Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 47 (23.11.1864)
- Date
- 1864-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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941 942 50 fl." Wer war glücklicher, als ich? Ich, der Abkömmling einer Familie, deren Haupt im Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts Frankreich verlassen hatte, — mein Urgroßvater, 1680 in Hüningen geboren , starb 107 Jahre alt 1787 z sein Grabstein befindet sich noch jetzt auf dem jüdischeu Gottesacker zu Preßburg, — sollte nach Paris gehen! Ein zweiter Abraham ben Schimschon, — mein Urgroßvater hieß ebenso, — sollte 1836, nach 160 Jahren, wieder frauz. Boden betreten! Ich konnte nicht schlafen. Im März 1836 theilte ich den Plan dem Herrn Wenrich mit, der denselben in allen seinen Theilen billigte, indem er mir zugleich das Versprechen gab, mir an den Herrn Sylvestre de Sacyund an den Herrn Grangeret de la Grange Briefe mitzugeben. Meine guten Eltern, betrübt darüber, daß ich das Land verlasse, hofften mich später wieder zu sehen. Alle meine Freunde billigten meine Auswanderung, einsehend, daß ich in Oesterreich auf nichts zu hoffen habe. So verließ ich Wien am Abende des 11. Juni 1836, von allen Schülern der protestankisch-theologischen Lehranstalt begleitet. Mein seliger Vater war in Wien, um bei meiner Abreise gegenwärtig en sein, und mir seinen Segen zu ertheilen. Von meiner Mutter und meinen übrigen Verwandten hatte ich früher Abschied genommen. 18 Jahre später, 11. Juni 1854, verließ ich Paris, um mich über Wien nach Jerusalem zu begeben. .י (Fort setzun g folgt.) ZleisenotiM iiker jüdische Zilstäude. Von Israel Bargel la. (S ch l u ß. '*) Paris. Wenn ich mich über die Gotteshäuser und Unterrichtsanstalten der Pariser Juden im Allgemeinen nicht entschieden lobend ausgesprochen, muß ich umsomehr jenen Anstalten anerkennende Gerechtigkeit widerfahren lassen, welche sich zuvorderst die leibliche Pflege der Dürftigen zur Aufgabe gestellt. Unter denselben nimmt der bereits erwähnte WohlthätigkeitSausschuß (Oomitä de dienfaisanee) entschieden den ersten Rang ein. Er -besteht im Ganzen aus 28 Mitgliedern und einem Sekretär; die namhaftesten sind: Herr Isidor, Arauäradtrin, Ehrenpräsident; Herr Albert Cohn, Prä stdent; Herr Dr. Haas, Vizepräsident; Herr Weil, Ehren- Mitglied; Herr Erlanger- Kassier. Der Wohlthatigkeits-Auöschuß hat statutenmäßig zur Aufgabe: Vertheilung von Geld und Naturalien an Hilfsbedürftige; Aufmunterung und Unterstützung braver Schulkinder und deren Unterbringung in höheren Ausbildungsanstalten; Versorgung braver Arbeiter , 1) ׳S. die vorige Nummer. mit Gelb und Requisiten, und endlich Ueberwachung der Friedhöfe, und der Beerdigungen. Die Kaffe desselben erhält Zuflüsse von Fundätionen, Vermächtnissen, jährlichen freiwilligen Beiträgen, Tempelspenden und endlich von Sammlungen, welche bei Trauungen und sonstigen Zeremonien veranstaltet werden. Der WohlthätigkeitSausschuß hat ans seiner Mitte 10 Mitglieder gewählt, welche die Leetion d'a8818tanee bilden; dieselbe läßt durch 34 Kommissäre am ersten Tag jedes Monates an beiläufig 500 Dürftige Brod, Fleisch , Geld und Holz, sowie zu Ostern für ungefähr 12,000 Fr. Osterbrod vertheilen. Man ersieht aus dem Gesagten, daß der Wirkungskreis des Wohlthätigkeitsausschusses ein immenser; zu hemerken jedoch ist, daß derselbe, so zu sagen, das Reservoir bildet, in welcher die meisten Kanäle öffentlicher jüdischer Wohlthätigkeit eiNmünden. Ein weiterer sehr ersprießlich wirkender Verein ist die ans 70 hervorragenden jüdischen Frauen bestehende Looiätä des dames de karis, welche sich vornehmlich ״die gewerbliche Ausbildung und Versorgung junger Mädchen" zur Aufgabe gemacht. An der Spitze derselben stehen als erste und zweite Präsidentinnen: Nad. la haronne James de Rothschild und- Mad. Caheu; das Amt des Sekretärs und Kassiers führt Herr Albert Cohn. Der Verein veranstaltet zur Vermehrung seines Einkommend jährlich eine Lotterie , welche durch die Emission von 50,000 Losen a 1 Fr. jährlich 50,000 Fr. einbringt, wovon die eine Hälfte dem israelitischen Spital, die andere sonstigen mildthätigen Institutionen zu Gute,kömmt. Außer der . genannten 80eiäts-gi6t es noch -ein gutes Dutzend , kleinerer Franenvereine, von welchen ich nur den ״zur Unterstützung,hilfloser Wöchnerinnen" hervorhebe. Recht anmuthig und wahrhaft jüdisch klingen die ,Namen all dieser Vereine, wie: ״Sara-Schwestern", ״Sorobabelö Töchter." . Wenn aber für die Hungernden und Nackten so vortreff- > lich-Sorge getragen wird, läßt es sich!wol errathen, daß die Pariser jüdische Mildthätigkeit gewiß auch der Siechen und Altersschwachennicht vergißt. Ich hebe unter den Jnstitu- .tionen dieser Art das ״Hospital und Versorgungshauö", gegründet vom Baron. James v., Rothschild, hervor. - Das Spital faßt 50 Betten für Kranke -beiderlei!Geschlechtes; das - Versorgungshauö zählt 40 Zimmer, in welchen Greise über 70 Jahre, welche ein tadelloses Vorleben und einen zehnjährigen Aufenthalt in Paris Nachweisen kön- -nen, bequeme ׳und ehrenvolle Versorgung finden. Demnächst wird die Anstalt auch zur Aufnahme von Kindern und Unheilbaren eingerichtet werden.