Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 40 (5.10.1864)
- Date
- 1864-10-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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809 810 legenheit, den Geist, Scharfsinn und die treffliche Rednergabe ihres Seelenhirten zu bewundern. Samstag um 8 Uhr begab fich eine zahlreiche Menge auf den Gottesacker, wo Herr Oberrabbiner am Grabe seines in Gott ruhenden Vorgängers Salomon Ullmann s. A. eine tiefergreifende Rede hielt, wobei kein Auge thränenleer blieb. Mit vollster Ueberzeugung sprechen wir es aus, daß der Makoer Gemeinde zu threr getroffenen Wahl zu gratuliren ist. Sie hat in Herrn A. E. Fischer einen Mann an ihrer Spitze, der mit wahrer ungeheuchelter Frömmigkeit und ausgebreiteter talmudischer Kenntniß eine gediegene Bildung vereint, der bei seiner Begeisterung für die Beförderung der Interessen des JudenthumS die hiesige Gemeinde mit dem Zeitgeiste vorwärts führen, ihr geistiges und moralisches Gedeihen begründen und fördern wird. Unser wackerer Vorstand, der so taktvoll bei Besetzung des Oberrabbinates vorging, der kein Opfer scheute, den Mann ihrer Wahl an ihrer Spitze zu haben, hat sich ein bleibendes Denkmal in den Herzen der hiesigen Gemeinde und der kommenden Generationen gesetzt. Joachim Heikler. S. A. Ujhelh, 25. September. Der in Nr. 33 des ״Ben Chananja" erschienenen ^-Korrespondenz, die Erweiterung des hebräijchen Unterrichtes betreffend, sind wir, insoweit sie Herrn Musterlehrer Fischer betrifft, in der angenehmen Lage, ihrem vollen Inhalte nach beistimmen zu können; jedoch wollen Sie im Interesse der Wahrheit die Bemerkung gestatten, daß auch dem strebsamen Lehrer I. Führer eine jährliche Gratifikation von 200 fl. ö. W. behufs Betheiligiing am erweiterten hebräischen Unterrichte zu Theil wird, und steht bei der dermalen sich kundgebenden Schulfreundlichkeit der Gemeinde überhaupt und des Vorstandes und der Repräsentanz derselben insbesondere zu erwarten, daß die Gemeinde für die nächste Zukunft schon die zur Zeit ausgeworfcne Summe von 700 st. wirklich auf 1000 respektive 1200 fl. zu Schulzwecken erhöhen wird. Es ist dieser unser Wnnsch ein um so. gegründeter, als das Privatcinkommen der hiesigen Lehrer im Allgemeinen sich auf ein Minimum reduzirt. k. g. Ufejvrtö, (SzabolcS) im September. Freude und Jubel aus den Straßen, Entzücken auf allen Gesichtern» Wonne und Glückseligkeit in allen Gemüthcrn, denn es ist wieder angekommen der große — R e b Eisegl!! Wer ist Reb Eisegl? Ein treffliches Ercmplar jener heiligen Männlein, deren eigentliche Pflanzschule Galizien ist, die aber auch in unserem geliebten Vaterlande, namentlich im Chaßidim-Revier, reichlich gedeihen, — fast durchschnittlich abgefeimte Betrüger, die die Dummheit aufs trefflichste auszubeuten verstehen, und füglich den Titel ״Fürsten der Dummheit" verdienen. Ein solcher Fürst ist denn auch unser Reb Eisegl, wohlbestallter Rebbe zu Komarnik in Galizien. Seine Rundreise, die er regetmäßig in jedem zweiten Jahre unternimmt, bezweckt denn nun nichts anderes, als den schuldigen Tribut von seinem ihm in tiefster Devotion ergebenen Vasallen einzusammeln, was ihm stets auch im reichlichsten Maße gelingt. Ans seinem stets gleichförmigen Wege berührt er blos chaßidische Gemeinden, und zwar nur solche, wo er auf keinen Rivalen zu stoßen befürchten braucht, woran er sehr weise thut, da es sonst ganz schauderhafte Händel geben würde. Seine Heiligkeit befindet sich also derzeit in Ujfejörtü einer aus beiläufig hundert Mitgliedern bestehenden Gemeinde, alle dem Chaßidenthume von echtem Schrot und Korn angehörend, und ein überaus vernachläffigtes armseliges Volk. Nun aber schwebt alles in Jubel, indem seine Heiligkeit, der große Reb Eisegl, seine bereits bestgenährte Persönlichkeit in ihrer Mitte weiter füttern läßt. Wenn Sie je eine Beschreibung vom Einzuge des indischen Gottes Juggernaut gelesen, so können Sie sich einen Begriff machen von dem Gebaren dieser Chaßidim bei einer solchen Gelegenheit, ein Gebaren, das an Wahnsinn und Verrücktheit dem Vorgehen der Fanatiker am Ganges um nichts nachsteht. Wahrlich man zweifelt daran, ob man sich denn richtig auch in Europa befinde, oder ob dies wirklich das 19. Jahrhundert sei. Da ziehen sie ihm, der selbst mit.großem Pomp und starker Leibgarde herangezogen kömmt, massenhaft entgegen, und führen ihn unter unsäglichem Gejauchze in ihre Stadt, wo er regelmäßig eine ganze Woche zu verweilen Pflegt, und während dieser ganzen Zeit singen und