Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 40 (5.10.1864)
- Date
- 1864-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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797 Hänger der Kabbala, als Eybenschütz, was abet Beiden Feindschaft und Verfolgung zugezogen. Besagtes LÜerk MM nach dem Tode des Verfassers nach Preßburg und Nikolsburg zur Begutachtung gesendet; es wurde jedoch demselben des Verrufes Wegen, in welchem der Verfasser beim Leben gestanden, die Haßkama verweigert, obwol beide Rabbinate nichts Verfängliches darin aufzufinden vermochten. Die Erklärung der Spannader mit Bezugnahme auf den 9. Ab., worin der Redakteur dieses geschätzten Blattes einen Beweis der Verdächtigung zu finden glaubt, ist bloS eine kabbalistische Spielerei und gewiß nicht geeignet, um daraus ein Urtheil über Staßow's Gesinnung zu fällen. Zwei andere Verdächtigungspunkte waren es, die sein unmittelbarer Nachfolger, R. Eleas. Kallir, bei Landau gegen ihn vorbrachte: erstens der frühere Gebrauch in der hiesigen Gemeinde, nach Beendigung des Morgengottesdienstes den 21. Psalm zu rezitiren, zweitens eine Menora im Tempell Landau (Noda bi Jehuda I. V"N Nr. 16) erwidert darauf: ״Dieser Psalm wird von den Sabbatäern gewiß deshalb gesagt, weil das darin befindliche Wort.׳בישועתך, die Zahl von 814=שבתי צבי enthält, daher dieser Gebrauch abzuschaffen sei , um die Einrichtungen der Häretiker nicht zu befestigen, dasselbe gilt auch von der vor dem Vorbeter im Tempel befindlichen Leuchte (מנורה) denn, was jener Ketzer (Staßow) eingeführt, ist wahrscheinlich nach denGrundsätzen dieser Sekte geschehen, wenn daher ihre Beseitigung ohne Streit angeht, so möge sie entfernt werden." (Fortsetzung folgt,) Mltäge jat Uallarand LiteratargejWte. Von Leopold Dukes. VH. Höhere Ztiin inung en. (Fortstzung.*) Wie Pfianzen einen gewissen Boden zu ihrem Gedeihen bedürfen, so auch menschliche Gedanken und Anschauungen. Nicht jede Zeit und nicht jeder Ort ist für höhere Stimmungen passend. Die talmudischen Worte וזכל לפי (י ״ הזמןalles nach der Zeit", sowie auch Vas bekannte המקום ״ גורםder Ort verursacht es" können in Verbindung mit einander anwendungsweise als Träger dieses Gedankens gebraucht werden. Die bekannte metaphisische Phrase Kants ״Zeit und Raum sind Formen der Anschauungen^ dürfte hier ebenfalls wie die vorhergehenden talmudischen Phrasen in ihrer höchsten Allgemeinheit zum Träger dieses Gedankens darbieten. Auch ist nicht jede Gesellschaft für Erregung oder Er- Haltung von höhern Stimmungen günstig. Der Geist mancher Gesellschaft glänzt ja oft nur durch seiüe Abwesenheit. Nummer 39. ft&a 0& 3, 4. 798 Auch dafür bietet sich eine talmudische Phrase als Trägerin! dar. Nämlich 0)הכל לסי האורחים ־• Der allgemeine Boden, worin von jeher die höhern Stimmungen Wurzel schlugen, war und ist die Einsamkeit. Der Verstand, die Dinge ordnend und das Allgemeine derselben beschauend, und die Phantasie, über die Dinge hinausfliegend, beide ziehen gerne unter den Schutz der Einsamkeit, und entwickeln dort ihre größte Thätigkeit. Wie alles in der Welt, so hat auch die Einsamkeit ihre Grade und Abstufungen, und die Produktionen derselben haben es auch. Es ist die Phantasie, welche nach Einsamkeit sich besonders sehnt, und dort ihre Eingebungen empfängt und bildet. Von den bloßen poetischen Ergießungen, vielleicht nur eine leere Stunde ansfüllend, bis zu den höchsten Stimmungen des Gemüths, welche den ganzen Menschen in Besitz nehmen, sie alle nennen die Einsamkeit ihre Mutter. Die höchsten Stimmungen zur stufenreichen Familie der Ertasen gehörend, sind im Oriente seit vielen Jahrhunderten unter dem Bilde von klingenden Glocken^) vorgestellt worden. Rätselhaftes aus körperlichen und geistigen Ursachen gemischt, liegt diesen und ähnlichen Anschauungen zu Grunde. Alle diese Anschauungen hatten eine lange Dauer. Das Lob der Einsamkeit tönt uns von allen Seiten entgegen. Auch Senecas Stimme ist darunter, es ist nur billig, daß wir uns zu ihr zuerst wenden. Er ruft uns zu: ״Ziehe dich in dein Inneres zurück." Ein sehr gewichtiges Wort. Haben wir respektvoll den römischen Filosofen genannt, so muß der Talmud, der Zeit nach ihm zunächst stehend, hier unmittelbar darauf genannt werden. Der Ausdruck פרישות bezeichnet im Talmud Zurückgezogenheit, Einsamkeit Es begegnet uns der Spruch: 5) ״ פרישות מביאה לידי קרושהZurückgezogenheit führt zu Heiligkeit." — Stellen aller Art gruppiren sich auf verschiedenen Seiten um diesen Spruch herum. Solche Einsamkeit, wie sie in den Klöstern üblich war, war bei den Juden nie üblich. Das פרישות heißt nur Zurückgezogenheit, das Zurückziehen in sich selbst. — Die später» jüdischen Gelehrten, sprechen nach arabischen Vorbildern von beschaulicher Einsamkeit in mannigfachen Formen. Im Allgemeinen verstehen dieselben Nur eine gemäßigte Zurückgezogenheit darunter. -) Schabbat h 20, 2. ך Es findet sich im Talmud die sehr seltene und sehr merkwürdige Phrase — )״ — שהיה רוח הקדש מקשקש לפניו בזוDer Heilige hat ihm wie eine Glocke vorgeklungen." Jbn Kal dun in seinem ebenso berühmten als vortrefflichen Prologomena (französische Uebersetzung Paris 1863 S. 186) hat die Nachricht, daß Mohamed von sich selbst erzählte, daß er, wenn er Offenbarungen erhielt, wie ein Glockengeläute-Hörte. Man ersieht hieraus, daß dem angeführten talmudischen Bilde eine Thatsache zu Grunde lag. Ob diese Thatsache eine äußere Wirklichkeit hatte, oder nur eine eingebildete, ist ganz gleichviel. In dem angeführten arabischen Buche findet sich noch manches über diesen Gegenstand, welches mit talmudischen Stellen zu vergleichen wäre. ff Seneca Briefe Nr. 7. Auch Nr. 10 und 25 find höchst interessante Gedanken über Einsamkeit zu finden. wovon manches im Verlause dieser Abhandlung zur Betrachtung kommen wird.