Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 42 (19.10.1864)
- Date
- 1864-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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836 stabenschrift unentbehrlich.'°) Häufige Veranlassung zum Schreiben gaben dte sorgfältig geführten Geschlechtsregister (ססר היחש Neh. 7, 5), von denen ein nicht unbeträchtlicher Theil in der Bibel niedergelegt ist. Die Worte: ״Sie sollen ausgelöscht werden aus dem Buche der Lebenden und mit den Gerechten nicht ausgezeichnet" (Pf. 49, 29), deuten darauf hin/ daß dte Lebenden, wol die Neugebornen, in ein Buch eingetragen, und die Verstorbenen ausgestrichen wurden. Daö hohe Alter dieser Sitte beweist das Gebet MoseS, welches von einem derartigen Buche in metaforischem Sinne spricht: ״Und nun vergib ihnen ihre Sünde; wo nicht, so lösche mich aus dem Buche, das du geschrieben hast." (2 M. 32, 32.) Die talmudische Haggada dachte sich unter diesem Buche ein himmlisches Buch, worin merkwürdiger Weise neuere christliche Mystiker mit ihr übereinstimmen. Aben Esra deutet die Worte astrologisch: ״das Buch der Sterne, in welchem die Geschicke der Menschen eingetragen sind." 5יי) Da oriental. Fürsten die Namen derer, die sich um sie Verdienste erworben hatten, in ein Buch eintragen ließen, reden die jünger» biblischen Bücher auch von einem göttlichen Gedenkbuche. Was Könige wirklich thaten, wurde auf den König aller Könige in bildlichem Sinne übertragen. So Maleachi 3, 16.: ״Da beredeten sich die den Ewigen fürchten unter einander, und ein Gedenkbuch ward vor ihm geschrieben für die, die den Ewigen fürchten und seinen Namen achten." Der Psalmist spricht auch von der die Zukunft umfassenden Allwissenheit Gottes unter dem Bilde eines Buches, in welches die Tage des Menschen eingetragen werden, bevormoch einer.derselben war (139, 16.) Noch erweiterter erscheint das Bild im Danielbuche, wo das ״Buch der Lebenden" gleichsam zu einem Archive menschlicher Handlungen und Schicksale wird, welche bei den Gerichten Gottes aufgeschlagen werden (7, 10. vrgl. 12, 1.) Für einzelne dieser Bilder lassen sich allerdings auch in anderen, selbst von der Bibel gänzlich unabhängigen Literaturen Parallelen anführen. Auch die Griechen ertheilten dem Zeus die und sie sagten: ״dyQarfr! iv J16g ddiroig.״ Allein abgesehen davon, daß diese Bilder bei den Griechen viel jüngern Ursprungs sind, als bei den Hebräern, ist hier nicht eine einzelne Metafer, sondern das ganze Ensemble charakteristischer Thatsachen in Erwägung zuziehen. In dem Fönizischen Sprachschätze, den man kennt, und der daß es schon im biblischen Altertkmme eine dovvelte hebräische Schrift gab; eine gemeine,- Zedeyi lesbare, und eine heilige Priesterschrift; dieser Schluß wurde aber, da sich für das Vorhandensein einer zwiefachen Schritt sonst kein Zenguiß findet, mit Recht fasten gelassen. Die Frllärnug Perchon'S zu dieier Stelle verdient ibrer Seltsamkeit wegen angeführt zu werden: □וכחוב עליו בחרט אנוש פ־ קולמוס האר כינוי לתשמיש המיטה כלו׳:ציור תינוק■ במעי אמו »5) 4 M. 5. 23; 5 ®. 6, 9,1. 20. 17. 18.24. 1.3. 27.3.8. "י) Nosch ha.Schana 16. b. Baumgactuer'S Koinmentar 2, 108. A. F: ׳׳zur Sl. in dem vor Kurzem erschienenen Wörterbuchs von Dr. M. A. Levy vorliegt, findet sich kein Synonym zu כתב, wiewol in den Inschriften gewiß Gelegenheit zum Gebrauche eines solchen vorhanden war. Die Einführung der Lautschrift inS tägliche Leben stammt bei den Juden aus früher Zeit. Sie besitzen seit Moses geschriebene Gesetze. Die Proseien und die heiligen Dichter setzen die Bekanntschaft mit der Lautschrift voraus, und geben sich zum Theil ansdrücklich als Schriftsteller zu erkennen. Alles dies berechtigt zu der Annahme, daß sich in Israel, wie die Schrift und die Schriftstellerei, so auch das Studium des Geschriedenen frühzeitig entwickelt haben wird. Darauf deutet denn auch das Sinnen über daö Gesetz, wovon schon in der Schrift geredet wird (Jos. 1, 8. Ps. 1, 2.) Im letzten Jahrhundert des ersten Tempels muß das Studium des nationalen Gesetzes schon ziemlich weite Dimensionen angenommen haben, da Jeremias nicht nur gegen Gelehrtenstolz ankämpft, sondern auch gegen trügerische Schrifterklärung: ״Wie möget ihr sagen , gelehrt sind wir, und daS Gesetz des Ewigen haben wir inne? Aber siehe, zum Truge hat es gemacht (oder hat gearbeitet) der trügerische Griffel der Schriftsteller. Zu Schanden werden die Gelehrten, sie erschrecken und werden gefangen; siehe, das (durch den Profeten verkündete) Wort des Ewigen haben sie : verworfen, und welcherlei Gelehrsamkeit haben sie (Jer. 8, 8. 9)?" Hieronymus sieht sich durch diese Profetische Polemik in ganz andere Zeiten versetzt und sagt anachronistisch;..״Ad: scribas loqaitur et pharisaeos, qui legis jactant notitiam et scribenies scribunt iniquitatem!“ Wir haben in dem angeführten Schriftverse das Wort סופרים mit ״Schriftsteller" wiedergegeben, weil ספר, in soferne es mit כתב sinnverwandt ist, sich von letzterem darin unterscheidet, daß dieses das mechanische Schreiben bezeichnet, jenes aber dem Begriffe des Konzipirens entspricht. So schon Meyer: DaS Partizipium סיפר bezeichnet nicht sowol den, der Buchstaben eingräbt (כתב), den Schreiber, als vielmehr den Schriftsteller, Schriftverfasser, daher als Beamten den Staatssekretär." (Wrtrb. 202.) Zu einer eigentlichen verbalen Form ist ספר in der Bedeutung von Schreiben nicht gelangt. Die mechanische Thätigkeit des. Schriftstellers wird mit כתב bezeichnet; in soferne derselbe das von ihm Geschriebene auch verfaßt, heißt er Sofer. Die Worte כשוני עט ספר מהיר Ps. 45, 2. erhalten erst einen befriedigenden Sinn, wenn man sie sprachrichtig übersetzt: ״meine Zunge sei der Griffel eines gewandten Schriftstellers!" Die Gelehrsamkeit, welche ursprünglich einen rein menschlichen Standpnnkt einnahin, und der Natur und ihrem Schöpfer, der Menschenwelt und ihren Erscheinungen, dem Leben und seinen Aufgaben zugewendet war, erweiterte im letzten Jahrhundert des ersten Tempels den Kreis ihrer Thä-