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Ben Chananja · 1864-11-16 · 46 (16.11.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
46 (16.11.1864)
Date
1864-11-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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923 Inland. Wien, 13. November. DorKurzem ist abermals eine anti seminaristische Versammlung gehalten worden, und zwar in Galantha.Fünfzehn Rabb. waren gegenwärtig, Preßburger Rabb. führte den Vorsitz. Die Herren beabsichtigen wiederholt und noch nachdrücklicher gegen die Gründung einer Rabbinerschule in Ungarn zu petitioniren- Don dem rühmlich bekannten Bezirksrabbiner Barach iu Tapolya ist eine zu Gunsten der Ehe taubstummer Individuen geschriebene, von glänzender pilpulistischer Bravour zeugende Brochüre in hebräischer Sprache erschienen. Die soeben erschienenen Vorlesungen über die jüdische Dogmatik —eigentlich Dogmengeschichte — von Luzzatto werden sicherlich auch einen deutschen Uebersetzer finden. Dr. Hildesheimer in Eisenstadt; ist ausgefordert wordeu, die in Ihrem Sendschreiben gerügten Stellen im Chatham Sofer zu rechlserligen. Wie ich höre, hat er bereits brieflich versprachen, die verlangte Rechtfertigung zu liefern. Ts soll hierüber eine eigene Broschüre erscheinen. Ich werde mich beeilen, Ihnen dieselbe, sobald sie ans Tageslicht tritt,-zukommen zu lassen. §. Pest, 14. November. Der israelitisch-ungarische Verein tst in einem neuen Aufschwünge begriffen. Einige Mitglieder von höherer Bildung und tieferer Einsicht und beharrlicherem Charakter haben sich dessen angenommen. Die Mitglieder sollen in Zukunft in zwei Kategorien getheilt werden: in gründende, welche 100 fl. kapitalisiren, und in beitragende, welche jährlich 4 fl. entrichten. Zn den.Monaten Dezember, Zäner, Februar wurden wieder Vorlesungen gehalten werden. Möge der Eifer für den Verein immer lebendiger werden! Die Einrichtung, nach welcher der Gemeindevorstand den Lehreru seine Bemerkungen über die abgehaltenen Prüfungen schriftlich mittheilt, verdankt dem Dr. Hirschler ihren Ursprung. Vor der Zeit der Hirschler'schen Verwaltung wurde der Lehrerstand so ziemlich dem vile pecus gleich gehalten. Es bleibt immerhin verdienstlich, daß der gegenwärtige Bor. stand manche Formen der Hirschler'schen Gemeinde-Administration sich aneiguete. Er würde sich sicherlich auch den Geist derselben aneignen, wenn eS möglich wäre! Zn Szolnok ist ein jüdischer Holzhändler in Irrsinn verfallen. Seine Wahnvorstellungen bewegen sich im Kreise des Chaßidismus und der ״Rebbe" umgaukelt stets seine Phantasie. Da .religiöse Wahnfinnssormen unter nichtchaßldäischen Juden nicht Vorkommen, so ist die erwähnte pathologische Bereicherung wol als eine Errungenschaft chaßidäischer Geistes- und Gemüthüberreizung anznsehen. UebrigenS ist. vor einigen Zähren im nördlichen Ungarn ein. junger Lehrer, Sohn eines Rabbiners, in Folge solcher Ueberreizung eines frühen Todes. gestorben. Leben und . Tod desselben werden in dortiger Gegend mit legendenhafter Ausschmückung erzählt. Schwärmerei war zu keiner Zeit eine unschuldige Passion.; Die Veröffentlichung der Rabbinerpetition und der Unterschriften ist ein sehr verdienstliches Werk. Viele Gemeinden werden von den Unterschriften ihrer Seelenhirten sehr unangenehm überrascht sein. Cs muß und wird einmal dahin kommen, das die öffentliche Meinung und die Regierung über dte Grenzen der rabbinischen Amtsgewalt aufgeklärt werden. Szegedin, 11. November. Der Vorstand der hiesigen israelitischen KultuSgemeinde hat folgendes. Schreiben von Kollin erhalten: ״Herr Dr. Löw, Oberrabbiner Ihrer geehrten Gemeinde bemüht sich seit längerer Zeit schon, in der von ihm redigirten. Zeitung ״Chananja" nicht nur unser» Rabbiner, sondern auch den größten Theil der Gemeinde zu schmähen und lächerlich zu machen, daher ich mir erlaube, den löbl. Vorstand im Namen des größten