Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 47 (23.11.1864)
- Date
- 1864-11-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zum ״Ben Chananja" Nr. 47 -Sur Kjchichte der Gegenwart der 3uku in Ungarn, v. Eingaben jüdischer Gemeinden im nördlichen Ungarn gegen die Gründung einer Uabbincrschule. Mitgetheilt von Abraham Weiß in Preßburg. (Fortsetzung.) 6. Dritte Gruppe (Säroser Komitat.) , Das Gesuch dieser Gruppe lautet wie folgt: Hohe königliche Ungarische Hofkanzlei! Die isr. Gem. zu Sebes-Kellemes wagt es hiermit einer h. k. ung. Hofkanzlei ihre ehrfurchtsame Bitte vorzutragen: Aus den ZeitungSblättern ist uns die Kunde geworden, daß auf Anregung eines israelitischen Vorstehers aus Pest, es im Willen der Hohen Regierung liege, den ungarischisraelitischen Schulfond, theils zur Gründung und Erhaltung eines ungarischen Rabbiner-Seminars, theils zu israelitischen Schulzwecken zu verwenden, und daß bereits bei einer von der Hochlöblichen, ungarischen Stadthalterei einberufenen Versammlung von israelitischen Vertrauensmännern am 30. März l. I. bezügliche Anträge gestellte Offerate vorgelegt, und diese schließlich auch angenommen wurden. Mit tiefem Vedauernsehen wir eine so hochwichtige die geistigenrel.Jnteressen von 400,000 Staatsangehörigen beeinflussende Angelegenheit dem Votum von einigen Männern anheim gegeben, die theils allgemein unbekannt, theils aber als Neologen und Reformsüchtige bekannt sind; bilden wir nun auch nur einen kleinen Theil der ungarischen Judenheit, halten wir uns doch verpflichtet unsere dieSfälligen Wünsche und Besorgnisse des größten Theiles der ungarischen Israeliten vor einer Hohen königlichen Hofkanzlei auszusprechen, hoffend, es werden unsere gerechten Bitten nicht ungehört bleiben. Es mag wohl einer Hohen Regierung bekannt sein, daß die ungarische Judenheit leider in zwei sich religiös schroff gegenüberstehende Partheien und Richtungen getheilt ist.! Das wird aber Hochderselben unbekannt ein, daß die neologe reformsüchtige Parthei, obwohl in der ungleichen Minorität, rastlos dahin arbeitet, die orthodoxe Majorität zu vernichten, sie allenthalben zu verdrängen, ihr allen Boden zu nehmen, und sich alles Einflußes zu bemächtigen. Mit dem gegenwärtigen Vorhaben wird ebenfalls nichts anderes bezweckt als die Vernichtung des orthodorischen Judenthums und man wählt hierzu geeignete Mittel, Heranbildung moderner Neologen, Seelensorger und Beeinflußung der Schulen durch den Geist irreligiöser Leiter und Institutionen. Freilich geschieht dies alles unter dem Deckmantel, Bildung und geistige Erziehung zu haben, unter ihm aber bergen sie die Pfeile gegen Glauben, Religion und wahre Gesittung. Wir und mit uns alle Glaubenstreue Israeliten Ungarns tragen aber kein Verlangen darnach, uns unsere heiligen Güter rauben zu lassen, wir wollen unsere Religion bewahren, wir wollen Glaubenstreue Israeliten, und getreue Unterthanen unseres Allerhöchsten Landesvaters bleiben; wir wünschen nicht eine Jugend heranzuztehen, die der Religion ins Gesicht schlägt, alles Heilige verhöhnt und bloß der Genuß- und Prunksucht huldigt; denn das ist die Jugend, an dem Ziele, wohin die Neologie sie führt. — Wir wollen in Bildung mit unfern christlichen Mitbürgern gleichen Schritt halten, wie wir eö bis nun gethan, und der Hohen Regiernng, die für Alle in gleichem Maße sorgt, auch hierin die Initiative überlassen. Ein Zentral-Komitö für Schulen und religiöse Interessen, wie es beabsichtigt ist, würde in einer neologen Richtung und Wirksamkeit, uns nur verfolgen und bedrücken. Daß aber aus dem ursprünglich von unS eingezahlten Gelbe, das Seine k. k. Majestät großmüthigst zu unserem Wohle bestimmte, Waffen zur Vernichtung unserer Religion geschmiedet, und eingeschmuggelt werden sollen, kann uns sicher nicht gleichgiltig lassen , ebenso wie wir es tief beklagen würden, wenn die Hohen und Höchsten Behörden, ohne Ahnung der Gefahr einer Parthei in die Hände arbeiten, die ganz andere als dem Staate wirklich nützliche Ziele verfolgt; und sprechen sonach unsere unterthänigste Bitte dahin aus: 1. Von der im höchsten Grade gefährlichen Verwirklichung der Idee eines zu gründenden ungarischen Rabbiner- Seminars wolle gänzlich Umgang genommen werden; umsomehr als doch ohnedies die jüngern Rabbiner, mit seltener Ausnahme, alle die zur anständigen Bekleidung ihrer Stellen, und zum Verkehr mit den löblichen Behörden erforderliche wissenschaftliche Bildung besitzen, und׳ dem Höherstrebenden alle Lehranstalten und Bildungsschulen deS Staates offen stehen. — 2. Die Ueberwachung des Volksschulunterrichtes wolle auch fernerhin keinen! anderen Händen als der christlichen Geistlichkeit in Mitwirkung der untern, politischen Behörden anvertrgut werden; indem diese jede Religion zu schätzen und zu würdigen wissen , ,indem jüdische^. Inspektoren jener. Richtung im Gegentheil das Peligiös^mit Füßen treten, und einen Geist in teil jur :©ejtt^ng;bringen, der dem wahren Judenthum, wie^dem.HääA nicht erwünscht sein kann. j 1 ׳״ 3. Der Schulfond und i).effen^Verwen^׳n'g möge dem Erachten und Gutfinden der Hohen Regierung anheim gestellt bleiben, ohne damit ein jüdis^es Kömitsvzu betrauen, da uns gemachte Erfahrungen die'genügend^; Überzeugung ihres Hinstrebens verschifften. Vielleicht könüteu^ die Zinsen