Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 45 (9.11.1864)
- Date
- 1864-11-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sieömtcr FahMiig. M 45. Sjegeilm, De» 9. Jfoocmßer 1864. Aeden Mittwoch erscheint ein Bogen. Priiniimerationapreis: Ganzjährig 7 fl., lialbj. 3 fl. 50 kr., viertelj. Z fl. öst. W. Einzelne Nummern 1 & Fr. Man abonmrk bei allen Postämteril n. Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. m Cltmtaitjit. UJodjenßfalt für jüdische Tsteofogie. Herausgeber und Redakteur: Ij]EOPOIjI• Oberrabbiner zu Szegedin. 3»strnle sind and. Redaktion in Szegedi» oder an Hrn. Jriin^ Vnflner in Leijiziil zu senden. Die Apaltige Petilzeile wird mit 10 Nkr.----2 Sgr. berechnet. Ucdnlrtion: 3 Kronen-Gasse, Politzer'scheS Hans. Inhaltr Die israelitischen Sträflinge. Von Dr. Wolf. — Höhere Stimmnngen. Von DnkcS. Chronologische Bemerkungen. Von Dr. Hochstädter. — tttorrespondertz. Änsland. Paris (Albert Cohn'ö Geldsendungen nach Palästina,) Kassel (Goldfchniid-Sllfinng,) Inland. Wien Ignaz Deutsch) Pest (Mädchenschule.) Miskolc; (Chaßid. Nachwuchs.) Szcntes (Hildrsheimer's Ignoranz.) Gr K-niizsa (Em. Bachrach.) Gyoll (Montefiore-Adresse.) Deutsch-Kreuz (Naschi-Uebersetznug.) Zägcrndorf (Schulchau-Aruch-Lerlko».) Waitzen (Kanzel.) Prag (Talmndprnfuug. DaS ״Abendland." Wcssely's Jubiläum.) Nechuitz (Die Synagoge in Schlaiuiiig. Jahresprnfiing.) Aussee (Guggenheimer.) Weißenburg (Zipser's Einwcihungspredigt.) — Sveudcn. — Bemerkung. Inhalt dev Beilage. Petition ungarischer Nabbinen. — Bemerkungen. Von Dr. Wiener. — Inserat. Israelitische Sträflinge. Von Dr. G. W o l f. Wir wollen hier nicht erörtern, in wieferne der Vor- Wurf, daß die Juden sich für das ״auserwählte Volk" hielten, begründet sei. Wir wollen auch nicht untersuchen, ob die Juden nicht gewissermaßen ein Recht dazu hätten, sich so zu nennen. Es ist jedoch außer Zweifel, daß dieser Satz oft von den Juden selbst mißbraucht wurde. ,Es bildete sich ein gewisser Ahnenstolz heraus, und die Verdienste der Vater sollten die Blößen und Schwächen der Kinder und Enkel zndecken. Diese Erscheinung hatte ihren Grund in den jämmerlichen Verhältnissen und Zuständen der Juden. Kinder, die im Finstern sind, singen, um sich die Angst zu vertreiben, und die Juden halfen sich über den Jammer weg, indem sie an die große Vergangenheit und an die ׳herrliche Zukunft dachten. Die satanische Wuth, mit welcher man die Klagen gegen die Juden erhob, wegen Verbrechen, welche die Juden nie begangen, brachte das Ertrem hervor, daß sie selbst Verbrechen, die von Juden begangen wurden, manchmal in Abrede stellten, entschuldigten oder vertheidigten. Und weil man in grausamer Weise von Seite der weltlichen und noch grausamerer Weise von Seite der geistlichen Behörden gegen die Juden verfuhr, welche Verbrechen begangen oder die man solcher beschuldigte oder anklagte, daher kam es, daß manchmal diejenigen, die von nichtjüdischen Gerichten verurtheilt wurden, gewissermaßen für Märtyrer gehalten wurden. So ist nns ein Fall bekannt, der der Mittheilung nicht unwerth erscheint. Vor beiläufig einem Jahrhundert war in einem jüdischen Hause einer Gemeinde in Mähren ein christliches Mädchen im Dienste. Dieses Mädchen war guter Hoffnung, und zwar hatte der Herr des Hauses dieses verschuldet. Derselbe war Vorsteher — Gabbai — der Chevra Kadischa. An einem. Halbfesttage des PeßachfesteS gab der Vorstand dieses frommen Vereines ein Festessen für I die Mitglieder. Es wurde dabei gehörig gezecht und genannter Herr Vorsteher kam etwas benebelt nach Hause.*) Da angekommen, machte ihm das Mädchen Vorwürfe und jener, in aufgeregtem Zustande, kam in heftigen Wortwechsel mit ihr, der dann in Thätlichkeiten überging. Er versetzte der Magd einen Schlag und sie fiel tobt zu Boden. Nachdem dieses geschehen war, ergriff er die Flucht. Bald verbreitete sich die Nachricht in dem Orte, daß ein christliches Mädchen in einem jüdischen Hause erschlagen worden sei, und da diese That am Peßachfeste geschah, welches damals mit der Charwoche zusammenfiel : so erhob man den Vor- Wurf, die Juden hätten das Mädchen erschlagen , weil sie zu dem Osterfeste Christenblut gebrauchen. Der Pöbel brach sofort in die Judengaffe ein, verübte Gewaltthätigkeiten und begann zu plündern. Die Juden waren in großer Bestürzung und fürchteten das Aergste. Man entschloß sich daher, trotz der bereits eingegangenen zweitem Peßachfesttage eine Deputation zum Kreishauptmanne, welcher in der mehrere Meilen entfernten Kreisstadt wohnte, per Wagen zu senden, und um militärische Assistenz zu bitten. Diese wurde, gewährt. Es wurde jedoch sofort eine strenge Untersuchnng angeordnet, um den Schuldigen herauszufinden. Man fand ihn bald unter Fässern versteckt.**) Das Urtheil des Gerichtes lautete über ihn: Tod durch den Strang. Diesem Hingerichteten wurde daun das Epitheton ״Hakadosch", der Heilige beigelegt. Man sprach da einen Mann heilig, welcher keineswegs unverschuldeter Weise den Tod erlitten Hatte. Es könnte in heutiger Zeit unmöglich so etwas eintreten. Es ist das Rechtsgefühl und das Rechtsbewußtsein heute *) Nebenher mag bemerkt werden, daß in früheren Zeiten Liese Ehebroth sehr »verschwenderisch bei derartigen Festessen waren, welche auf Vereins» oder Gemeindekosten bestritten wurden, darum verfiel manche - Gemeinde und mancher Verein in!Folge derartiger Feste in. Schulden. **) Nach einer andern Verflo», die jedoch sehr bezweifelt wird, soll fich der Verbrecher selbst den Gerichten zur Verfügung gestettt'/hqbe«l,- um das bevorstehende Unglück von seinen GlaubenSgeuyss^ah» zuwenden. ‘