Theileö der Gemeinde Höflichst zu bitten, Ihren Herrn Rabbi ernstlich daran zu erinnern, daß der gegenwärtige. Herr Oberrabbi .als der einstige Bocher Lebisch hier noch in frischem Andenken stehe, ferner, daß er mit jeder Gemeinde sich 924 necken könne, nur nicht mit Kollin, weil man sich sehr leicht dadurch Satisfaktion verschaffen könnte durch Veröffentlichung seiner hiesigen Jngendverirrungen. die 100 und noch mehr lebende Zeugen finden würden, und im-Stande wären, ihm.den letzten Rest des Heiligenscheines, der sein Haupt umgibt, in den Koth zu werfen. Ihnen wären solche Auftritte gewiß unangenehm, warnen Sie daher gefälligst Herrn Dr. Löw. Wir selbst vermeiden gerne jeden, besonders jeden öffentlichen Streit, doch einmal gezwungen, ist das letzte Wort gewiß unser. Hochachtungsvoll Simon Sachsel. Uachbemerknng des Ire-akteurs. Indem ich diesen von 7. November 1864 datirten Brief zur Kenntniß der Leser des ״B. CH." bringe, füge ich folgende Bemerkungen hinzu: 1. Es wundert mich gar nicht, daß man sich in Kollin an den Bachur Lebisch erinnert, denn der letzte Bachur der blühenden Jeschiba war ich sicherlich nicht. Wenn es noch Sachkenner aus jener Zeit in Kollin gibt, werden sie hoffentlich bezeugen, daß ich , als ich 1830, kaum 19 Jahre alt, Kollin verließ, ein viel tüchtigerer Talmudist war, als der gegenwärtige Kolliner Rabbiner. 2. Daß ich letztem und einen Theil der Kolliuer Gemeinde schmähe und lächerlich mache, ist nicht wahr. Die im ״B. CH." abgedruckten Korrespondenzartikel aus Kollin und Bonyhäd stammen ja nicht von mir her. Das in Prag erscheinende ״Abendland" geht dem Kdlliner Rabbiner viel härter an den Leib, als der ״Ben Chananja"! Die Thatfachen, welche dieser berichtete, müssen historisch konstatirt sein, weil sie sonst von Simon Sachsel und Konsorten widerlegt worden wären. Indem diese Herren zu niedrigen Drohungen ihre Zuflucht nehmen, bestätigen sie selbst die Richtigkeit der abgedruckten Berichte. Der ״Ben Chananja" hat also seinen Lesern nur mitgetheilt, was wirklich geschah. Ist hierin etwas, das einen The.il der Kolliner Gemeinde unangenehm berührt, so trifft die Schuld weder mich, noch mein Blatt, sondern die Urheber der Thatfachen, deren Veröffentlichung die Herren so sehr in Harnisch gebracht hat! 3. Dte Herren find so vermessen und unverschämt, mir mit Deröffentlichung von Jugendverirrungen zu drohen; ich bin. also genöthigt, ihnen nicht nur als Redakteur, sondern auch als einstmaliger Jünger der Kolliner Jeschiba Rede zu stehen. Als ich im September 1830 Kollin vexließ, richtete mein Gottseliger Lehrer, der berühmte R. Joachim Deutschmann, der einer der auserlesensten Schüler R. Ezechiel Landau'S gewesen war, folgendes nach damaliger Sitte deutsch und hebräisch abgefaßtes Schreiben an meine Gottseligen Eltern. Mit Gottes Hilfe. Kollin, Sonntag, 18. Glul 590. לכבוד ידידי היקר איש תבונות' ׳התו׳ המושלם כ״ה משה לעוו ני׳ ע״ז היקרה והצנועה הי', Wertheste Freunde! Sie belieben hiermit בנם תלמידי יריבו צמידי הבת המופלג השלם כ״ה ליבש שיחי׳ mit Freuden zu empfangen. Ich versichere Sie, er ist eine Seltenheit. Obzwar er in vielen Kenntnissen sich.Geschicklichkeit erworben, die ihn bei Jedem anempfehlen muß; aber hauptsächlich versichere ich Ihnen, meine Lieben, hat er sich בתורתנו הקדושה vollkommen gemacht, daß er wirklich keinen דבי benöthigt, und hat er so viel Feuer und Eifer dafür, daß er bestimmt in einigen Jahren ««תלמיד הכם wird. Ich habe ihm sein System vorgeschrieben, und dann werden Sie erfahren, was er ist. Die ישיבות heißen jetzt nicht viel; man wird mehr zurückgelegt als man vorwärts kommt. Nur wünsche ich, daß er in einem Orte sei, wo לומדים mftire'n, um tä9li$ מפ7פל zu sein. Ich zweifle auch nicht, daß ihn jeder. גדול, zu welchem er kommen wird, als feinen erklären wird. UebrigenS bleibt es bei mir als ein תלמיד המהכים

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