Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 43 (26.10.1864)
- Date
- 1864-10-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543165--3922-2547833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
859 860 Feier des Gottesdienste» durch den Dorbeter mit L Choristen und L Ehorkindern. Fünfte Klasse: 50 Fr». Beleuchtung durch Leuchter, Tran- Himmel grau, Sitze für 10 Herren und 10 Damen im Chore; Feier des Gottesdienstes durch den Vorbeter mit 2 Choristen. Sechste Klasse: 16. FrS. Feier durch den Dorbeter allein. sfl!d. 3 Feste Peß. יז jScheb., Sukkot 1 I ו 1 11?^iWoche: Mont. <551 unb Donnerst. Frankfurt a. M., 18. Oktober. Ich habe Ihnen über die in öffentlicher Abstimmung der hiesigen Bürgerschaft nunmehr erfolgte staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden nichts berichtet, weil dieses freudige Ereigniß bereits durch die allgemeine Tagespreise genügende Publizität erlangt hat. Dagegen muß die jüdische Presse davon Akt nehmen, wie unsere Romantiker sich durch die Gefahr, das Judenthum öffentlich verspottet und verhöhnt zu sehen, nicht bewegen lassen, dem ׳ Zeitgciste das kleinste Zugeständnis zu machen. Wie bekannt.find unsere Stadtthore nunmehr abgetragen worden, wodurch ein kleiner Theil der ReligionSgesrstfchast, 37 Männer und zwei hochromantische Frauen sich am Sabbath sehr behindert fühlen. Derstoffenen Neujahrslag hielt nun Rabbiner Hirsch eine sehr fulminante Capuzinade über die Wichtigkeit und hohe Bedeutung des ״Nichttragens" dieser מלאכה גרועה , wie sie der Talmud kennzeichnet. Wie wichtig dieses Verbot für die Erhaltung des Judenthnms sei, beweist er daraus, weil unsere Chachamim selbst das mosaische Gebot von Schosar und und Lulab diesem Verbot nachgesetzt haben. (Em Zuhörer drehte den Satz um, und sagte: wie unwichtig mußte unseren Chachamim daö Gebot von S. und L. gewesen sein, daß sie dieselbe» selbst dem Verbot des Tragens nachsetzten.) Seine folgsame und duldende Heerde ließ sich J nun dazu verleiten, bei unserer Staatsbehörde Schritte zu thun, um die Erlaubniß zu erwirken, die ganze Altstadt mit elektrischen Drähten zu umspannen, die mit den an den früheren Stadtthoren aufzustellenden elektrischen Uhren in leitende Verbindung gebracht werden kosten. Die Stadt bekäme dadurch nicht nur symbolisch ihre Thore wieder, sondern durch das elektrische Fluidum sogar noch אשחומות unb bie alte Phrase: die profane Wissenschaft ist die Magd desZudemhums, wäre auch somit neu bekräftigt und bewahrheitet. Interessant ist die Polemik, die in einem sehr achtbaren freisinnigen Lokalblatt von christlicher Seite darüber geführt wird, ob es unserer Zeit und intelligenten Stadt äugemessen sei, solchem religiösen Wahnsinn Vorschub zu leisten. Dagegen wurde mit Recht replizirt, daß das hier herrschende Prinzip der religiösen Freiheit in nichts beregt werden dürfe, so lange solche die StaatSgesetze nicht verletze und dem Staatssäckel keine Kosten verursache. Es ist ein schönes Zeichen der Zeit, daß in dieser Polemik kein verletzendes Wort gegen das Judenthum gesagt, und dieser zur Schau gestellte religiöse Wahnsinn nur dem blindgläubigen Rabbiner zur Last gelegt wird. K. Inland. Fünfkirchen, im Oktober. Vor ungefähr zehn Jahren wurde der Lehrer Fischer iu KapoSvär angestellt. Dieser Mann, in den schönsten ManncSjahren, erglühte für seinen Beruf, war das Glück seiner Schule, der Liebling der Gemeinde, der Wohlthäter der Jugend. Leider traf ihn aber die strafende Hand dessen, dessen Rathschlüsse unerforschlich sind, und in Folge einer fürchterlichen Halsentzündung verlor der Arme seine Stimme, wurde daher zum Lehrer unfähig. Seine, wenn auch nicht große Gemeinde, eingedenk der Verdienste des wackern Lehrers, schickte ihn nach Wien, gab ihm durch zwei Jahre seines Krankseins seinen vollen Gehalt und unterstützte nach Kräften die unglückliche Familie desselben. Ihr löbliches Thun und Leisten blieb leider erfolglos, denn der Unglückliche erlag seinem Nebel. Er starb im vorigen Monate, beweint von seiner Gemeinde , betrauert von seinen Kollegen und all' denen, die den Verewigten kannten. Das größte Unglück jedoch ist, daß der Arme eine kränkliche Frau mit sechs unmündigen Kinde rn hinterließ, die nun leider dem größten Elende preisgegeben find. Die Gemeinde und die Lehrer in KapoSvär, die bis jetzt die größten Opfer brachten, find in Folge der langwierigen Krankheit des Verewigten gegen die unglückliche Familie lauer geworden, und mit Betrübniß sehen nun die Verwaisten den kalten, frostigen Tagen des WinterS entgegen. Ich bin durchdrungen davon, daß du lieber ״Ben Chananja" deinen Beistand diesen Unglücklichen nicht versagen wirst.*) Du bist freundlich genug, etwaige Spenden für die armen Verwaisten in Empfang zu nehmen. Und die Unglücklichen werden des Himmels besten Segen für Dich erflehen. Der älteste Sohn des Verblichenen geht jetzt nach Pest, die dortige Präparandie zu besuchen, wir bitten die Herren Direktoren und Musterhauptschullehrer, sich dieses jungen Mannes auzunehmen. Der Herr, der Witwen und Waisen beisteht, wird alle, die ihre Hilfe dieser Familie zukommen lassen, segnen und beglücken. Zn Betreff des zu erbauenden Tempels haben wir schon einen gezeichneten Plan, für den die Gemeinde begeistert ist. Jeder bestrebt fich, daß wir bald den Tempel aufgebäut sehen. So sind an den zwei NenjahrS- und dem Versöhnungstage nebst den beträchtlichen Geldspenden auch an fünszigtausend Brennziegel und ein schönes Quantum Kalk gespendet worden. Erwähnenswertst ist der fromme Eifer unseres astbeliebten Rabbiners, Herrn Eduard Ehrlich, der in jeder Rede mit Begeisterung von dem Baue des Tempels spricht, unsere opferwistige *) Wir eröffnen hiermit die Subskription zu Gunsten der Lehrerfamitie Fischer mit 10 st. ö. W. Etwaige Spenden werden wir gerne dem Orte ihrer Bestimmung zusühren. Red.