Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 40 (5.10.1864)
- Date
- 1864-10-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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800 ES ist hier Saadias Gaon zuerst zu nennen. Derselbe sprichtö) tadelnd von Leuten, welche sich gänzlich von der menschlichen Gesellschaft zurückgezogen haben und in die Wälder und Wüsten gegangen sind. Die Einsamkeit hat manche sogar wahnsinnig gemacht. Wir gestehen, daß wir nicht wissen, wer eigentlich die Leute sind, von welchen er spricht. Es konnten ebenso gut vielleicht christliche Mönche, als mohamedanische Heilige darunter verstanden sein. Vielleicht auch, daß Saadias nur auf gewisse alte Filosofen der griechischen Zeit im Allgemeinen anspielte. Von Heraclit erzählt Diogenes Laertius wirklich, daß er sich in die Berge zurückzog. Es mochte sich dieses auch in einem arabischen Buch gefunden haben, aus welchen Saadias es wol entnommen haben könnte.?) Im Allgemeinen war Saadias sehr nüchterner Natur. Er hat auch nicht die Hebung seiner Nachfolger und auch nicht die genaue Anschauung von der Einsamkeit. Saadias glaubt, daß man sich nicht ganz von der Gesellschaft zurückziehen muß, sondern in einem Kreise von gleichgesinnten Freunden leben kann. Dieses ist nach seiner Ansicht Einsamkeit (פרושות) oder eigentlich Zurückgezogenheit. Die Periode von Saadias bis Salomo ben Gabirol — etwas mehr als hundert Jahre — ist für diese Geschichte beinahe verloren. Ben Ga birol war der erste, welcher unter arabischen Anschauungen, mit gewissen talmudischen Worten verbunden, in überschwenglicher Weise der filosofischen Beschaulichkeit Lobreden hielt.3י) Die innere nalürliche Ueberschwenglichkeit, von der sein Geist übersprudelte, tiefe Studien, jugendliche Empfänglichkeit machten ihn sehr warm. Der fromme R. Bechai (הו־זסיד) hat im Allgemeinen demselben gefolgt. Gabirol halte eine mehr spekulative Richtung, als B e ch a i, beide aber waren von sanfter Gemüthsstimmung. Als Bechai sein Buch schrieb, war er wol bereits ein ältlicher Mann. Er konnte aus eigener Erfahrung manches zu demjenigen hiuzufügen, welches er in Büchern gefnnden hat. Es ist sein Buch übrigens auch größer an Umfang und innerlich klarer und verzweigter, als das von Ben Gabirol. Bechai spricht von geistiger und körperlicher Einsamkeit^), welche nähere Betrachtung verdient. Daß Verwandtes auch bei <5ettecrt10) vorkömmt, darf hier gelegentlich bemerkt werden. Moses ben Esra, welcher in dessen ערוגת הבשם eine Reihe von filosofischen Gedanken aus ben griechischen Filosofen nach arabischen Quellen seinen Lesern vorgeführt hat, hat auch dort von der filosofischen Einsamkeit empfehs) Schic haschirim rabba zu Anfang. Im מתנות כהונת daselbst sind nützliche Nachweisungen dazu gegeben. Vergl. dessen 11^(111^ אמונות ודעות^x111 שער הפרישות Es ist das ganze Kapitel sehr nützlich en geschichllichcr Hinsicht, da es das erste filosofische.