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Ben Chananja · 1864-11-09 · 45 (9.11.1864) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
45 (9.11.1864)
Date
1864-11-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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89 t 898 4 1 .} 1 1; Jahrhunderts in Frankreich viel Aufsehen machte, ") steht in gewisser Beziehung den Anschauungen des Hallag am nächsten. Es sind freilich bedeutende Unterschiede zwischen beiden, welche übrigens nicht geleugnet werden sollen. Hallag hat — wie bereits früher bemerkt — für seinen Spruch mit dem Leben bezahlt. Die Moliniften wurden als Ketzer erklärt, und es hat nicht an Männern gefehlt, und es waren bedeutende darunter — welche die Mo linisten gern verbrannt hätten. Molinos selbst beschloß sein Leben im Gefängniß. Daß die Sätze beider Verdammt wurden , beweist, daß man -dieselben trotz ihres eigentlich spekulativen Charakters, dennoch fähig hielt, einen bedeutenden Einfluß auf das praktische Leben auszuüben. Es war die Einsamkeit, welche sich als fruchtbarer Boden aller dieser Gedanken und Anschauungen erwiesen hat. Es ist eine talmudisch sprichwörtliche Redensart. ״Die Milch einer weißen und einer schwarzen Ziege ist dieselbe."") Ihren allgemeinen Sinn nach kann diese Redensart bei vielen Gelegenheiten anwendungsweise benutzt weroen. Vor dem Geiste des Literaturhistorikers flattert es oft vorüber. Es ist auch an uns zuweilen vorbeigeflogen. Zum Besten des Lesers haben wir es hier festgehalten. Er mag znweilen Gebrauch davon machen. Nnr wo höhere Regungen im Gemüthe vorwaltend sind, kann die Einsamkeit geistige Geltung haben, und als geistiges Element betrachtet und gewürdigt werden. Melancholie — zuweilen die Mutter, zuweilen die Tochter von Menschen haß — treibt auch in die Einsamkeit. Diese aber hat dann nicht ethische, sonder» nur eine phistologische Geltung.'2) Wie sich die Gegensätze allenthalben berühren, so auch hier. Dieselben Mittel dienen oft zu verschiedenen Zwecken. Auch bloße Genußsucht flüchtet sich zuweilen in die Einsamkeit. Seneca^) spricht von affektirter Einsamkeit, und knüpft daran — in gewohnter Weise — sehr geistreiche Bemerkungen an. Es darf hier die Aufmerksamkeit auf den Spruch eines arabischen Weisen gelenkt werden. Derselbelautet:^) כ,י שפורש מן העולם לאהבת העולם כמי שמכבה האש בוזק ״Wer aus Liebe zur Welt sich von ihr zurückziehet, ist demjenigen zu vergleichen, der Feuer mit Stroh löschen will." "* *) Sanhedrin d. 38 finden sich die Worte כיון שסותהין נעשו הכל כחדשים (Es ist auch das הכם הרשים lm Talmud so erklärt. Das כהרשים steht mit הרש (schweigen) in Verbindung. Die Erklärung selbst hat keine eigentliche etymologische Begründung. ES ist nur in spielender Weise nach talmndischer Art gebraucht. ״) Bergl. אבותרר׳ נתן Kap. 40 — כל דבר שמטילין באונו נכנסין מכאן ויוצאין מכאן ראשי! ראשי! נשמט והילו לי ״) Es ist dieses alles besser unter dem allgemeinen Namrn Quietismus bekannt, und in allen Handbüchern der Kirchengeschichte findet man Belehrungen darüber. Das allgemein Psychologische der Sache dürste noch nährr zu betrachten sein. ״) Bereschith rabbab Kap. 87 חלב עזים שחורות וחלב עוים י— לבנות אחד ה וא Heraclit — so erzählt Diogenes LaertinS t<ißhat wirklich vorgegeben, den