Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-10-19 · 42 (19.10.1864) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
42 (19.10.1864)
Date
1864-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543164--3910-2547820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

887 838 tigkeit, indem sie anfing, das vorhandene nationale Schriftthum mit forschendem Blicke zu betrachten. Diese Thätigkeit läßt fich wo! kaum bei einem andern Volke in früherer, oder auch nur gleicher Zeit Nachweisen. Wenn auch die Wiege der Buchstabenschrift vielleicht nicht bei den Juden stand, und dieselben nicht die Ersten waren, die schrieben, so waren fie doch jedenfalls die Ersten, welche Geschriebenes erforschten und erklärten. An Schriftwerken hat sich die Eregese zuerst unter den Juden versucht. Ihre geschichtliche Entwicklung während der biblischen Zeit haben wir näher ins Auge zu fassen, um für die Geschichte des Rabbinerthums eine feste historische Grundlage zn erhalten. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. Ausland. L. D London, 5. Oktober. Eine Versammlung des Comon Council von der City wurde für morgen zusammenberufen, damit der Lordmayor an Sir Moses Montefiore die Dankadresse über« reiche, welche in der Versammlung vom April d. Z. angenommen wurde. Diese Dankadresse, auf Pergament kalligraphisch geschmückt und eingerahmt, spricht die Gefühle der Korporation aus für die auSgezeichneten Dienste, welche der ehrenwerthe Baronet der Menschheit leistete durch seine Reisen, die derselbe in viele Länder unternommen hat, um denjenigen, welche für religiöse Ueberzeugung Unterdrückuug leiden, Erleichterung zu verschaffen, ganz besonders aber durch die jüngste Reise nach Marokko, wo derselbe von Seiner kaiserliche» Majestät dem Kaiser dieses Landes auswirkte, daß die jüdischen und christlichen UnterthaneN desselben aller zivilen und religiösen Beschwerden enthoben fein mögen. Trier, 20. September.*) Ich fahre mit den früher« Rubriken fort. 7) Ich würde den Herren Redakteuren von jüdischen Wochen« und Zeitschriften anrathen, sich jährlich an einen von jüdischen Gästen stark besuchten Kurort — die meisten derselben find es ja (!'. B. CH. Nr. 36) — zu begeben, wo fie selbst die authentischsten Berichte über die religiösen Zustände sehr vieler jüdischen Gemeinden in den verschiedensten Ländern erhalten würden. — Die meisten Berichte der Berichterstatter von Profession find doch immer mit der Farbe der Richtung, welcher fie huldigen, stark geschminkt; dagegen theilen die Privaten die Zustände ihrer Gemeinden so ganz unbefangen (משיח לסי תומם) ««& treu der Wahrheit gemäß mit. Das Wichtigste von dem, was mir aus meinen Unter- Haltungen mit den verschiedensten Personen in EmS noch im Gedächtniß ist, will ich Ihnen für den ״B. CH." noch jetzt mittheilen. a) Zn Frankreich, Belgien und Holland, den Ländern, in welchen die Israeliten schon seit vielen Jahren vollkommen emanzipirt find, — soll! in Bezug aus deren innere KultuSverhältniffe noch sehr Vieles zn wünschen bleiben. In beiden ersten Staaten ist der. jüdische Kultus durch gesetzliche Bestimmungen schon lange geregelt, vom Staate anerkannt und wird er auch ans Staatsmitteln unterh.ilte», gleich den übrigen Kulten. Dessen ungeachtet beschränken sich die Verbesserungen in dem inner« Knltns, vorzüglich des Gottesdienstes, nur aus einige Aeußerlichkeiten und diese auch nur auf einige größere Gemeinden, während in den vielen andern noch alles bei der alten Unordnung geblieben ist. Esmüßten sonst die Tarife für Trauungen in der Synagoge zu Paris nach 6 Klaffen und einer noch außer« ordentlichen Srtra-Klasse von 1500—15 Fr., nach welchen verschiedenen Zahlungen sich auch der Pomp, mit welchem eine Trauung, umgeben wird, richtet, ferner für die Leichenbegängnisse, ja selbst für die Mikwa und endlich die Mizwoth, von welchen jede einzelne am 100 ר׳ה ויו7כ Fr. kostet, — als erhebliche und lobenswürdige Neuerungen gellen. — Mit vollem Rechte wurden diese aber in einem Artikel aus Paris in Nr. 32 d. Z. d. Z. scharf gerügt und als solche^ die gegen die schönen alten Sitten der Juden verstoßen, geschildert.