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Ben Chananja · 1864-11-30 · 48 (30.11.1864) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
48 (30.11.1864)
Date
1864-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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969 970 flößt. Ich betrat Baiern, und brachte den ersten Sabbath in München zu. Wahrend meines Aufenthaltes von wenigen Tagen hörte ich Vorlesungen über Filosofie von Schelling, über Sanskrit von Frank. Die Synagoge, in welcher schon der Rabbiner Aub lehrte, hatte einen gut geregelten Gottesdienst, einen Vorbeter und einen gut geschulten Chor. Da ich von Wien kam, wo Mannheimer als Prediger und Sulzer als Vorbeter die Bewunderung Aller, die sie hörten, erregten, überraschte mich alles dies nicht. Nichtsdestoweniger war ich . sehr zufrieden und glücklich. Augsburg, Stuttgart, Heidelberg und Frankfurt am Main waren meine folgenden Stationen. In letzterer Stadt hatte ich das Glück, dem sel. Herrn Baron Sal. Rothschild zu begegnen, welcher in seine 5 Geburtöstadt gekommen war, um der Hochzeit des Herr» Barons Lionel v. Rothschild aus London, der gegenwärtig Mitglied des englischen Parlamentes ist, beizuwohnen. Dieser wolwollende Protektor hatte die Güte, mich unmittelbar seiner Tochter, der Baronin James v. Rothschild, vorzustellen, indem er dieselbe mit meinen geringen Verdiensten auf eine mir sehr schmeichelhafte Weise bekannt machte. Diese edle Dame ließ sogleich ihre eilfjährige Tochter rufen, und forderte mich auf, derselben in Paris Unterricht zu ertheilen. Mit einem Wohlwollen, dassie seit jenem Tage niemals verleugnete, hatte sie die Güte, mir einen Brief an einen ihrer Freunde, den sel. Berger zu geben, welcher mich mit ganz französischer Höflichkeit empfing. Der Tod des Barons Nathan v. Rothschild in Frankfurt hielt die übrigen Mitglieder der Familie Rothschild länger daselbst zurück, als dieselben gedacht hatten. Frankfurt selbst gewährte zu jener Zeit vom jüdischen Standpunkte einen sehr traurigen Anblick. Die alte Synagoge war zerrüttet, der Gottesdienst ohne Ordnung und ohne Regel. Das jüngere Geschlecht besuchte einen in einem mit der Schute verbundenen Saale abgehaltenen Gottesdienst, welcher nur ein jüdischer genannt wurde, indem bei demselben weder die Thora gelesen, noch das typische Gebet beibehalten wurde. So jung ich auch war, wollte ich den Sabbath nicht daselbst znbringen. Unter den damaligen jüdischen Gelehrten zu Frankfurt ließ der sel. talentvolle Michael Creiznach, Prosessor an der.Schule, einen sehr angenehmen Eindruck in. meiner Erinnerung zurück. Während einer mir die Taufe empfahl, damit ich etwas werden könne, und ein Anderer sich rühmte, am Jom Kippur nicht zu fasten, schrie Creizenach, empört über die Art, mit welcher man zu einem von Glnih und Glauben erfüllten jungen Mann sprach: Ich, ich faste! Ein Schisma gab es zu jener Zeit in Frankfurt nicht; aber einen Jndifferentismus und eine 'Jrreligiösität, die ein Gefühl der Verabscheuung in mir erregten. Ich reiste also Freitag Nachmittag nach Wiesbaden, wo der gegenwärtige Frankfurter Rabbiner , Geiger, fnngirte, um daselbst den Samstag zuzubringen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. Ausländ. I-.v. London, 22. November. Zeitungen, die schönen Kinder moderner Zivilisation, haben einen sehr jungen Vater — Zeitge i st, und eine fe I r alte Mutter — Neugierde. Jeder will wissen, was der andere thut. Wenn man selbst nicht weiß, was man th»n soll, ist dieses Gefühl am stärksten. Und so ist die Mittheilnng des Herrn Drö Alois Müller in diesen Blättern (S. 674) über die jüngste Philologcn-Versammlung in Hannover schon als bloßer Zeitungsartikel mit Dank aufzunehmen. Es find die Philologen-Versammluugen selbst ein Kind des modernen Zeitgeistes. Es ist aber in dieser Mittheilnng nicht nur Nahrung für die bloße Neugierde, auch die Wißbegierd e kann sich dabei betheiligen. Daß.derselbe nämlich auch den Gegenstand mancher Vorlesungen in seiner Korrespondenz angegeben hat, gibt der Mittheilnng auch einen literärischen Charakter. Herr Dr. Wiener wählte als Gegenstand seiner Vorlesung: ״über den Gebrauch, welcher von der rabbinischen Literatur zu machen sei."*) Es ist dieser Gegenständ nützlich in praktischer und anregend in literarischer Hinsicht. Fakts der uns befreundete Vorleser seine Vorlesung nicht etwa in der Form einer Broschüre herauSzugcben gedenkt, würden wir demselben aurathen, sie in diesen Blättern zu veröffentlichen. Verständige Leser — wir fiud so unbescheiden, uns selbst zu diesen zu rechnen — werden dieselbe mit Vergnügen betrachten. Im tiefsten Vertrauen wollen wir dem Leser auch ein Geheimniß verrathen. Unsere Noten zu dieser Vorlesung — bestätigend und ergänzend — liegen bereits fertig, wir erwarten blos den Tert dazu. L. J. New-Bork, im September. (Fortsetzung der Distrikts- Groß-Logen.**) Art. 3. Organisation. §. 1. Jeder Er-Präsident ist in Gemäßheit der Bestimmungen, welche durch das allgemeine Gesetz eingesührt werden mögen, berechtigt, als ein Mitglied einer Distrikts-Groß-Loge zugelassen und eurollirt zu werden, und ist für jedes Amt wählbar. §. 2. Die Geschäfte einer Distrikts-Groß-Loge werden von den Beamten derselben und von den Repräsentanten der untergeordneten Logen des Distriks geführt. §.'3. Die regelmäßigen Beamten einer Distrikts-Großloge find: G. N. A:, G. 91., G. I., G. S., G. B. H. und G. Sch. und solche andere, als durch daS Gesetz bestimmt werden mögen. Dieselben find dem Range nach im Amte, wie folgt: - Der G. N. 91. ist der Präsident der DistriktS-Groß-Loge und und Vorsitzender 'in der erekutiven Komittö. Der G. A. ist der erste Vize-Präsident und bekleidet die Stelle des G. N. A. in dessen 9lbwesenheit oder während seiner temporären Unfähigkeit, sein Amt zu versehen. Der G. I. ist der zweite Vize-Präsident und vertritt die Stelle des G. 9l. in dessen 9lbwesenheit. Der G. S. ist der Sekretär; Der G. B. H. ist der Schatzmeister, und Der G. Schder Marschall der Distrikts-Groß-Loge. Sie sollen alljährlich im Monat August für den Zeitraum von einem Jahre gewählt und vor dem Zusammnetritte dee General-Con- *) Genauer: über den wissenschaftlichen Nutzen halachischrr Studien.

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