Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 44 (2.11.1864)
- Date
- 1864-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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879 880 melten. Andächtigen, den Herrn Oberrabbiner und die Gemeinde-Repräsentanz an der Spitze, in die Wohnung des Herrn Reiner, wo nach einem:frugalen Dejeuner Herr Oberrabbiner Nascher anknüpfend an die Bedentnng des Festes, in kurzen kräftigen Worten die Abficht des Spenders und den Zweck des. Gespendeten detaillirte. Hierauf setzte sich der feierliche Zug in Bewegung. Die Thora-Rolle wurde abwechselnd vom Oberrabbiner und de» Geuieindevorständen unter einem Baldachin getragen, junge Leute trugen diesen, und zur Hebung der Feier gab die Stadt-Repräsentanz vier Haiduckcn als Ehrenwache mit , welche neben dem Baldachin mit gezückten Säbeln einherschritten. Während des Ganges erekutirte Herr Obcrkantor Mandel mit seinem vorzüglich eingeschultcu Chore die hierauf bezüglichen Psalmen. Eine unabsehbare Menge von. Juden und Nichtjudcn begleiteten den Zug bis zum Tempel. Es war recht erfreulich und herzerhebend, die verschiedenen Konfessionen bei Begehnng einer israelitischen Zeremonie freundlich und friedlich neben und miteinander zu sehen. Ueberhaupt können wir uns über das Verhalten der christlichen Einwohner zn Baja unseren GlaUbenSbrüdcrn gegenüber nur lobend äußern. So z. B. waren dort zwei Kasino: ein israelitisches und ein christliches, welche aber seit jüngster Zeit sich vereinigten, und wie wir zuverlässig hörten, ist die Aufforderung christlicher Seits geschehen, worüber man sich nur freuen kann. — Auch hatten wir Gelegenheit, den junge» geistreichen und talentvollen Herrn Nascher, der in Kurzem das Rigorosum ablegen wird, zweimal öffentlich sprechen zu hören, und können Ihrem geehrten Herrn Zs. in seine» Aeußerungcn über diesen schon heute tüchtigen Prediger nur ganz beipflichtcn; denn auch die Herren Dr. Frankel, Direktor des Breslauer Rabbiner-Seminars und Dr. SchmälderS, Professor der orientalischen Sprächen an der dortigen Universität, sprechen sich in einem Schreiben, welches wir gelesen, über erwähnten jungen Mann in jeder Beziehung sehr lobend aus. S. Klei n.!י. Neusatz, im Oktober. Ein Referat im vorigen Jahrgange des geschätzten ״B. CH." über mehrere Gemeinden des Bäcser Komitates schloß ich mit der Bemerkung über Neusatz: ״Obwol sich die Stadt verjüngt aus. , dem Schutte erhebt, ist in der Gemeinde Alles beim Alte» geblieben", ohne zu ahnen, daß ich' sobald iu der Lage sein dürfte, über diese Gemeinde ausführlicher zu berichten. — Nach einem mehrmonatlichen Aufenthalte Hier glaube ich um so eher einige Bemerkungen über hiesige Gemeindezuflände machen zu dürfen, als derartige Notizen von einzelnen aufgeklärten Vorstandsmitglievern mit Aufmerksamkeit angehört wurden. — Die israelitische Gemeinde zu Neusatz zählt etwa 150 Fa- Milieu und versieht der ehrwürdige Herr Oberrabbiner I. S. Freier, dem ein לשל( למוףים im wahren Sinne des Wortes gegeben ist, in ausgezeichneter Weise das Rabbinat. Nur ist cs sehr zu bedauern, daß cs der ehrw. Herr Rabbiner nicht für nöthig erachtet, dann und wann für die hier bestehende dreiklassige Volksschule zu plaidiren. Seine trefflichen und treffenden Worte wären gewiß im Stande, den starren Indifferentismus der Gemeinde in Betreff der Schule zu bannen. Wird es doch der Rabbiner wohl eingestehea, daß die Schule als Bildungsanstalt der Heranwachsenden Generation die größte Aufmerksamkeit des Seelenhirten verdient. Was die Schule selbst betrifft, wird der Unterricht in derselben von drei tüchtigen Lehrern ertheilt. War ich doch selbst Zeuge, daß mehrere Knaben, welche aus der dritten Klasse der israelitischen Volksschule getreten, eine Privatprüfung ans den Gegenständen der vierten Klasse an der hiesigen städtischen Hauptschule mit Vorzug bestanden. — Doch die Bestrebungen und Leistungen der Herren Lehrer werden weder durch einen genügenden Gehalt, noch durch Anerkennung belohnt. Die Lehrer beziehen ein Firum von 400 fl. ö. W.. wovon sie nicht nur den Miethzius für Wohnung, sondern auch eiue Kultussteuer