— Mehrere französische Israeliten, die ich hierüber sprach, äußerten ihren innigsten Beifall dieser so scharfen und gerechten Rüge gegen diese Unfitte. Ich erfuhr schon früher, daß bei Trauungen in Paris, wo viele derselben an einem Tage nacheinander i» der Synagoge stattfindem sich öfter« der verwerfliche, jedes Ehrgefühl tief beleidigende Fall ereignete, daß die Lichter, die bei einer Trauung angezündet waren, bei der ihr unmittelbar nachfolgenden ausgelöscht wurden, weil diese zu einer gering,rn Klaffe gehörten; — wo bleibt hierbei die schöne Anord« nung unserer Weisen: כרי שלא?בייש? wie kann der 6rauä Rabbi des Zentral-Konfistoriums, der doch noch neulich sich den Ultras in Ihrem Lande beigesellt und angeschloffen hat, solches zugeben gegen Gesetz, Recht und heiligen Gebrauch in ganz Israel?? Da ich die ausführliche Tabelle im וה לשנת תרכ״ה?, herausgegeben von A. Ben Baruch Crehange, in welchen sich die beiden Tarife für die Trauungen und Mizwoth befinden, besitze — (ich wollte schon längst i׳.n B. CH. hiergegen auftreten), so will ich als Kuriosa Ihnen diese in der Uebersetzung mittheilen, die hier als Note') folgen. Vielleicht, daß hierdurch die einfichtSvollern Herren in Paris, und vorzüglich die weltberühmten Herren Munk, Frank (find beide Mitglieder des Zentral-Konfistoriums) Erömieur und Albert Kohn diese Unsitte abzustellen sich bemühen. In Holland herrscht bekanntlich noch die alte Unordnung beim Gottesdienste in ihrer krassen Gestalt. In der Synagoge zu Amsterdam mußte zwar der Vorstand wegen der traurigen Geschichten durch den Rabbiner Chronik in der Zulassung von einem Choralgesange dem dortigen bessern Theile vor einigen Jahren eine Konzession machen; ich habe aber durch eigene Anschauung wahrgenommen, daß dessen ungeachtet die Schreier, Lärmer und Schwätzer rc. nach wie vor dieselben geblieben find. Viele der gebildeten und religiösen Aschkenafim besuchen daher den Gottesdienst in der großen portugiesischen Synagoge, in welcher größere Ordnung und mehr Ruhe vorhanden ist., Jedoch ist auch dort kein Fortschritt wahrzunehmen und fand ich alles zu monoton. Die Portugiesen kleben auch hartnäckig an ihren veralteten Gebräuchen , so nimmt das sogenannte Memoren an gewissen Sabbathen kein Ende und ist es noch nicht lange her, daß in ihrer Synagoge in spanischer Sprache von Zeit zu Zeit gepredigt wurde, obgleich Niemand mehr dieselbe verstanden hat. Die holländischen Rabbinen sind nicht Schuld an den Miß« und Uebelfländen in Gemeinde und Synagoge, da solche dem Vorstande subordinirt und daher von diesem abhängig find. Mancher einsichtsvollere^ Rabbiner beklagt dies daher auch von ganzer Seele. Nur könnten und sollten die Bessern uud EinfichtSvolleren größere Thätigkeit. Energie und Willenskraft zeigen. — Es sollen jedoch, wie mir ein sehr intelligenter und auch in den jüdischen Wissenschaften erfahrener Beamte (Prokurär und Israelit) mittheile, günstigere Ausstchtcn zum Befferwerden vorhanden seien, was wir im Interesse des.ZudenrhumS vom Herzen wünschen. b) In Polen und den Donaufürstenthümern befinde» sich die kultuellen Zustände fast noch ganz ausschließlich in den mittelalterlichen Zuständen, und ist keine Spur von Fortschritt vorhanden. Es wird auch noch, wie früher, viel Talmud gelernt, ohne Plan und einen andern Zweck, als nur zu lernen. Mancher feine Bochur *) Die Tabellen folgen in der nächsten Nummer. ") Durch Zufall verspätet. Red. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.