite Verbreitung finden! LiterSrische ÄiiMgen. Die Israeliten zu Mekka. Von Dr. Dozy. Leipzig, Engelmann- 1864. 8. VI. 196. und lith. Tafel. Besprochen von Raphael Kirchheim. Keine Schrift von gründlicher Forschung und ernster Wissenschaftichkeit hat von der jüdische» Presse eine so scharfe und gehässige Beurtheilung erfahren, wie die vorliegende. Der Referent in der Fran-

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