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Ben Chananja · 1864-10-26 · 43 (26.10.1864) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
43 (26.10.1864)
Date
1864-10-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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861 862 Gemeinde aneifert, und er selber hat gestern am VersöhnungStage nebst jener Geldspende auch zweitausend Ziegel dem Baue gewidmet. Herr Rabbiner geht also mit Wort und That an das heilige Werk. Möge Gott der Herr uns fernen heiligen Beistand verleihen, daß wir ihm zu Ehren bald einen schönen Tempel aufführen können. Israel Bak. Die Sabbathgesellschaft. 1. Zn einer jüdischen Gemeinde in Ungarn kommcn seit Kurzem jeden vierten Sabbathabend einige Freunde der jüdischen Literatur zusammcn, um sich über jüdisch - literarische Gegenstände zu unterhalten. Der Rabbiner, in dessen Hause die Besprechungen stattfinden, pflegt von Zeit zu Zeit über die eingelaufenen Novitäten Bericht zu erstatten; die Druckschriften werden auf den Tisch der Gesellschaft niedergelegt. Die Gäste haben, ohne daß sie dafür ein Opfer bringen, den Vortheil, von vielen Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur sehr zeitlich Kenntniß zu erhalten. Dagegen gilt im Interesse der leider so schwach unterstützten Literatur Israels in diesem Kreise der Grundsatz, daß Zeder, der eine Druckschrift zu Hause mit Muße lesen will, dieselbe ansch asfeu muß! Diese Einrichtung verdient wol nachgeahmt zu werden. Auch glaube ich den Lesern des ״Ben Chananja" einen denselben angenehmen Dienst zu leisten, indem ich ihnen die in der Sabbathge, sellschaft vorgetragenen Literaturberichie in gedrängtem Auszuge mittheile. Die Quintessenz des letzten Berichtes dürften in Folgendem treu wiedergegeben sein. Meine Herren! Unter den periodischen Schriften, die in letzter Zeit eiugelaufen sind, hat das allgemeinste Interesse dieses kleine, von L. Blum in Paris (n16 St. Croix de la Bretonnerie 14) herausgegebene Kalenderchen. Die kirchlichen Zustande der französischen Juden kann man ans diesem kleinen Buche ziemlich genau kennen lernen. Für einen Reisenden, der in Paris auch die jüdischen Verhältnisse studireu will, ist dieses Kalenderchen ein unentbehrlicher, ausgezeichnet lrcsslicher Führer. Auf wissenschaftlichen Werth macht ein hebräisches Jahrbuch Anspruch, welches von Nafthali Kelle r in Wien unter dem Titel ״Bikkurim" heransgegeben wird (E. M. Hellmann. 8. 256.) Es war vorauszusehen, daß die historische Kritik, von den jüdischen Gelehrten in Wie» bisher wenig kultivirr, daselbst Anfangs nur sehr schüchtern und zaghaft auftreten wird. Dies zeigt sich nun auch auf eine,ehr sprechende Weise in einer Abhandlung über die Lesilla von J.H. Weiß (85-95), wo gegen die Resultate der neuern Kritik zu Felde gezogen wird. Herr W. macht sich die Lösung seiner Aufgabe gar zu leicht! Ueber die große Synode wird er zu einer klaren Anschauung gelangen. sobald er von einem festen geschichtlichen Punkte ausgcht. Die Zeit Schammai's und Hitlel's ist bekannt. Rechnet man von Liesen aufwärts, so ergibt sich die Zeitgeuossenfchaft des ersten DuumvirateS mit Joh.Hyrkau so evident׳ daß kein Kundiger daran zweifeln kann. Hieraus fließt dann unmittelbar. daß Simon der Fromme kein Anderer ist , als der gleichnamige HaSmonäer, und die große Synode keine andere, als die Nationalversammlung, von welcher Simon gewählt wurde. Daß diese Versammlung Jahrhunderte hindurch in Permanenz war, ist eine Fabel, von der die alten Quellen nichts wissen. Höchst mtereffant ist die Abhandlung Dr. Jellinekö über die Lhilluktm und deren Gegner (1—LS.) Ein endgiltiges Urtheil über den Szegedin, Selbstverlag der ttedaktton. Pilpul ist in der vorliegenden