Unterschied zwischen der Milch von Weißen und schwarzen Ziegen zu kennen. ") Es enthalten die Worte des Maimonides (Kommentar zu Aboth II zu den Worten ושנאת הבריות) denselben Gedanken - ווה אצלו לא מצר פרישות רק מרוע הלב - Dieser Spruch, der die Einsamkeit zum Inhalte hat und selbst vereinzelt dasteht, hat den allgemeinen Sinn, daß das Zurückziehen von der Welt verwerflich ist, wenn es aus bloßer Selbstsucht geschieht, um ungestört genießen zu können. Wenn auch die Worte des Seneca und die soeben angeführten Worte des arabischen Filosofen gerade nicht identisch sind, so ist ihr allgemeiner innerer Zusammenhang dennoch nicht zu verkennen. Das talmndische אל תפרוש מן ״ הצבורsondere dich nicht von der Gesellschaft ab" ist hierin in seiner größten Allgemeinheit enthalten. Ein Gedanke, welcher uns übrigens auch bei Seneca begegnet. Die allgemeinen Zeitverhältnisse deS Seneca und die des Bechai waren sehr verschieden, die persönlichen Verhältnisse dieser zwei Männer waren es nicht minder. Die einzelnen Menschen nur verschwinden abwechselnd vom Schauplatz, das!Menschliche -aber bleibt. Menschliche Natur war immer dieselbe. Es ist ein großer Sprung von Seneca zu Bechai. Historiker machen zuweilen solche Sprünge. Es sind dieselben zuweilen belehrender, als bloße Kritik, welche sich begnügt, das Aeußerliche der Dinge in Betrachtung zu ziehen. Diejenigen, welche gewohnt sind, durch Parallelen das Innere der Thatsachen sich verständlich zn machen, mögen — nicht unpassend — die talmmudische Phrase darauf anwenden JS) ״ ודילוגו עלי אהבהsein Sprung ist mir lieb." Das Bild ״Feuer mit Stroh löschen" ist an sich interessant, und begegnet uns auch in einem andern arabischen Spruch, lautend: ״Derjenige, welcher glaubt, durch den Besitz des Gewünschten das Ziel seiner Wünsche zu erreichen, gleicht demjenigen, welcher ״Feuer mit Stroh l öschen will,"'°) d. h. die menschlichen Wünsche sind unendlich und einer bringt dem andern hervor. Dieser Spruch sowol, als sein Vorgänger, ist das Kind einer höhern Stimmung , und beide sind von talentvoller Feder ausgezeichnet. _ (Schluß folgt.) Chronologische Semerkungen über die durch Herrn A. Neubauer veröffentlichten Firkowitz'schen Abdrücke von alten hebräischen Grabiuschriften ans der Krim. Von Dr. Hochstädter, Bezirksrabbiner in Bad GmS. Z w e i t e r A r t i k e l. Während nun hinsichtlich der Aufenthaltszeit unserer Väter in Mizrajim jüdische wie christliche Chronologen vom 15) Briefe Nr. 68. 16) Bergt, auch unsere rabbiuische Sprachsünde S. 73, 17 י) Es ist dieses eine spielende Anwendung der Worte ורגלו עלי אהבה. '8) Bergt. D'H erbelot Art. Abu Beere f i 1 s d'A bda Nah Aldhari. *) Von mehreren im ersten Artikel eingeschlicheneu Druckfeh» lern sollen hier nur die finnstörende» berichtigt werden: Seite 652, Linie 1 von nuten statt 100 lies 190. — S. 853 Linie 9 von oben stast 10 ließ 70. — S. 853 Linie 19 von unten statt von lies vor. - S. 655 Linie 11 von oben statt 4877 lies 487. — S. 655 Linie 11 von oben statt muffen lies muß. — S. 855 Linie 14 von oben statt vielleicht schon lies 35 I. — S. 855 Linie 15 von oben ist wel» ch er zu streichen. — S- 655 Linie 16 von öden statt 18 lies 13. — S. 855 Linie 19 von oben statt , lies —. 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