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Ben Chananja · 1864-11-30 · 48 (30.11.1864) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
48 (30.11.1864)
Date
1864-11-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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967 nicht bemerkte. Ich erinnere mich auch der Ausdrücke, deren sich die israelitische Bevölkerung bediente, um die verschiedenen Stadien des Aufenthaltes in Wien zu bezeichnen. Wer ganz in Ordnung war, galt für ״Käscher", wer eS nicht war, für ״Terefa." Die armen Leute, welche vor eine Liniegingen, und bei einer ander» zurückkehrten, um für Neuangekommene zu gelten, ״machten sich Käscher." Der kaustische Geist unserer Glaubensgenossen gebrauchte diese Terminologie zur Bezeichnung selbst sehr gehässiger Zustände. Die Stu denten blieben zwar auch der Polizei unterworfen, sie durften sich aber während des Schuljahres in-Wien aufhalten, indem sie neun Franks zahlten. Sie erhielten ein Dokument folgenden Inhaltes. Das. meinige lautet wörtlich: An den Albert Cohn, Hörer der Philosophie im 2.30^8 wohn- Haft in der Stadt Nr. 127. Ad Nrum 1203. 1833. Die hochlöbliche kaiserl. königl. niederösterreichische Landesregierung hat mittelst Dekretes vom 28. November 1833. Zahl 64.284, dem aus Preßburg gebürtigen, 19 Jahre alten Albert Cohn den hiestgen Aufenthalt für das Schuljahr 1833—1634 bis Ende September 1834 znm Besuch der Vorlesungen deö 2. Jahres der Philosophie unter den gewöhnlichen Bedingungen bewilligt. Diese hohe Entschließung wird dem Albert Cohn mit dem Auftrage bekannt gemacht, daß derselbe mit Vermeidung aller Handels- und Nebengeschäste bloS der gewählten Wissenschaft fleißig obliege, den bestehenden Gesetzen gemäß sich betrage, sowol jede Veränderung des Wohnorts hierorts anzeige, als auch am Schluffe des Schuljahres sich mit den Studienzeugnissen aus weise, und zugleich um die weitere hiesige Ausenthaltsbcwilligung zur Fortsetzung des Studiums an den hiesigen Schulen mit Beilegung eines neuen, von seiner OrtSobrigkeit bestätigten Unterhaltsausweises ansuche, oder zur Abreise von hier um den AbreiSschei» sich melde. Von der k.!. Polizei-Direktion. Wien, am 15. Dezember 1833. Rund» er. So behandelte man in Wien 1834 und noch fünfzehn Jahre später die künftigen Doktoren. Nicht lange nach dieser Epoche, am 15. Juni 1836, am Tage vor meiner Abreise, überreichte mir eine Deputation der protestantisch-theologischen Lehranstalt eine Adresse. Die Deputation bestand aus jungen Männern zwischen 22 und 26 Jahren (ich selbst war damals 21 Jahre alt): Jos. Chlimski aus Böhmen; Mathias Dorner aus Ungarn; Andreas Galle aus Ungarn; Daniel Gattschling aus Siebenbüageu; Michael Heß aus Ungarn; Karl Schlaining aus Ungarn. Alle bekleiden jetzt geistliche Aemter in Ungarn, Böhmen und Siebenbürgen. Die Adresse lautet, wie folgt: Hochgeehrter Herr! Wenn schon die Trennung irgend eines Bekannten, den wir durch den Umgang liebgewonnen haben, schwer fällt, wie viel mehr muß uns der Abschied eines liebevollen Lehrers, der sich durch seine Verdienste in unseren Herzen ein unauslöschliches Andenken gestiftet.-mit tiefer Rührung -rfüllen. Solch einen würdigen Lehrer verehren wir in Ihnen, ochgrehrter Herr! Sie führten uns in das Heiligthum der hebräischen 96S Sprache ein, was wir dadurch gewonnen, fühlen wir Asse, und eben dieses Gefühl, das unser Inneres bewegt, ist es, was uns Ihre Derdienst« um uns würdig zu schildern unfähig macht. Doch einfach spricht sich das tiefbewegte Herz aus, und wir dürfen hoffen. Sie werden» hoch« geehrter Herr! — ob wir gleich innig überzeugt find, daß Sie den sü« ßesten Lohn in der Thätsache gefunden haben, — Sie Werden diesen Ausspruch unserer Herzen uicht verschmähen. Nehmen Sie für Ihre reinen Abfichten, Ihren edlen Eifer, Ihr mühevolles Streben unfern innigsten herzlichsten Dank und die Berficherung, daß wir auf der Bahn, auf der Sie uns so rühmlich leiteten, nie stille stehen, sondern immer vorwärts schreiten werden. Nie werden wir der angenehmen Stunden vergessen, wo Sie uns mit der ehrwürdigsten Sprache bekannt gemacht haben. Nie werden wir Ihrer anders, als mit gerührter Dankbarkeit gedenken. Möge Sie der, dem wir Asse angehören , auch ferne von uns, auf allen Ihren Wegen geleiten, möge er alle Ihre Unternehmungen gelingen, alle Ihre Bestrebungen gedeihen, möge er Sie für das Wohl der Menschheit aus Erden noch lange, lange wirksam sein lassen. Ihre dankbaren Schüler.. (Folgen die Unterschriften der Obgenannten.) Ich habe diese von einem so verschiedenen Geiste durch-, drungenen Aktenstücke aufbewahrt, und nach einem ziemlich langen Zeiträume erinnern sie mich vollkommen an den liebenswürdigen Charakter der Wiener Bevölkerung neben einer der traurigsten Gesetzgebungen. Mein aller Lehrer, der Herr Prediger Mannheimer, der im vergangenen Jahre sein 70jährtges Jubiläum gefeiert hat, führte mich mit folgenden Worten bei seinen auswärtigen Freunden ein: Wien, '10. Juni 1836. Herr Albert Cohn, aus Preßburg gebürtig, hat hier in Wien seit mehreren Jahren das Studium der jüdischen Theologie, nachher das der orientalischen Wissenschaften mit vielem Eifer betrieben. Da nun derselbe behufs seiner weiteren Ausbildung und Vervollkommnung namentlich in letzteren eilte Reise ins Ausland unternimmt, so richte ich an alle Freunde und Verehrer der Wissenschaft und des regen Strebens in Israel die Bitte, denselben zur Erreichung feines Zieles in vorkommendem Falle gewiß mit Rath und Thal beistehen zu wollen. Mit der Versicherung/ daß ich jeden ihm bewiesenen Dienst dankbar anerkennen werde, bin ich zugleich zu jedem Gegendienste bereit. I. N. Mannheimer, Prediger und Religionslehrer der Israeliten« . Gemeinde in Wien. Dieses Empfehlungsschreiben ist von Freitag, 10. Jun i datirt; Samstag Nachts verließ ich die Hauptstadt. ES war zum ersten Male, daß ich eine große Reise unternahm, überdies zu jener Zeit, wo es noch keine Eisenbahnen gab. Bis zum Augenblicke dieser meiner Abreise waren die Promenaden zwischen Wien und Preßburg, eine Entfernung einiger Meilen, meine einzigen Erkurstonen gewesen. Ich durchzog das Donauthal, sah das so malerisch gelegene Kloster zu Melk, sah Linz und Salzburg. In allen diesen Städten durfte kein Jude, übernachten. Eine halbe Stunde von Salzburg verließ, ich Oesterreich. Ich hatte in Wien warme Freunde, mir sehr wohlwollende Herzen zurückgelassen; aber die damalige Regierung hatte mir den tiefsten Widerwillen einge -

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