Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 46 (16.11.1864)
- Date
- 1864-11-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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921 922 Äus öeni Solle £eöe!1 י aus der,ftnflenuß Licht. Zwei naturwissenschaftliche Erklärungen. Don Reallschnllehrer Schütz in Arad. II. D a s L e u ch t e n d e r G r ä b e r. In dem eben erwähnten berühmten (!?) Werke ״El Hoadarim" wird uns erzählt, daß auf dem Grabe des berühmten Rabb. Ezechiel Benet zu Neutra von mehreren Menschen ein Leuchten beobachtet wurde. Dieselbe Beobachtung erinnere ich mich in meiner Kindheit von alten Leuten in Betreff des Grabes des zu seiner Zeit gefeierten Talmndisten Rabb. M. B. Kornfeld (Barers des noch lebenden und ebenfalls als talmudische Celebrität weithin bekannten Rabbiner Aron Kornfeld aus Jenikan) gehört zu haben. Da nun derlei Behauptungen nicht zu den Seltenheiten gehören, so fragt es sich: sollen alle diese Aussagen einfach negirt und inS Reich des Aberglaubens verwiesen werden, oder läßt sich die erzählte Thatsache auf eine natürliche Weise erklären? — Ich meine Letzteres (vielleicht zum Erstaunen vieler Leser) und will mir erlauben, meine Ansicht folgendermaßen zu begründen. Die Gesetze und das Walten der Natur im Bereiche des Irdischen kann in vielen Beziehungen als ein getreues Symbol des Geistigen aufgefaßt werden. Im Menschen sind auf eine dem Verstände unerklärlichen Weise Geist und Körper zur. strengsten Einheit verbunden. Diese innige Verein!- gung dauert aber nur so lange, als das irdische Leben des ,,menschlichen Individuums. Stirbt der Mensch, so kehrt Geist und Körper oorrytn zurück, ivofyev fic gcfottuitcttj׳ t>cv &0vpcv ■ fallt zur Erde zurück, der Geist steigt zu Gott empor. Betrachtet man genauer, findet man bei rein irdischen Körpern denselben Vorgang. Alle Körper bestehen theils aus festen, theils aus tropfbar flüssigen und aus luftförmigen Bestandtheilen. Diese Bestandtheile können nach der Lehre der Chemie wieder in einfachere zerfallen oder zerlegt werden. Letzteres geschieht durch menschliches Hinzuthnn, ersteres von selbst bei der Verwesung eines Körpers. Die chemischen Bestandtheile eines Körpers stammen ferner entweder aus der festen Erde oder aus dem Wasser, oder aus der Luft. Hört das Leben im organischen Körper auf (und von solchen ist hier zumeist die Rede) so kommen sogleich Erde, Wasser und Luft und theilen ehrlich die Erbschaft unteremander, und zur Erde fällt, was vom Körper ans der Erde stammte, zu Wasser wird, was Wasser war, und in Luftform steigen die Bestandtheile auf, deren Natur an und für sich luftförmig war und zum größten Theil in der Luft ihren Ursprung hatten. (Mitunter bilden sich auch hierbei Luftarten, die als solche im Körper nicht vorhanden waren, aber dies stört diese Auffassung im Allgemeinen nicht.) Ebenso wie bei allen organischen Körpern verhält es sich auch mit dem menschlichen Körper, wenn er im Grabe in den Zustand der Verwesung übergeht. Manche von den dabei sich bildenden und in die Luft aufsteigenden Gasen (Luftarten) sind nun an der Luft leicht entzündbar; (z. B. das Phosphorwasserstoffgas). Das aufsteigende Wasserstoffgas (ein Element des Wassers) verbindet sich mit einem Elemente der Luft (dem Sauerstoff), oridirt also ld. h. verbrennt) ebenfalls, wenn auch nur mit einem sehr schwachen Lichtschein (um so mehr, wie schon andere