Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-11-16 · 46 (16.11.1864) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
46 (16.11.1864)
Date
1864-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543168--3955-2547869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

919 920 in Paris die Herkunft von berühmten Persönlichkeiten verborgen bleiben kann, wie häufig mag dies erst bei der von gewöhnlichen Menschen der Fall sein. Die jüdische Gemeinde zu Paris dürfte demnach bet 30,000 Seelen zählen und nimmt schon deswegen unjer ganzes Interesse in Anspruch. Doch wer die ganze Bedeutung derselben ermessen will, muß sich mit ihren Institutionen und den Männern, welche solche geschaffen, oder leiten, bekannt machen." Wir beginnen die Reihe mit den Gotteshäusern. Die jüdische Bevölkerungvon Paris besitzt auffallend genug blos zwei Tempel, wovon der eine (Rue Notre Dame de Nazareth, 15) Temple consistorial, der andere (Rue Lamartine, 23) Temple. du rite portugais betitelt ist. Ersterer ist räumlich größer, und auch dem Range nach viel bedeutender, letzterer (aus einem Magazme zu einem Bethause adoptirt) muß aber trotz der Bescheidenheit seiner Dimensionen wegen -eS geregelten Gottesdienstes (Choralgesang, Orgel, Predigt) mehr befriedigen. Zur Charakteristik des temple eonsitorial Folgendes: DaS Gebäude ist von außen ganz unansehnlich, macht sich aber durch die herabwehende Trikolore schon von ferne bemerkbar. Die innere Einrichtung ist eine ganz anständige, läßt aber gleickwol vergessen, daß man sich in der Metropole des Geschmackes und des LurnS befinde. Gottesdienst und Haltung des Publikums lassen viel zu wünschen übrig. Als ich in׳ das Gotteshaus, eintrat. wurde eben ein Bar-Mizwa vor das Sepher gerufen, und trug derselbe, zu meinem ntcyr geringen Befremden, die ganze Parscha selbst, und . zwar mit der alten Regina vor. Das Publikum folgte mit Spannung den Läufen und Windungen des antiquirten Singsangs, und als der jugendliche Sänger auch den salte-mortale eines (im hohen 6 erekutinen) Jeßib glücklich weg hatte, entstand ein Gemurmel ..... daß ich mich ganz im ״Schuhl" glaubte. Schließlich mag ich noch erwähnen, daß im Konsistorial-Tempel außer französisch, auch deutsch —, ״geschmust" wird. Die Verwaltung des Tempels besorgt ein aus zwölf Mitgliedern bestehender Vorstand. Die Herren Äbr. Crshange und Adolf Israel fungiren als. Delegirte des KonststoriumS, die Herren Bernheim und Oliver als Präsidenten. Chasanim (mini8tre8 offieiants): Ketten und Naumburg. Der portugiesische Tempel wird blos von einem viergliedrigen Vorstand verwaltet; Herr Allegri ist Ehrenpräsifcent; Herr Carvallo wirklicher Präsident. Den Gotteshäusern zunächst nehmen wol die Schulen unser Interesse in Anspruch: Mir bekannt gewordene jüdische Unterrichtsanstalten sind : Die Leoles 601mmmale8 israelites für Knaben und Mädchen; die Lalle d'asile communale isradlite; die ]Scole et Salle d’asile consistoriales; das Lycöe Louis-le-Grand für den (von H. Astruc geleiteten) Religionsunterricht und endlich das Sdminaire isra61ite. Außer diesen öffentlichen gibt eS noch ein gutes Dutzend Privat-Lehranstalten theilS für Elementar-, thetls für höher» Unterricht, von denen ich blos die der Herren Rosenfeld und Springer (vormals Derenbourg.) erwähnen zu sollen glaube. ״ Von den öffentlichen Lehrkräften verdienen die des Leminaire israslite namhaft gemacht zu werden. An-der Spitze der Anstalt steht als Direktor Herr Trenel (ZV. Mhin), welcher auch aus dem Talmud Vorträge hielt. Außer demselben wirken noch fünf Professoren, und zwar Herr Cahen als Professor der französischen Literatur und dev modernen Geschichte; Herr Alb. Cohn als Prof, der Geschichte der Juden; Herr Janet als Professor der Filosofie; Herr Manuel als Professor der Literatur und Geschichte des Alterthums, und Herr Vogue (gr.rabbin) als Professor der Theologie und biblischen Eregese. Ueber die Leistungsfähigkeit der erwähnten Anstalten darf ich mir um so weniger ein eigenes Urtheil erlauben als mein Aufenthalt in" Paris im Ganzen nur 11 Tage dauerte;, doch geht die Meinung gewiegter, in Paris seß- Hafter Pädagogen dahin , daß sie zumeist nicht als das' zu nehmen sind, wofür man sie nach den anspruchsvollen Titeln zn halten berechtigt wäre. Namentlich wird in den EleMentarschulen ein harmonisches Zusammenwirken der Lehrkräfte rrncb citicitt - fcftßcf/cubcM- Sßtatte r>>5r׳NktPr. ׳ י. י ״ —rrr~ / Eine jüdische Lehranstalt habe ich indeß kennen gelernt, die man ohne Bedenken alsmustergiltig in ihrer Art bezeichnen darf, ich meine das in der Rue Turgot Nr. 11 befindliche Pensionat des Herrn Julius Rosenfeld. Herr N ist ein geborner Proßnitzer und ist seit 15 Jahren in Paris als Erzieher nnd Lehrer thätig. Sein Pensionat nimmt nicht mehr als 30—40 Zöglinge auf, leistet aber auch in Bezug! auf Erziehung nnd Bildung so Vorzügliches, daß die ersten׳ jüdischen Häuser von Paris sich's zum Glück anrechnen, ihre Kinder in demselben erziehen lassen zu können. Die jüdischen Schulen von Paris stehen unter ber Aufsicht des Wohlthätigkeits-Ansschuffes, welcher ׳ auch die' Kinder sowol der Schulen, als auch der Asyle mit Kleider» versorgt. Der Baron James v. Rothschild hat zu diesem Zwecke einen jährlichen Beitrag von 10,500 Fr. fundirt,. von welchem Betrage die fieole8 communalas 7500h gfr.,־ bte Ecoles cousistoriales 3000 Fr. erhalten. Eibe weitere Fundation von jährlichen 3450 Fr., welche den Nänwn des' Baron Alben v. Rothschild trägt, ist für die Zöglinge der Astle bestimmt. (Fortsetzung! folgt׳.)!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.