Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 44 (2.11.1864)
- Date
- 1864-11-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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wichtigste Angelegenheit, welche in diesem 25jährigen Zeitraume und auch später die hiesige, wie auch alle!übrigen Gemeinden des Landes beschäftigte, .war die durch die Kaiserln Maria Theresia.'eingeführte und so oft modifizirte Toleranztare, die über ein Jahrhundert gedauert und in ihren verschiedenen Abänderungen von 20,000 fl. jährlicher Steuer auf das Vierfache (80,000) und noch höher gesteigert wurde. Diese Steuer griff tief in das Wesender Gemeinden ein, unterwühlte ihren materiellen, wie auch moralischen Stand und war die ׳Quelle vieler Verationen nach Innen und Außen; schon der Name war eine Brandmarkung für die ungar. Juden und stempelte uns als Fremdlinge des Landes. Noch schädlicher wirkte sie nach Innen, da sie den Zankapfel des Streites zwischen Gemeinde und Gemeinde, zwischen Familie und Familie abgab und die Behörde hatte vollauf ihre Hände mit jüdischen Prozessen zu thun. (Fortsetzung folgt.) Das Geographische im achten Lande von GrSH's Geschichte. Von Dr. M. Wi en er. Am Schluffe meiner in Nro. 22 und 23 des ״Ben Chananja" von vorigem Jahre enthaltenen Besprechung des siebenten Bandes des Grätz'schen Geschichtswerkes habe ich versprochen, auch, über den folgenden Band zu berichten; und wenn ich bis jetzt meinem Versprechen noch nicht nachgekommen bin, so war lediglich Mangel an Zeit, keinesweges aber Mangel an Stoff die Veranlaßung meines bisherigen Schweigens. Ja selbst heutenoch bin ich nicht in der Lage, auf alle in dem neuesten Bande, — der dem Zeitabschnitte von Maimuni's Tod bis zur Verbannung der Juden ans Spanien und Portugal gewidmet ist, — behandelten und nicht behandelten Punkte einzeln eingehen zu können, Weil ich, selbst wenn mir mehr Muße, als ich habe, zu Gebote stünde, alsdann eine weit umfangreichere Arbeit, als eine bloße Rezension sein darf, liefern und einen ziemlich voluminösen Band schreiben müßte. Ich werde mich daher für dieses Mal mit der Besprechung eines Punktes begnügen und behalte mir vor, auf Anderes später znrückznkommen. Mit Vergnügen bekenne ich, daß sich dieser achte Band wenigstens dadurch vor dem vorangehenden vortheilhaft auszeichnet, daß in demselben häufiger die benutzten Forschungen Anderer angeführt sind; allein es muß doch noch in recht Vielem besser werden, wenn Herrn Grätz's Arbeit zu den von mir früher gemachten Ausstellungen keine Veranlassung mehr geben soll. Und wenn es ihm vollends darum zu thun ist, sich nicht bloß in einem nur unter der Aegide des ״Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur" in mehreren tausend Eremplaren verbreiteten Werke dem größer» Publikum! gegenüber mit einem Nimbus von Gelehrsamkeit zu umgeben,- sondern auch den Beifall Sachverständiger sich zu erwerben, so wird er noch bei weitem häufiger, als dies selbst in diesem Bande geschehen ist, auf diejenigen Autoren verweisen müssen, denen er die so vielfach׳ Won ihm benutzten Vorarbeiten zu den betreffenden Abschnitten seines Buches zu verdanken hat. Ich bin indessen weit entfernt, die Stellen, bei denen Herr Dr. Grätz dtes zu thun verpflichtet war, hier im Einzelnen anznführen oder gar den Vorwurf, als kämpfte ich lediglich pro aris et focis, auf mich zu laden und nachzuweisen, wie häufig derselbe in seinem Bestreben, nur ans primären Quellen zu schöpfen, so weit gegangen ist, daß er bei den ihm erst ans meinen, die zu Gründe liegenden Schriften jedeömal ') gewissenhaft anführenden, Regesten bekannt gewordenen Thatsachen diese verschweigt und nur auf jene verweist, dabei aber nicht selten so ungeschickt verfährt, daß ihm, wenigstens dem aufmerksamen und vergleichenden Leser gegenüber, die Täuschung zu verbergen schwerlich gelingen dürfte; sondern ich will hier nur darauf Hinweisen , daß Herr Grätz von den bedeutenden Forschungen, welche in dem letzten Dezennium auf dem historischeu Gebiete des Mittelalters gemacht worden sind, und so wesentlich auch zur Aufklärung der Geschichte der Juden in Deutschland beitragen, durchaus keine Kenntniß zu haben . scheint, sonst könnte es ihm z. B. nicht in den Sinn kommen, auf die Schilderung der Verhältnisse der letzteren unter der Regierung Wenzel's und Siegmund's nur je zwei bis drei Seiten zu verwenden und in Rücksicht auf die Geschichte der Juden in Nürnberg höchstens das beizubringen, was sich in der längst veralteten Schrift von Würfel findet. Somit ist es denn auch erklärlich, daß selbst die wichtigsten Ereignisse, welche unter den genannten beiden Monarchen in Hinsicht der Juden stattfanden, von Herrn Grätz nicht einmal berührt werden und daß er von dem ersten Erlasse der Judenschulden unter dem König Wenzel, von welchem nicht allein die Nürnberger, sondern anch sämmtliche Juden, - die in den den schwäbischen Städtebund bildenden Ortschaften wohnten, so hart betroffen wurden *), eben so wenig eine Andeutung macht, wie von den vielfachen sowohl in christlichen als auch in jüdischen Quellen erwähnten Plackereien, denen die gesammte Judenschaft in den Reichsstädten ausgesetzt war, als König Siegmünd nach seiner Krönung von dieser den dritten Theil ihres Vermögens begehrte. Eine solche Unvollständigkeit würde schwerlich in der-Arbeit des > Herrn Grätz wahrznnehmen sein, wenn bereits der zweite Theil meines.mehrgedachten Buches erschienen wäre. Doch ich begnüge mich hier, auf diesen Mangel, der indessen bei einem Autor, welchem die Breslaner Seminar-Bibliothek, wie die der dortigen Universität zn Gebote steht, um so schwerer wiegt, bloß hingewiesen zu haben, und gehe nunmehr zu dem in der Ueberschrift dieses Artikels angedeuteten Gegenstände über. Im Verlaufe der von Herrn Grätz in dem achten Bande seiner Geschichte berichteten Thatsachen werden mehrfache deutsche Ortsnamen erwähnt, die derselbe entweder gänzlich mißversteht, und daraus Personennamen macht, oder durch falsche Korrekturen entstellt, oder, endlich überhaupt '1 S. 114 zitirt Grätz eine, in meinen Regesten sich findende Urkunde von 23. November 1407, rügt jedoch, daß ich den Fundort nicht angegeben. Allein diese Rüge beweist nur., wie flüchtig Herr Gr. mit den von ihm zu Ralhe gezogenen Hilfsbüchern zu Werke geht, sonst würde er sowohl in dem Vorworte zu meinem Buche S. VII als auch in dem Buche selbst S. 254 gefunden haben, daß ich als Quelle für die in Rede stehende Urkunde Chmel’s regesta Ruperti angeführt s) Daö Wichtigste, hiervon ist bereits in meinen Regesten S. 150—152 und S. 213—216 mitgetyeilt.