brennende Gase vorhanden), welcher nach der Ansicht des Naturforschers Reichenbach *) allerdings, wenn auch nur an sehr feinsinnigen Menschen, die er Sensitive nennt, wahrgenommen werden kann. Obzwar nun die von Reichenbach ausgestellten Theorien, besonders seine Lehre von der neu entdeckten Naturkraft, dem ״Od" — vielfach bestritten wird**), so dünkt mir doch die Lichterscheinung auf Gräbern, zumal nach der hier versuchten Erklärungöweise (wenn auch die von Reichenbach ausgestellte Sensitivität mancher ״Personen zu Hilfe genommen würde) nicht so geradeweg in den Bereich des Aberglaubens und der Fablen verweisbar zu sein. Dies schließe ich auch daraus, daß der bekannte und populäre Naturforscher Zimmermann, der die Lehre vom ״Od" auch nicht als bewiesen anzunehmen bereit ist, die hier besprochene Erscheinung vom Gräberlenchten doch nicht leugnen zu wollen scheint, besonders, was die Sensitivität gewisser Personen in Bezug auf den Gesichtssinn berrifft, denn er sagt ausdrücklich:***) ״Eine chemische Zersetzung der Leiche findet allerdings statt, es werden also wirklich Gase entwickelt, welche sich durch den Geruch zu erkennen geben (dem einen mehr, dem andern we- Niger; denn hier ist von Leichen die Rede, die schon im Grabe liegen) es sind also nur Grade von Riechbarkeit; ebenso möglich sind auch verschiedene Grade von Sichtbarkeit" (weil nämlich unter diesen Gasen viele sind, die an der Luft oridiren, d. h. verbrennen und also mit schwachem Scheine leuchten.) So weit vom wissenschaftlichen Standpunkte. Aber das wahrhaft gläubige und poetische Gemüth sieht in der hier besprochenen stofflichen Zersetzung nicht nur die aus demselben hervorgehende physische Lufterscheinung, sondern die tröstende Morgenröthe eines ewigen Lebens, wie sich überhaupt der ideale Naturfreund in allem Materiellen verborgenes Geistiges denkt, während der materialistische in allem Geistigen handgreiflich Materielles sucht.****) Korrrspon-en). Ausland. Odessa, 17. Oktober. Der gelehrte Simcha Pinskerr hat heute seinen gebildeten, edlen. in der letzten Zeit leider zerrütteten Geist ausgehaucht. Der Verblichene hat den Wunsch geäußert, daß Prof. Luzzatto seinen bedeutenden literarischen Nachlaß ordne nnd edire. Sein vorzeitiger Tod läßt eine Lücke zurück, die nicht leicht ausgesüllt werden wird. Friede seiner Seele! Die jüdische Literaturgeschichte wird ihn stets mit Hochachtung nennen. An seinem Grabe sprach nicht nur Schwabacher, sondern auch der karaitische Chacham, Pinsker hat diese Huldigung von Seite der Karaiten verdient. *) Dieser originelle Naturforscher sucht die Lichterscheinung auf Gräbern durch eine eigene von ihm entdeckte, dem Magnetismus und der Elektrizität ähnliche Naturkraft, die er ״Od" nennt, zu erklären, und weist nach, daß gewisse, aber nicht alle Menschen ein bisher uubeachtet gebliebenes Licht, (das vdische) erschauen, besonders an Stofflichem, das in chemischer Zersetzung begriffen ist; diese Menschen nennt er sensitive. Weil aber das Od von Seile der Physiker auf vielen Widerspruch zu stoßen hat, sah ich von dieser Erklärungöweise ab, und versuchte es mit einer andern (der oben gegebenen.) **) Odische Erwiderungen von Reichcubach. ***) ZimniermaniiS populäres Handbuch der Physik. Art. thierischer MagnetiSuiuS n. s. w. I. Band. ****) Welche beiden Richtungen auch in.der That besonders unter den heutigen Naturforschern stark vertreten sind.