Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 46 (16.11.1864)
- Date
- 1864-11-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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927 Vifenstadt. Gedruckt in Fürth bei 2- Sommer (8. 38). Tendenz: Widerlegung des in Wien gedruckten ״Nezach Israel." Was heißt: Neschek Bar? Darüber wird vielleicht die Orientalistenversammlung in Heidelberg Auskunft geben. Dem Titel entspricht das ganze Opus. Klassisch in seiner Art ist das der Apologie vorangehende Gedicht , welches der Verfasser מכתם nennet. Solchen Unfinn bekommt man wirklich selten zu lesen. Sehr gut sagt der Dichter zu Ende der dritten Strophe von sich selbst: הייתי כאיש בער! Das Kaf vor dem zweiten Worte ist vielleicht , ein Druckfehler!! LiterSrische Anzeigen. Kritische Lese verbesserter Lesearten und Erklärungen zum Talmud. Von Fürchtrgott Lebrecht. Berlin 1864. W. I. Peiser. 6. 54. Vorliegende Blatter haben die Aufgabe, das wissenschaftliche Talmudstudium zu fördern. ״Ich fühle mich", sagt der Herr Verfasser ״zu solchem Unternehmen berufen durch meine Pietät für das ehrwürdige Werk, das so voll von tiefem Geiste und Märtyrerthume ist, und durch meine fortschreitende Beschäftigung mit dem Talmud seit frühester Zugend bis in meine jetzige lehramtliche Stellung an der Beitel Heine Gfraimschen Lehranstalt." An dem Berufe des Herrn Vers, zur Lösung »viffenschaftlich-talmudischer Aufgaben wird auch der^Leser nicht zweifeln, der dessen frühere Arbeiten kennet. Bei seiner bewährten Gründlichkeit hätte sich wöl die Wahl erheblicherer Gegenstände erwarten lassen; der Freund eines eingehenden Talmndstudiums wird indeß auch das Gebotene willkommen heißen. Die wichtigste Nummer des vorliegenden Heftes ist: Schrift oder Wort (12—17), welche der Frage gewidmet ist, ob die mündliche Lehre schon im talmudischen Alterthume ׳aufgezeichnet,'-öder'׳durch orale Neberlieferung fortgepflanzt morden sei. Bekanntlich wird derÄuSspruch Zehuda b. Nachmani'S Gittin 60, b. auch als Verbot der Aufzeichnuug mündlicher Lehren aufgesaßt. Dieser Auffassung tritt der Herr Verfasser entgegen, indem er behauptet, daß es sich hier nur um den Vortrag handelt. ״Sowie im Vordersätze verboten wird, die heiligen Schriftstellen des Pentateuchs Mündlich vorzutragen, so ist im Nachsatze verboten, die Mündlichen Lehren vom Blatte lesend vorzutragen." (S. 15.) Der Herr Verfasser meint, diese Deutung sei bisher nicht üblich gewesen, worin er jedoch irrt, wie aus Toßaf. Temura 14,b. Auf. und Maim. Tefilla 12, 8,.(s- K. Mischne das.) zu ersehen ist.*) Hier ist allerdings nur von dem Vordersätze die Rede, aber aus Alfaßi und Niffim Megilla 272, ». erhellt, daß der Nachsatz ebenfalls auch auf den Vortrag bezogen wurde. Die aus. dem jerusalemischen Talmud angeführten Worte bei Alfaßi::בפה בסר■ בכתב בכתב, welche ausschließlich den Vortrag im Auge haben, hat Luzzatto schon 1830 in der Vorrede zum Philorenüs (S. IX.) zu Gunsten der Oraltheorie zitirt. Die Deutung des Herrn Verfassers unterscheidet sich von der herkömmlichen nur darin׳, daß nach der.letzter« auch der Vortrag aus einer Schriftnach ersterer nur dieser Vortrag verboten werden soll. Rasch! allein beschränkt das Verbot auf die Neberlieferung: das geschriebene Wort darf nicht mündlich, das mündliche nicht schriftlich fortgepflanzt werden (Gittin i. c.); von dem Vortrage als solche») ist nach ihm hier nicht die Rede. Und uns scheint eben nur diese Auffassung durch den Sprachgebrauch vollkommen gerechtfertigt zu sein. *) Neber die Akkomodationen in Betreff der Peatatenchstellen in den Gebeten s. O. Chajj. Abschn. 49 und die daselbst angeführten Quellen. Die Deduktion der Geuieinde-Responsorien ans dem Bedenken, einen Thora-Vers auötvendig zu zitiren, wird wol Niemand für mehr, als eine grundlose Vermnthung halten. Eher könnten die Freunde deS Chorgesanges hier einen Anhaltspunkt finden. 928 Das Rezitiren geschriebener Worte heißt nämlich im Talmud nicht יאמר sondern konstant: קרא. Dies gilt nicht nur vbm Lesen aus dem Geschriebenen wie Sabb. 1, 3. Zoma 1, 9. 