Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 45 (9.11.1864)
- Date
- 1864-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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893 entschieden stärker und lebendiger, als dies früher der Fall war. Wir wollen damit keineswegs das Nechtsgefühl und Bewußtsein unserer Altvordern irgendwie antasten oder bebezweifeln, aber wo Nichtjuden mit im Spiele waren, trübten sich zuweilen die Anschauungen. Was uns heute geblieben und hoffentlich für alle Zeiten bleiben wird, ist die Gemüthserregung und Erschütterung, die sich unser bemächtigt, wenn wir hören oder lesen, daß Juden wegen Verbrechen ans der Anklagebank sitzen und verurtheilt werden. Es thut uns wehe, daß sich unsere Glaubensgenossen gegen daS Gesetz versündigen und so göttliche und menschliche Gesetze übetreten. Erfreulich ist es jedoch wahrzunehmen, daß die Anzahl der jüdischen zu den christlichen Verbrechern im Verhältnisse zur Seelenzahl eine günstige genannt werden kann, (bei den weiblichen Sträflingen ist die Anzahl der Verurtheilten eine verschwindend kleine), und daß die Juden in gewissen Nubriken, wie Mord, Todschlag, Raub, Kindesverleguug, Majestätsbeleidigung rc. gänzlich fehlen, oder nur sehr schwach vertreten sind. Wir gebrauchten den Ausdruck ״erfreulich", obschon wir nicht leugnen können, daß auch die verhältnißmäßig geringere Anzahl der jüdischen Verbrecher einen sehr betrübenden Eindruck auf uns macht. Wir Juden leben noch in soferne im Galuih, daß manche unserer christlichen Mitbrüder die Gesammtheit für den Einzelnen verantwortlich machen wollen, und wenn ein Jude wegen eines Verbrechens verurtheilt wird, kehrt man die Konfession hervor, während dies bei christlichen Verbrechern nicht geschieht. Eö gibt unter den jüdischen Verbrechern viele, welche strenge am jüdischen Zeremonialgesetze halten und es sind mir selbst jüdische Sträflinge bekannt, die während einer mehrjährigen Haft keinen Bissen Trefa genossen haben, trotzdem ihre Gesundheit dabei gelitten hat. Wir schlagen jedoch diese Gesetzestreue, so sehr wir, sie zu würdigen wissen, nicht so Hoch an, als jene Gesetzestreue, die die Gebote: Ihr sollet nicht stehlen, oder du sollst nicht stehlen rc. strenge beobachtet. Doch gehen wir zu den Zahlen. Wir bringen die An-. zahl der Sträflinge, die sich in den österreichischen Strafanstalten mit Ausnahme des dreieinigen Königreiches, Ungarns und'Siebenbürgens Ende des Jahres 1862 befanden: In Capo d'Jstria Männer, 1294 darunter 17 evang . 33 isr. Gradiöka ״ 315 - ״ 2 ״ — Garsten ״ 832 ״ 24 ״ — ״ Karthauö ״ 829 ״ 9 ״ ״ 19 Maran ״ 1074 ״ 35 ״ ״ 47 Stein ״ 914 ״ ״ ״ 52 ,v,Mdua ' ״ 851 ״ 7 ״ ״ 1 -,,!Lemberg' ■ ״ י:׳-' 1405 ״ 5 ״ ״ 148 1562 1} 25 ״ ' ״ 32 In Prag Weiber 473 darunter 4 894 evang. 2 isr. ״ Venedig Männer ״ 927 1 ״ 8 ״ ״ Laukowitz Weiber ״ 145 — ״ — ״ ״ Lemberg ״ 454 1 ״ 13 ״ ״ Nendorf ״ 325 5 ״ 10 ״ ״ Schwaz ״ 96 __ ״ — ״ ״ Süden ״ 158 ״ — ״ ״ Venedig 146 — ״ — ״ ״ Wall. Meseritsch ״ 394 8 ״ 1 ״ Im Ganzen sind es 9995 Männer, worunter 125 evang. und 346 isr. und 2169 Weiber, worunter 18 evang. und 26 isr- Dem Vaterlande nach waren die Sträflinge: 994 aus Niederöfterreich, 534 aus Oberöfterreich, 49 aus Salzburg, 198 aus Steiermark, 120 auö Käruthen, 169 aus Krain, 529 aus Tirol, 604 aus dem Küstenlande, 1672 auö Venetien, 399 auö Dalmatien, 2414 aus Böhmen, 1187 aus Mähren, 302 ans Schlesien, 1600 aus Oftgalizien, 593 aus Westgalizien, 220 ans der Bukowina, 268 aus Ungarn, 1 aus Siebend., 18 auö Kroatien und 32 aus dem Auslande. Die Anzahl der israelitischen Sträflinge ist in soferne als eine günstige zu bezeichnen, da sie den Bevölkerungs- Verhältnissen nach größer sein könnte. Als besonders beachtenswerth ist auch die Anzahl der Verbrecher aus Tirol hervorzuheben. Das Land zählte nach der letzten Konskription 858,203 Einwohner und hat die zu den andern Kronländern unverhältnißmäßig große Anzahl von 529 Verbrechern. Man hätte meinen sollen, daß daß Land, welches so hohen Werth auf seine Glaubenseinheit legt, und von der Furcht befangen ist, die Ungläubigen könnten es von der Bahn der Tugend verführen, würde weniger Verbrecher aus seiner Mittehervorgehen sehen , als diejenigen Kronländer, wo unter den Katholiken auch Juden und Protestanten leben; und doch hat Tirol verhältnißmäßig mehr Verbrecher als Galizien, Böhmen, Mähren re. Auch in Tirol gibt es Mörder, Diebe, auch da werden Personen wegen Nothzucht, Kindeömord rc. bestraft. — Wir wollen keine weiteren Bemerkungen daran knüpfen, aber wir glauben, eö dürften diese Zahlen einiges zur Aufklärung über den sittlichen Zustand des Landes der Glaubenseinheit beitragen. Beiträge zur Kultur-und Literaturgeschichte. Vou Leopold Dukes. 0::! VII. H ö Here £ Hm ׳mu nge 11. (Fortsetzung. *) Die Geheimnisse in dem Sinne der arabischen Fjlosofen waren noch nicht so in Umlanf in Senecaö Zeit, obwol bei Sertinö und selbst bei Seneca sich Manches findet, welches in diese Klasse gehört.') V *) S. Nr. 27. 29. 32. 34. 57. 39. 40. . :v