Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 48 (30.11.1864)
- Date
- 1864-11-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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S6S Singen will ich nur im Lied, was Israel freudig beweget, Da« in Deinem Glanz friert den eigenen Ruhm. " Stehst du doch ruhmgekrönt da als kräftig lebendige« Zeichen Dessen, was Dein Volk vermag, so man e« nützen nur will, Gibst Du doch klaren Beweis von Israel« mächtiger Thatkraft, So nicht finsterer Wahn es in die Dunkelheit drängt. Nicht im prunkenden Saal stand Dir die vergoldete Wiege, Nicht war'S Reichthum und Glanz, der Dir die Wege gebahnt. Nur Dein waltender Geist, Dein riefig mächtiger Wille, Trug Dich zur Höhe hinan, reichte den Lorbeerkranz Dir. Zeitlich schon schmücktest Dein Haupt Du mit drei der herrlichsten 0 Kronen, Lehrer des göttlichen Wort«, Lehrer der Weisheit, des Rechts. Doch genügt »S Dir nicht, die Stufe erklommen zu haben, Um von der Arbeit und Müh' sanft auf dem Lorbeer zu ruhn. Da erst zeigte Dein Geist im Bewußtsein kräftigen MutheS Seiner Fittige Schwung strebend dem Höheren zu. Heilig war der Beginn Deines Wirkens, und Israels Lehre Hast Du gar treulich gepflegt, wirkend in Wort und in Schrift. Sangmeister Weffeli gleich, des klangvollen Namen Du führest, War Deines StrebenS Ziel Lehre des göttlichen Worts. Nicht nur hast Du den Keim zum Baum der GotteSerkenntniß Zn der Kleinen Brust väterlich sorgsam gelegt, Nicht nur mit sorgsamem Sinn die heilige Flamme genähret Zn des ZünglingS Brust, der sich dem Wissen geweiht, Daß sie mit himmlischer Gluth ihm einst den Busen erwärme, Wenn ihn der kalte Verstand eistg und schaurig durchwühlt; Treu auch warst Du bestrebt, dem werdenden Bildner der Zugend Tine Leuchte zu sein für seinen GotteS-Beruf; Zhm das heilige Wort mit kundigem. Mund zu erschließen, Daß er einst, gläubigen Sinn Pflanz' in die kindliche Brust. Also wirkst Du auch jetzt unermüdet in höherer Sphäre, Und ans begeistertem Mund strömt das belehrende Wort. Stehst geehrt nun da, wo noch kein Jude gestanden, Auf dem erhabenen Platz von Koriphäen geweiht. Lehrst in den heil'gen Hallen der ehrfurchtgebietenden Aula Mit den Größen vereint, welche die Wissenschaft ziert. Lehrst da, wie die Verletzung des Rechts gesetzlich zu sühnen, Und auf des Meisters Wort horcht der Beflissenen Schaar. Doch beschränkst Du dich nicht auf die engen Grenzen des Hörsal'ö, Lehrest, was du erforscht, auch durch'S geschriebene Wort; Daß es Gemeingut w.rde, befruchtend fich weithin verbreite, Und der Wahrheit Licht strahle im herrlichen Glanz.. Stehst da Wahrheitgerüstet, und voll des Heiligen Eifers - Führst Du für unser Recht männlich und kräftig das Wort. Rufest an daö Gesetz als beredten Zeugen der Wahrheit, Bringst das Recht ans Licht, wo es in Dunkel gehüllt. Also stehst Du nun da, ein Mann der That und des Worte«, Deinem Glauben zum Ruhm , Zeugniß der lichteren Zeit. Darum feiern den Tag auch Deine vielen Verehrer. An deu^ die Wissenschaft einst Dir ihre Weihen ^erlieh, Jenen herrlichen Tag,'seit dem ein Vierteljahrhundert Reich an Erinnerung zog über Dein würdiges Haupt. Möge Dir lang' noch gegönnt sein, den Lohn Deines würdigen StrebenS, Zu genießen in Ruh, stiller Beseligung voll. Wie von Benjamin er sprach : ein Liebling des Ew'gcn! Du lagerst An der Srite des Herrn sicher und immer geschützt. 966 Albert Lohir's Autobiographie. Zn Briefen an seinen Sohn. (Fortsetzung.*) II. Mehr denn achtzehn Jahre sind verstrichen, seitdem ich Wien Zerließ. Nichtsdestoweniger wirst Du, mein theurer Sohn', ich bin desser^ewiß, die folgenden drei Aktenstücke mit Interesse lesen^E»n Du daraus ersehen wirst, wie die politische Lage unse^^MeliHontSgenossen in Wien beschaffen war , während vo^Wr israelitischen Gemeinde alle Fortschrittsversuche gemacht wurden, welche die christliche Bevölkernng mit ihren Wünschen begleit^. Ich habe die Originalien meiner Korrespondenz bewahrt, und alle Ueb.rsetzungen, die ich Dir im Laufe -dieser Korrespondenz mittheile, sind mit großer Sorgfalt angefertigt. HoffentliH wird diese Korrespondenz wichtige Daten und bisher unbekannte Aktenstücke zur Geschichte unserer Glaubensgenossen und des Judenthums im Laufe eines Vierteljahrhunderts ans TageSlicht fördern. Zur Zeit, als ich Wien verließ, und noch später bis zum März 1648, waren alle in Wien wohnenden oder sich daselbst aufhaltenden Israeliten der Polizei unterworfen, welche sie, wie Angeklagte, überwachte. Die fremden Jsraeliten, — und als solche wurden Alle betrachtet, die nicht in Wien geboren waren, selbst wenn sie den 124 tolerirten Familien angehörten, — durften sich nur 24 Stunden in Wien aufhalten, ohne dafür eine Tare zu entrichten. War diese Zeit vorüber, mußten sie für jeden 15tägigen Aufenthalt 5 Fr. zahlen. Dann durften sie sich sechs Wochen daselbst aufhHlten, vorausgesetzt, daß sie 15 Franks zahlten. Nichtösterreichische Juden mußten für die gleiche Aufenthaltszeit 25 Fr. erlegen. Nachdem diese Zeit verstrichen war, hatte die Polizei, die Beherrscherin der Juden, für die sie ein eigenes Judenamt hielt, nicht das Recht, die Erlaubniß zum Aufenthalte zu verlängern. Nur der Minister des Innern durfte eine solche Prolongation oktroyiren, was für eine Ausnahme und für einen Beweis seines Wohlwollens angesehen wurH. Juden, welche sich, und sei es auch nur einen emzigen Tag, ohne Autorisation in Wien aufhielten, ^vurden ins Gefängniß geführt, und mußten eine Geldstrafe EMttrichten. Ich erinnere mich genau, gesehen zu haben, daß mein Vater im Winter 1827 ins Gefängniß. geführt wurde, wo er die Nach! von Donnerstag auf Freitag blieb. Erst Freitag Mittag wurde er entlassen, damit er den Sabdath feiern könne. Dies war etwas so Gewöhnliches, daß man es gar *) S. die vorige Nummer.