Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 42 (19.10.1864)
- Date
- 1864-10-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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839 840 wird von einem reichen. Manne noch öfter ,-eingesetzt" und mit Frau und Kindern von ihm ausgehalten, wofür erster» weiter nichts zu thUn braucht, als ״Tag und Nacht" zu lernen. — Vieles wurde mir über den ausgewiesenen früher» Rabbiner von Bukarest, Löbusch Malbimj — erzählt. Derselbe soll ein tüchtiger und gelehrter Maun sein und sein Unglück nur seinem sehr bösen Weibe zu verdanken gehabt haben. c) In der Schweiz geht es in jeder Beziehung immer besser. Es bilden fich überall neue jüdische Gemeinden, die größtentheils aus französischen .Juden bestehen, die durch Frankreichs energisches Verfahren dort gleich berechtigt sein müssen, und vom Elsaß in der Schweiz fich niedergelaffen haben. — In den beiden alten Hauptgemeinden Emdi n g en und Leng au wird die Wirksamkeit des bekannten Rabbiners Herrn Kayserling sehr gerühmt. Nun endlich ä) Zu Deutschland. Ueber dieses habe ich aus seinen ver« schiedensten Theilen und Gemeinden auch viel Verschiedenes erfahren. Ich könnte ganze Berichte über einige Gemeinden Baierns, Baden s, Hessen (Darmstadt, Kassel und Homburg), Mecklenburg-Schwerins u. s. w. schreiben. Ich muß dieses jedoch für jetzt unterlassen und find auch die Verhältnisse Deutschlands mehr bekannt. Nur führe ich noch au, daß im Mecklenburgischen die Juden noch kein Grundeigenthum fich erwerben dürfen und daß daselbst in religiöser Beziehung großer Indifferentismns unter den Israeliten herrscht. (Schluß folgt.) Inland. M. Lofoncz, 13. Oktober. Eine Rabbinerin als Friedensver- Mittlerin in einer Synagoge! Weiß die Geschichte der Juden eine solche Erscheinung aufznweisen? Wol schwerlich! Um so verdienter ist die Anerkennung, welche die hiefige Rabbinerin, die Urheberin eines solchen FriedenSwerkes, verdient. Der Rabbiner Singer, den Lesern dieses Blattes als Legist und Stylist vortheilhaft bekannt, wollte in der Kabine, die für ihn in der Synagoge errichtet werden mußte, als Vorbeter fungiren, wodurch unmittelbar vor dem Nöilagebete beinahe ein Tumult in der Synagoge entstanden wäre, Hütte nicht die Rabbinerin die GeisteSgegenwart gehabt, fich ohne alle und jede Anfrage in das Schiff der Synagoge zu begeben, und ihren Gatten zu beschwichtigen . Die edle Frau bewies dadurch, daß der talmudische Spruch, nach welchem der Weibltche Geist nur Probleme des Spinnrockens lösen müsse, auch seine Ausnahmen habe. Aus Dankbarkeit sollte in der hiesigen Synagoge statt des Spruches: ״Die Rabbinen vermehren den Frieden in der Welt" in Zukunft gesagt werden: Nicht die Rabbinen, sondern die Rabbiueritlnen find es, die den Frieden in der Welt vermehren. Den Herrn Rabbiner Singer erlaube ich mir daran zu erinnern, daß fich der Rabbiner, wenn er nur einige Achtung vor dem Profeten Jesajas hat, nicht in eine Kabine verbergen darf; denn Jesajas sagt: ״Nicht länger sollen deine Lehrer sich verbergen, sondern deine Augen werden deine Lehrer sehen." (30,20.) Daß der Herr Rabbiner von seinem Verstecke aus vorbeten wollte, beweist, daß er fich leider mit den liturgischen Vorschriften des Talmuds nicht bekannt gemacht hat, indem er sonst aus der Mischna wissen müßte, daß der Vorbeter עובר לפני התיבה (Berach. 5, 3. 4) sein müsse. Der Herr Rabbiner sollte wirklich in fich gehen, und eine moderirtere Richtung einschlagen. Schreiber dieser Zeilen ist ein Fremder, der die hiesigen jüd. Zustände ganz unbefangen beobachtet hat. Die hiefige Gemeinde enthält so treffliche Elemente, daß man ihr wirklich eine sehr schöne Zukunft profezeien muß. Lofoncz, Anfangs Oktober. Erlauben Sie mir. Ihre in Nr. 39 des ״Ben Chananja" erschlenene Losonczer Korrespondenz dahin zu berichtigen, daß wol die Gitterfrage vorläufig als beendet anznsehen sei, indem der Rabbiner und die von Gyarmath hier gewesene Vertrauens- Kommission vor dem Stuhlrichterumte fich mit der Konzession eines