springen, schreien, heulen, tanzen und balgen sie sich herum, wie die Besoffenen. Es geht wahrlich ärger zu, als in einem Tollhause. Ich übergehe den fortwährenden Andrang, der den Heiligen bei Tag und Nacht umlagert hält; ich erwähne nicht der fanatischen Wuth, mit welcher dieses rohe Volk sich auf die Schearajim, d. h. die Speise- Überreste des Heiligen wirft, um sie zu verschlingen, natürlich bloS der innewohnenden Heiligkeit wegen, auch erwähne ich nicht der wirklichen Lebensgefahr, die demjenigen droht, der es sich an Ort und Stelle einfallen ließe, all dies närrische Unwesen lächerlich zu finden; — ich verweile blos noch bei dem eigentlichen punotum salieiis der Heiligkeit, der eigentlichen Force dieser Auserwählte», nämlich dem Benschen, und der dafür zu entrichtenden RenumerationSgebühr, die unser Heiliger auf 10 fl. tarirtl Nagy-K»ll», 26. September. Ihr hiesiger 6r.-Korrespondent war so freundlich, in Nr. 38 d. Bl. mir an dem Verdienste der Ausrechterhaltnng der hiesigen Schule einen Theil einznräumen. Nachdem ich mich in dieser Angelegenheit nur insoserne betheiligte, daß ich an derselben als eine Gemeinsache Interesse nahm, auf ihre Entwicklung jedoch nicht thätig einwirkte und auch nicht einwirken konnte, so muß das mir gespendete Lob, wol sä minimum reduzirt werden. Das wahre und ungeschmälerte Verdienst um die Aufrechtcrhaltung unserer bereitS dem Versinken preisgegebenen Schule gebührt unstreitig jenen edlen Männern des Fortschrittes, die bei der allgemeinen Theilnahmslosigkeit ihren Eifer für das Gute nicht erkühlen, bei der allgemeinen Erschlaffung ihren Mnth nicht sinken ließen, und unter diesen vorzüglich unserem wackern Gemeindevorsteher, Herrn Israel Fisch, als welcher die Sache mit unerschütterlicher Festigkeit und Energie verfocht. Sehr zu bedauern ist, daß der geehrte Herr Vorsteher auch auf dem übrigen Gebiete des Gemeindewesens, namentlich in Bezug auf die Erhebung und Veredlung des sehr darniedrrliegenden Gottesdienstes diese seine Willenskraft nicht verwerthet, und sich durch das Manöver der Schiendriansritter einschüchtern läßt. An der nunmehr zu neuem Leben erwachten Schule wurden am 25. d. in Gegenwart zahlreicher, zum Theile sehr vornehmer Gäste die Prüfungen abgehalten, und zwar mit so glänzendem Erfolge, daß selbst unser Herr Rabbiner nicht umhin konnte, seine volle Zufriedenheit auszudrücken. Es ist dies ein um so größeres Verdienst der fnngireuden Herren Lehrer, wenn man jenen ewig zweifelhaften Zustand zwischen Sein und Nichtsein, in Betracht zieht, in welchem sich die Schule stets befand. Es ist daher kein unerheblicher Verlust für die Schule, daß der dirigirende Hauptschnllehrer, Herr I. Feuersdorf, dieselbe und zngleich seine pädagogische Laufbahn verläßt, um sich fortan den Jüngern Aeskulaps anzureihen. Ich kann diese Zeilen unmöglich schließen, ohne jenes höchst erfreulichen Verhältnisses zu erwähnen, das hier zwischen Juden und Nichtjnden obwaltet. Sowol seitens der katholischen als auch der luiherischen Bevölkerung manifestirt fich die schönste Toleranz. Von Gehässigkeit, Reibungen, konfessionellen Widerwärtigkeiten keine. Spur. Und dieses schöne Vereinsleben bekundet sich nicht blos im Privat-, sondern auch im öffentlichen Leben. So bekleidet der Nestor der hiesige» Gemeinde, Herr D. Köpper, schon seit Jahren die Würde eines städtischeu Gerichtsrathes und hat sich in dieser Eigenschaft sowol durch seinen biedern Charakter, als seine strenge Gerechtigkeitsliebe die Neigung und die Achtung Aller erworben. In dem jüngst kreirteu ״Szabolcs megyei körhäz egylet“ (Szabolcser Spitalsverein) wurden die Herren Dr.N. Blcyer, A. Kohn.Sal. Mandl von hier, wie auch Herr Ed/Mandel auS Bator zu Ausschußmitgliedern gewählt. Im provisorischen Ausschusse hatte Herr A. Kohn auch als Kassier fnngirt. K. Go ld sahn. S. Äl. Ujhelh, 25. September. ״Ben Chananja" Nr. 38 bringt einen von hier aus datirten Bericht, dem zufolgc der hiesige Vorstand zur Aufbesserung der Bezüge unseres Lehrkörpers 1000 fl. notirte und mithin auch der Gehalt des Herrn Fischers um eine jährliche Zulage von 300 fl. vermehrte. Wir aber sehen uns im Interesse der Wahrheit und der Rechtlichkeit bemüssigt, den ersten Theil dieser Korrespondenz als unrichtig zu bezeichnen, nachdem eben nur der Lehrer Fischer und der Unterlehrer Führer einen Mehrgehalt von 300 und 200 Gulden für den ihnen Fortsetzung in der Scilage. Szegedin, Selbstverlag der Ledaktiou. Leipzig, Lommisstons-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ein Viertelbogen Beilage.