6., sondern auch vom auswendig Rezitiren, welches mit NO?V קרא bezeichnet wird: Zoma 7, a. Taan. 4, 3. קרא wird Mit dem Äkkusatlv k.onstruikt» wen» es sich auf ein abgeschlossenes Objekt bezieht; daher קורי[ את שמע Berach. 1, 1.; קירין אח המגלה Meg. 1,4.; קראו את ההלע Prßach 5, 7. Handelt es sich aber um das Lesen in einem Buche über- Haupt, konstruirt der Talmird das ברא mit 2, wie Berach. 1, 2. 2. 2. Taan. 4, 2. Sota 59, b,, wogegen von den acht letzten Versen der Thora gesagt wird: יהיר קורא אותן. Um das Vorsagen geschriebener Stellen zum Behufe des NachfageNS auSzlrdrücken, wird קרא im Hifil gebraucht: Sllkka 3, 10. Jebam. 12. 6. Ganz verschieden ist der Gebrauch von אמר, indem dasselbe nur sehr kurze Bibelsprüche (Sukka 4, 5. Zebam. 1. 0.), oder »inen Vortrag bezeichnet, welcher aus keiner geschriebenen Quelle fließt (Taan. 2, 1). Von den Aaroniden heißt eS in Bezug auf ihren Segen nicht: מה הן קורין. sondern wegen der Kürze des Spruches: 'ימה הן אומרי Zn den Kasuisten kommt auch hier מקרא vor, das aber Nicht aus dem. Talmud geflossen ist, da, wie R. Zos. Karo in Tut O. CH. 128. ausdrücklich bemerkt, das Vorsagen in der talmudischen Zeit nicht üblich war. Das Hifil von קרא wird übrigens schon in der Mischna (Jebam. i. c.) auch von kürzeren Sprüchen gebraucht, weil kein anderer Ausdruck zu Gebote stand. Bei dieser ausnahmslosen Konsequenz des talmudischen Sprach« gebrauche» »nüßte es nach Herrn LebrechlS Auffassung heißen: ,אי אתה ר' לקרותן nicht לאומרן• Sprachlich richtig wird man daher die fragliche Maxime mit Rafchi folgeiidermaßen auffaffen müssen: ״Das schriftliche Gesetz darfst du nicht mündlich' das mündliche nicht schrift- »ich sortpflanzen wollen.". Fragt man also, ob im Talmud ein ausdrücklicheS Verbot gegen das Niederschreiben des mündlichen Gesetzes vor- Händen sei, so muß man nicht, wie der Herr Verfasser S. 14 sagt, mit Nein, sondern mit Ja antworten. Um das Verbot des Aufzeichnens der mündlichen Lehre aus dem Talmud herauszudeuten, übersetzt der Herr Verfasser die Worte: אלה אתה כותב ואי אתה כיתב הלכות (Gittin 1. c.) wie folgt: ״Diese (schriftlich offenbarte) Lehren sollst du niederschreiben, aber du sollst (brauchst) nicht niederschreiben Halachoth." Auf Grundlage des talmodischen Sprachgebrauches müssen wir diese Nebersetzung für falsch erklären: אי אתה enthält keine Permissiv»» , sondern, eine Prohibition, wie die sehr bekannte Stelle Peßach. 22, a. Ans. genügend beweist. Die archäologische und historische Seite der Frage lassen wir hier unerörtert, i»,dem wir bei einer andern Gelegenheit ausführlich darauf zurückzukommen gedenken. Die vorgeschlagenen Emendationen des Hrn. Verf. werden sich wol nicht durchaus des Beifalls der Sachkenuer erfreuen. Wir können nns minbestens mit dem ״Gotte und Wächter der Hölle" (S. 32). welche» derselbe Chag. 15, b. anstreten läßt, durchaus nicht besrerlndeu, da der Talmud von diesem Gotte nichts weiß und sich der jüdische Monotheismus nicht mit demselben verträgt. Da von den Pforten deS Gehinom vielfach die Rede ist, kaNn der Pförtner desselben nicht befremden. Die Verwandlung des מחרדין in מהררין Sabb. 63, a. ist minder kühn; unsere Zustimmung müssen wir ihr aber versagen, weil sonst der nächste Spruch: נוחין וה 7וה ziemlich dasselbe sagen würde. Parallelen hierzu s. Sqnh. 24. a. Dagegen ist die S. 27. vorgeschlagene Ginendation Beza 3, b.: לסומכה בכרעי המטה sehr dankenswerth, so»vie uns auch die Erklärung der Nummer ״Erfolg der Frugalität" sehr angesprochen hat. Als Gegenstück zu dem bereits von Abraham Krochmal emendirte» סהתי in אתתי (l—3) möge das באחת Spr. 28, 18. dienen, wo, wie wir glauben, בסתת zu lesen ist. , ■ ״ . f ~ ,0 Einige Kleinigkeiten können wir nicht unberührt lassen. S. 48 spricht der Herr Verfasser von den Auslegern des MaimonideS, und nennt Beispielsweise gerade einen der seichteren, den Lechem Mischne (nicht Mischna); »varnm gerade diesen? S. 13. Anm. 2. bestätigt der Herr