J Versteckes (מחיצה) föt den Herr» Rabbi während der hohen Festtage zufrieden erklärten; daß aber ein Gitter gänzlich wegbleibe , ist unrichtig. Da die. Baukommiffion des Friedens halber gleich im Anfänge der Gitterfrage beschlossen hat, ein 16" hohes Gitter rejpektive eine 4' hohe Brustwehr,? inklufive Gitter anzufertigen, konnte sie jetzt uicht von ihrem Beschlüsse abweichen; ebenso ist die Nachricht von einem Nachgeben unseres Rabbiners in der Trauungsfrage im Tempel mindestens verfrüht, indem unser ehrenwerther Herr Rabbiner ein viel zu starrer Orthodoxe ist, als daß er unaufgefordert eine dem jetzigen Zeitgeiste entsprechende Konzession machen möchte —daß er aber in der Traunngssache bisher vom Vorstande der Gemeinde noch nicht offiziell anfgefordert wurde, ist eine Thatsache, welche ich verbürgen kann. Erlauben Sie mir unter Einem von der Eröffnung unseres neuen Gotteshauses nnd von dem Treiben der kleinen Rabbinerfraktion,.Berichten erstatten. Wie Ihr Korrespondent in Nr. 39 richtig sagt, waren 7 Stimmen für den Rabbiner, d. h. dafür, .daß. das Gitter, verengt und erhöht werden möge , was natürlich nicht geschah. — Allein die RabbinatSpartei setzte alles in Bewegung — unmittelbar nach der Ab« stimmung — daß es dem Rabbi ermöglicht werde, in das neue Gotteshaus zu gehen, weil eigenes Interesse, im Spiele war; denn die Rufe nach Chortempel bei der Abstimmung mögen denn doch etwas unharmonisch in den Ohren des Gyarmather und hiesigen Rabbiners geklungen haben. So kam man auf den glücklichen Gedanken eines ״Versteckes״, was auch gemacht wurde. Fortschritts- und Rückschrittspartei freute sich, endlich der Sache ein glückliches Ende gemacht zu haben, als der Gyarmather Herr Rabbi im, Verein mit dem hiesigen ihren Leuten dringend auftrugen , ja nicht während der hohen Festtage in diesem neuen Tempel zu beten; vergebens riesen die Rabbinianer, warum kann denn unser Rabbiner hineingehen? wir wollen doch auch auf unsern Sitzen beten, und nach so langer Entbehrung des Genusses eines schönen Gotteshauses endlich theilhaftig werden. Nein! vereinigten sich die Rufe der beiden Rabbiner, Ihr seid nicht יוצא. io je »or Gott, besser allein zu beten, als dort, und so mußten fich die wenigen An- Hänger an den Gyarmather Rabbiner wegen Erwirkung eines Minjans während der hohen Festtage wenden. — Dies geschah, indem der Gyarmather Rabbiner bei der KomitatSbehörde vorgab, die Vertrauensko nimiffion hätte noch nicht ihren Bericht abgegeben, und bis dahin möge man in des Rabbiners Wohnung einen unbeschränkten formellen Gottesdienst erlauben. Wie man steht, bleibt diese Behauptung von. der Wahrheit sehr entfernt, denn der Rabbiner als Mitglied der Vertauenskommiffion wußte ja sehr gut, was diese, (wenn auch ohne sein Beisein) beim Stuhlrichter erklärte, und daß fie es auch in seinem Namen that; allein wenn es gilt, etwas auszuführen, glauben die Herren, kann man sich auch unlauterer Mittel bedienen. Der hiesige Vorstand aber erlaubte nur unter der Bedingung das Minjan, wenn die Herren?fich Sitze im neuen Tempel mietheu, oder eine gewisse Taxe dafür erlegten, somit wurde kein Religivnszwang ausgeübt und die Gemeindercvenuen nicht alterirt. Unser schöner Kuliustempel, welcher jeden Beffergefinnten zur Andacht stimmt, konnte leider in Folge der Heuer stattgehabten Gittererziffe nicht ganz anSgebant werden, und so die beabsichtigte feierliche Einweihung vor den Tiichrifcsten nicht stattfinden. Um aber doch den Gottesbinist am Neujahrsfeste abhaltrn zu können, wurde von Seile der Baukommission mit rieflger Anstrengung gearbeitet, und mit Selbstaufopferiing Hand an vrrschiedene Arbeiten gelegt, und so konnten wir am 30. Sept. Abends das erste Gebet im nenerbauten Tempel abhalten. Es wurde keine Einweihung gehalten, und das Ganze hatte auch kein feirrlicheS Gepräge, was absichtlich vermiede» wurde, bis auf die unter der!הופר geschehene Hjortragnng der heiligen Gesetzesrollen und dem Abfingen des Matoiöu-Gebete«, welches vom Vorbeter Kann abgehalten