Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 46 (16.11.1864)
- Date
- 1864-11-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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917 918 dienste (Minchah) in der Synagoge einschlief. Ich kehrte nicht nach Hanse zurück, und meine arme Mutter suchte mich überall. Endlich kam die Stunde des Abendgebetes (Maarib) beim Ausgange des SabbatheS. Der Synagogendiener klopft dreimal an die Pforte des Gotteshauses, um den nach der Legende darin weilenden Tobten das Zeichen zum Ausbruche zu geben, und tritt in Begleitung meiner Mutter in die Synagoge. Ich wurde schlafend vor der h. Lade gefunden. Auf die Frage, ob ich Furcht gehabt hätte, antwortete ich: Nicht jm geringsten; ich bin ja bei Gott gewesen. Meine arme Mutter, glücklich mich wieder gefunden zu haben, sagte mir, daß man im Tempel weder schlafen, noch daselbst mit den Todten verweilen dürfte. Im Alter von zwölf Jahren begab ich mich nach Wien, wo ich von 1826 bis 1834 die Gymnasialklaffen und den filosofischen Kursus absolvirte. Neunzehn Jahre alt geworben, sollte ich in Betreff meines künftigen Berufes einen definitiven Entschluß fassen. Alle jungen Leute, welche vor mir nicht den Handel, sondern eine wissenschaftliche Karriere gemacht hatten, waren Aerzte geworden, indem die Medizin der einzige den Israeliten erlaubte Studienzwetg war. Meinen Eltern zu Liebe hätte ich ebenfalls diese Bahn betreten; es war mir jedoch unmöglich, an den Arbeiten des Seziersaales Theil zu nehmen. So oft ich diesen betrat, fühlte ich einen gewissen Widerwillen und die Unmöglichkeit, denselben zu beherrschen. Ich bat meine Eltern, michs meiner eigenen Neigung folgen zu lassen, indem ich sie versicherre, daß ich es doch zn etwas bringen werde. Ich widmete mich also immer mehr dem Studium der orientalischen Sprachen. Eine orientalische Akademie gab es zwar in Wien, aber als Jsraelite durfte ich meinen Fuß nicht dahin setzen. Ich betrieb daher meine talmudischen Studien mit dem Rabbiner Horowitz, und meine linguistischen und archäologischen mit dem sel. Dr. Saalschütz, welcher voriges Jahr als Prediger und außerordentlicher Professor an der Universität zu Königsberg gestorben ist. Ich arbeitete fleißig in der kaiserltchen Bibliothek in Wien, nachdem ich von der Polizei die Erlaubniß erhalten hatte, noch ein Jahr in Wien zu bleiben: eine Erlaubniß, die später noch auf ein Jahr verlängert wurde. In Preßbnrg geboren, durfte ich mich nämlich nach dem damaligen humanen Landesgesetze in Wien nur unter der Voraussetzung aufhalten, wenn ich bei einer Fakultät eingeschrieben gewesen wäre. Ich studirte aber die orientalischen Sprachen! (Fortsetzung folgt) Jleifeao.tijea üSer Mische 3u(läni»e. Von Israel Bargella. Paris. Am Schluffe meines Berichtes über Stuttgart (B. CH..M43 .׳) versprach ich dem freundlichen Leser, daß er über Paris ״Ausführlicheres und vielleicht auch JnteressantereS" erhalten werde. In der That habe ich in Paris so viele jüdische Persönlichkeiten von Rang und Klang gesprochen und so viele jüdische Institutionen von weittragender Bedeutung näher kennen gelernt, daß eS mir, bei gehöriger Muße, gar nicht schwer fiele, über die jüdischen Zustände in Paris und Frankreich einen recht ausführlichen und interessanten Bericht zusammenzustellen. Leider aber haben sich inzwischen meine Berufsgeschäfte derart gehäuft, daß ich mit meiner Zeit so viel als möglich haushälterisch umgehen muß. Ich werde demnach meine Mittheilnng mehr statistisch einrichten und nur gelegenheitlich meine persönlichen Wahrttehmungen und Betrachtungen einflechten. Jm Vorhinein versichere ich aber den freundlichen Leser, daß ich sämmtliche Daten theils Mitheilungen von bewährten Männern, theils verläßlichen, aber bei uns weniger bekannten Schriften (namentlich dem ^.nnuairs karisien von A. Crähange) verdanke. Nun zur Sache! Die israelitische Bevölkerung des eigentlichen Frankreichs wird auf ungefähr 100,000 Seelen geschätzt, die Konskription aber weist nur 88,936 nach. Davon entfallen auf den Konsistorial-Sprengel: Paris .. 22,000 Straßburg ... 20,936 Colmar .. 17,000 Nancy . . . ... . 8800 Metz ........ .. 8500 Bordeaux.. 4000 Marseille. 3300 Lyon . ........ 2200 Bayonne ... 2200 Außerdem sind noch in Algier 7000, in Orian 6000, in Constantine 4500 jüdische Seelen konskribirt. Die bedeutendsten jüdischen Gemeinden sind lllut Konskription: Paris 20,000, Bordeaux 3200, Metz 3000, Straßburg 2820, Marseille 2500, Mühlhausen 1800, Nancy 1500, Bayanne 1320 und Colmar 1250. In den Landgemeinden dürfte die Konskription der Wirklichkeit ziemlich nahe gekommen sein, in Paris aber ist sie unstreitig weit hinter derselben zurück geblieben, und darf man, wie mir Herr Albert Cohn versicherte, die Annahme wagen, daß eö in Paris vielleicht 10,000 Israeliten gebe, von denen man als solche gar keine Kenntniß habe. So lebte vor nicht langer Zeit in Paris eine Schauspielerin, welche die ganze Stadt fetirte, ohne nach dem Glaubensbekenntniß derselben zu fragen, und erst als die Künstlerin den letzten Akt der Lebenstragödie zu Ende gespielt hatte, erfuhr man aus dem Testamente derselben, daß sie auf einer französischen Kolonie von jüdischen Eltern geboren worden — und auf dem jüdischen Gottesacker begraben sein wolle. Wenn aber.