}fl. ES mögen hier Mc die folgenden Worte auSge- Hobe« sein JW3 ilVW? □ל^ד fMNOll בי בה הארם במקומך. ד) Sharastaui hat übrigens nicht diese Notiz. *) Vergl. unser Salomo ben Gabirol S. .8. ׳) Vergl. הוכורת הלבבות!» Ende - כי האדם צריך בעת בדיחתו הגופנית הרוחנית לבדידות l°) Briefe Nr. 67. Vergl. weiter unten. send gesprochen. ״) Demselben hat sich auch der edle I eh uda ha-Le-i angeschlossen. Mäßige Enthaltsamkeit ist allenthalben damit gemeinschaftlich empfohlen. Die Ansicht, daß Wohlleben, welches fett macht, sich mit Gelehrsamkeit schlecht verträgt, ist alt. Gelehrte dürfen nicht fett sein. ״Allzugroße Beleibtheit — sagt schon Seneca'») — macht den Geist schwach." Von der yatürlichen Anlage mancher Menschen fett zu werden, ist hier nicht die Rede. Aehnliches findet sich auch in manchen jüdischen Schriften aus axab ischeu Quellen. Es möge hier folgender Spruch gegeben werden ") — מי שמתעסק בתורה לא יתבן להיות צוארו עב וגופן שמן ״Wer sich mit Wissenschaft beschäftigt, kann nicht dicken Halses und fetten Leibes sein." Galenus hat diesen Gedanken ebenfalls im Allgemeinen ausgesprochen 15), die arabischen Schriftsteller mochten von ihm diesen Gedanken entnommen haben. Der Epicuräismus als Prinzip, war von jeher als Gegensatz aller höhern Stimmungen betrachtet. ״Der Name Epicuräer — sagt Hnet '») — wurde so verhaßt, daß selbst die Inden diesen Namen als Bezeichnung gebrauchten für Unverschämtheit, Liederlichkeit und Schwelgerei." Die Juden hier besonders zu nennen, war gar nicht nothwendig. Haben ja — wie bekannt — die Heiden selbst seine filosofischen Ansichten nicht gebilligt. ״Die Schlange zur Rechten, der Fuchs zur Linken."'D Es mögen diese Worte sinnbildlich den Gedanken auödrücken ״die Leidenschaft ist ein Sophist." Der Epicuräismus als Prinzip hat nicht nothwendig, daß die Leidenschaft ein Sophist sei, sie darf sich öffentlich zeigen, sie hat nicht Ursache, irgend etwas zu beschönigen. Die Einsamkeit, wovon die Rede war, war geisti ge r Natur, ihre Bestimmung war, geistige Zwecke zu erreichen. Die Einsamkeit, von welcher Seneca spricht, ist ursprünglich vom nüchternen Verstand diktirt, und ist im Dienste der Moral. Der Weise, das Ideal von Seneca ist etwas starr, er ist — oder soll es wenigstens sein — unerbittlich, wie das Schicksal selbst, welches zwingen will oder soll. Dieses Schicksal ist eine unbekannte Macht, von Gott getrennt. ") Z i o n II S. 120. , , ד Vergl. — ולחכמים המתפלספי׳ - 1 § 11 מורי אדזברז נבדידות®^ ganze Kapitel ist interessant. ד Briefe Nr. 15. Zm מבהר פנינים Kap. 1. Wir haben bereits irgendwo im Literaturblatt des Orients die talmudischen Worte dazu angeführt (Sanhedrin 28 b)למה יקרא שמרי תושיךן?שמתשת כהו של אדם " Warum heißt es תושיה? weil es den Körper schwächt." Es gehört dieses zur Klasse der witzigen Eihmologien, wo ohne Rücksicht auf grammatische Entstehung nur der Gleichklang von zwei Worten in Betrachtung kömmt. ף׳ EraSmns in seinem Adagiae (Frankfurt 1546 S. 539) hat die hieher gehörigen Worte gegeben. 16J Geschichte der Schwäche des menschlichen Geistes. (DaS Buch wurde ursprünglich französisch geschrieben, in diesem Augenblicke haben wir die englische Uebersetzung vor uns. Ob eine deutsche Uebersetzung dieses Werkes erschienen ist, können wir jetzt nicht angeben. י׳) Sanh:edrin S. 65 י־ נחש, מימינו ושועל משמאלו Es ist dieses die talmudische Erklärung des Wortes ־מנחש