zahlen müssen!! Die Gemeinde hatte zwas im verflossenen Jahre einen Schritt zum Bessern gemacht und eine allgemeine Gemeindesteuer-Repartition eingeführt; ist aber bald wieder zum alten Schlendrian der Ga« befla zurückgekehrt Und' auch die Lehrer müssen den Fleifchkreuzer von ihrem ohnedem kargen Gehalte bezahlen. Geflügel schlachten sie sich sogar selbst. — Don Seite des Vorstandes im Allgemeinen wird der Schule fast gar keine Aufmerksamkeit geschenkt. Den Lehrern wird ihr schwer verdienter Lohn fast wie ein Gnadenbrod verabfolgt. Wol hat dre Schule feit einiger Zeit in der Person des Herrn Gmanuel Gutman» einen weltlichen Schnlaufseher, aber um ein Institut zu heben, muß das Wirken eines Einzelnen, der noch dazu seine ganze Zeit seinein Geschäfte widmen muß, ungenügend sein. Möge der ehrsame Gemeindevorstvnd ein Schulkomitä unter der Leitung des ehrw. Herrn Oberrabbiners einsetzen, zu dessen Mitgliede wir auch unter ändern den sehr gebildeten jungen Arzt, Herrn Dr. Hofmeister, Vorschlägen würden. Dieses Komitü möge mit Hinzuziehung des Lehrkörpers einen Lehrplan ausarbeiten und durch öfter» Besuch der Anstalt Lehrer und Schüler zur Erreichung des Lehrziels aneifern. Vor allem aber sehe der ehr« saure Vorstand das Einkommen der Lehrer zu vermehren, damit sich diese enthoben der drückenden Eristcnzsorgcn mit verdoppeltem Eifer ihrem heiligen Amte widmen können. Möge aber auch der ehrw. Herr Rabb. durch öftere Anregungen von der Kanzel herab änf die häusliche, leider verwahrloste Erziehung der Jugend wirken nnd so den Lehrern eine moralische Stütze sein. — Dem Zusammenwirken sämmtlicher Kräfte wird gewiß Segen für Gemeinde und Schule entsprießen, den wir auch voM Herzen von Gott erflehen. — Was den Gottesdienst betrifft, besitzt die Gemeinde ein sehr schönes Gotteshaus, daö, wie ich höre, auch seine Gitterfrage hatte. Bei der Restauration desselben wurde nämlich auf den Frauengaslerien nur eine Brustwehr angebracht. Ein orthodoxes Vorstandsmitglied ließ ein Gitter äüfführen, und es war ein faifc ac~ compli, für das die Logik der ThatsacheU spricht. Zu der Aquisition des ausgezeichneten Kantors Herrn Bärman aus Raab kann sich die Gemcinde nur Glück wünschen. Der Herr Kantor hat durch seinen Herrlichen Vortrag der Gebete alle Herzen gewonnen. Herr Samuel Freund wird uns, wie ich höre, das Simchath-Thorafest zu einem Doppelfeste machen, indem seine Munisizenz an diesem Tage der Synagoge eine neue Thora-Rolle zuführen wird. Möge dieses schöne Beispiel in der Gemeinde den Eifer wecken, auch für die Erlernung der Thora zu wirken. D. KoÜtN, 18. Oktober. Noch, einmal Gugenheimer! Die bittern Wahrheiten in Nr. 39 des ״Ben Chananja" hatte» denn doch G. das Bleiben iu Kollin verleidet und er rief seine Freunde, zehn an der Zahl, zu Hilfe, um seine Rehabilitirung zu ermöglichen; כי ב^י מים עד נסש! Da wurde denn folgender sinnreicher Plan entworfen: G. kündigte am Bußesabbath Nachmittags dem Vorstande definitiv, indem er vorgab. nun bestimmt nach Bonyhäd gehen zu wollen; man rechnete darauf, daß man am darauffolgenden Rüsttage des VersöhnungSscsteS die Gemüther weich gestimmt finden-, einen künstlichen Sturm erregen, und in diesem Sturme Kollin wieder für G. gewinne» werde. Jedoch die Gemeinde blieb trotz aller Agitation ruhig. Da gingen G.'s Satelliten weiter, verbreiteten das Gerücht, daß sie ihm aus ihrem Privatsäckl 400 fl. jährlich als Zulage bewilligen, um ihren. Heiligen in Kollin zu erhalten , und forderten vom Vorstande , ein Plebiszit zu veranlassen, um zu erhärten, daß G.'S Bleiben von der Majorität der Gemeinde gewünscht wird. Der Vorstand wies jedoch das Begehren mit der Bemerkung zurück, daß er einfach die Kündigung G.'S der Gemeinde zur Wissenschaft bringen werde. Wüthend über diese Entscheidung benützten die Satelliten G.'S SamStag am 15. die Gelegenheit, — wo in x der Synagoge eine Einladung an die Gemeinde zu einer General- Versammlung behufs der Entgegennahme einer Vorlage publizirt wurde, in der Voraussetzung, daß etwa auch die Kündigung G.'s zur öffentlichen Kenntniß gebracht werde, — um Grzeffe im GotteShaüse zu provoziren.