Abhandlung noch nicht gefallt. Keinen geringen Antheil an den pilpulistischen Produktionen hatte der Mangel an dem von der Orthodorie geforderten Respekte vor den talmudifchen Materien; viele Pilpulisten mögen sich dieses Mangels nicht klar üewußt gewesen sein. Daß ein solcher Mangel in den letzten drei Jahr- Hunderten vor Mendelssohn vorhanden war, beweist der in religionSgeschichtlicher Beziehung noch nicht gewürdigte humoristische Purimtraktat zur Genüge. Der gelehrte Dr. Jellinek glaubt, man habe früher von einem Nürnberger oder Regensburger Chilluk gesprochen (S. 2.), hierin irrt er aber. ״Nürnberger, Regensburger. Augsburger" waren Bczeichnungen für die Emfase, insofern dieselbe auf die Reihenfolge der Elemente gemaristischer Diskussion angewendet wird. Erwähnt werden diese Bezeichnungen in 181 .2 של״ה. Ed. Frankfurt an der Oder. Die Sterbetage von Herrn Sal Stern enthalten viele werthvolle Notizen. GeschichtSfteunden wäre es willkommen, wenn Herr St. auch das Datum der christlichen Zeitrechnung hinzufügen würde. Reifmanns Aussatz über die Resch-Galutha-Würde ist ein schätzenswerther Beitrag zur talmudifchen Archäologie. Ohne aus die andern Aufsätze, unter denen die Erklärung des RäthselsHdeS Aben Gsra von Letteris, dem Vater, besonders hervorzuheben ist, weiter einzugehen, reicht schon das Gesagte hin, Ihnen Herrn Kellers Jahrbuch bestens zu empfehlen. Je nachdrücklicher der Herausgeber unterstützt wird, desto Trefflicheres wird er leisten. Als sein Vorbild betrachtet er das Jahrbuch von Wertheim er und Komp er t, das auch in diesem Jahre erschienen ist. Ein kümmerliches Dasein fristet das Jahrbuch Jeschurun von Ko bak, dessen vierter Jahrgang vor Kurzem in Fürth erschienen ist. Der Aufsatz ״Pflichten und Gesetze der Noachiden" ist ein trauriges Eczeugniß der konservativen jüdischen Religionssilosofie in Deutschland. Exegetische Werke find in letzter Zeit nur von italiänischen Gelehrten erschienen, von Luzzatto und von Elias Benamosegh, Rabbiner und Prediger in Livorno. Luzzatto's Jesajas schreitet langsam vorwärts; sobald das Werk vollendet vorliegt, werde ich die Ehre haben, Ihnen darüber ausführlich Bericht zu erstatten. Von Benamosegh, der in Livorno Mitbesitzer einer Druckerei ist, ist eine neue Thora-Edition mir einem hebräischen Kommentare erschienen. Das Werk hat einen hebräischen und einen französischen Titel. Letzterer lautet in wortgetreuer Uebersetzung: Der Pentateuch mit Erklärungen, Erläuterungen, filologischen, kritischen, archäologischen und wissenschaftlichen Untersuchungen, nach den Resultaten der neuesten Studien über die Dogmen, 'die Geschichte, die Gesetze und die Gebräuche der alten Völker , und einer Prüfung einiger vorzüglicher Konjekturen der modernen Kritik über verschiedene Stellen des Mosaischen Gesetzes, so wie mancher theils historischer, theils ritueller und theologischer rabbinischer Traditionen." Dieser vielversprechende Titel enthält zwar keine Uebertreibung. Der Vers, ignorirt aber die einschlägige deutsche Literatur gänzlich; wahrscheinlich kennt er dieselbe nicht. Dafür benützte er die französische und italiänische Literatur um so fleißiger. Er zeigt eine sehr ausgebreitete Belesenheit, und versteht es trefflich, den kabbalistischen Supranaturalismus, zu dem er sich bekennet, in ein günstiges Licht zu stellen. Aber selbst diejenigen, die diesen Standpunkt nicht theilen, werden den mit großer stylistischer Gewandtheit geschriebenen Kommentar mit gespanntem Interesse lesen, und viel Belehrendes und Anregendes darin Fortsetzung in der Leilage. Leipzig, üommisstous-verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ein Viertelbogen Beilage.

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