Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-10-12 · 41 (12.10.1864) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
41 (12.10.1864)
Date
1864-10-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543163--3904-2547813
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

827 828 sterhaft gehandhabten Rhetorik, daß ich in mir selbst erstaunt, mich fragte: habe ich einett unvollendeten Jünger, oder einen durch vieljährige Uebung geschulten und vollendeten Prediger vor mir? — Kein blumenreicher Wortschwall, keine bombastische, vou Gemein- Plätzen strotzende Phrasendrescherei, kein glänzender, den unwissenden Pöbel blendenden Flitter, womit man sehr oft in einer sehr großen Gemeinde Ungarns bis zum Uebermaße malträtirt zu werden pflegt, war es, was man zu hören bekam; nein! es war das Produkt eines durchgebildeten Geistes, es war eine Predigt iu der höchsten Bedeutung des Mortes, es war echtes, gediegenes Gold! Glücklich jene Gemeinde, welche diesen gefinnungStüchtigen jungen Gelehrten zum Seelsorger befitzen wird! Möge es uns jedoch Mt unserm jungen Herrn Nascher nicht so ergehen . wie eö uns mit mehreren unserer ausgezeichnetsten Landeskindern erging, welche uns das Ansland entrissen hat, so nahm uns in jüngster Zeit Posen unfern Dr. PerleS, so nahm uns Prag unfern Dr. Hübsch, so Juowrazlaw unfern Pollak; — das Scheiden des Hrn. Dr. Hirschfeld>us Fünfkirchen und dessen Auswanderung nach Augsburg ist noch in unserer Aller schmerzlichen Angedenken, und in Grmanglnng eines eigenen LandeS-SeminarS bat sich hier wiederum das für das ungarische Judenthum leider so schädliche Jmportalions- System eingeschlichen, in Folge dessen manche mitunter auch sehr bedeutende Gemeinden Rabbinen erhalten, welche in ihrer Heimat ganz bedeutungslose Stellungen einnahmen: Rabbinen mit oberflächlichen talmndischen Kenntnissen, Rabhinen, welche unsere Berhältnisse nicht kennen und nicht kennen wollen, und in Folge tiefer Nnkenntniß unberechenbaren Schaden dem heimischen Judenthume beibringen. 2s.... KapoSvär, Anfangs Oktober. Die Vollendung der hiefigen Prachtsynagoge, die ihrer tnnern und äußern Schönheit nach nur selten ihres Gleichen findet, wurde, da der Ban derselben blos durch eigene Mittel der Gemeinde bestritten wurde, natürlicher Weise ein wenig verzögert. Um so größer war nun die Freude, als es hieß: der Tempel werde noch vor ר״ה eingeweiht werden Eine mächtige Aufregung wurde in der ganzen Gemeinde fühlbar; Männer, Frauen und Mädchen wetteiferten in dem Bestreben, zur Verherrlichung des Tempels beizutragen. Alle Blumen, welche nur die Flora von KapoSvär hervorbringt, wurden herbeigeschafft, um den Tempel zu dem 23. September, an welchem Tage das Einweihungsfest gefeiert werden sollte, auszuschmücken; die christlichen Gärtenbefitzerinnen beraubten bereitwillig ihren Garten seines lieblichen Herbstschmuckes, um Blumen und Zierpflanzen zur Zierde des israelitischen Tempels zu spenden. Am 23. Mittags schon mußten alle Zugänge zum neuen Tempel bewacht werden, so massenhaft fand fich schon jetzt daS neugierige Publikum ein; aber erst um 4 Uhr Abends begann laut des Festprogramnies die Zeremonie mit dem Abendgebete im alten Tempel. Der Zudrang zu demselben war so mächtig, daß es unmöglich'war, den geladenen Gästen allen, die erschienen, Eingang und Platz zu verschaffen. Der hiesige Rabbiner, Herr Salomon Kutna, hielt eine Rede, in welcher er von dem alten Tempel Abschied nahm, die alle Zuhörer kies ergriff. Während dessen füllte fich der große festlich geschmückte Hof deö neuen Tempels mit noch mehr Gästen aus allen Klassen und Spitzen der hiesigen Bevölkerung und der der Umgegend; keiner der geladenen Gäste, außer der Herr Obergespan unseres KomitateS, der entfernt von hier auf seinem Gute weilte und der in einer eigenen freundlichen Znschrift an den Vorstand der israelirischen Gemeinde — die ich unten ihres schönen Inhaltes wegen wörtlich gebe — sein Bedauern über sein Nichterscheinenkönnen aussprach, wurde vermißt. Der gefeierte Redner und Schriftsteller, Herr Paul von Somsich, alle Militürchargen, der ganze Klerus von hier, die KomitatS- und Stadtbehörde, die Elite der Bürgerschaft, alle erschienen zu dem schönen Feste. Nachdem die Zeremonie im alten Tempel beendet war, begann der Zug von dem alten in den neuen Tempel. Voran ging zur bessern Ordnung Militärwache, ihr folgten 20 Paare weißgekleideter Mädchen aus der Mädchenschule, ihnen fosgten die Knaben aus der Knabenschule und hinter ihnen der Kantor mit dem Chore, welcher den 122. Psalm in erhebender Weise absang, zuletzt die reich verzierte ׳חסה unter welcher der Herr Rabbiner und die ältesten der Gemeinde dierV'D trugen. Augelangt auf der Terrasse des Tempels hielt bei Gelegenheit der Urbergabe des Schlüssels eines der Mädchen eine Ansprache an den zeitgemäß gebildeten Vorsteher. Herrn Anton Königsberger, Sohn des berühmten sei. Rabbiners zu Steinamanger, welche der Herr Vorsteher in sehr passen- Len, gehalt- und weihevollen Worten erwiederte.« Hierauf wurden vom Chore nnrer Musikbegleitung die vier letzten Verse des 24. PsalmeS abgesungen und der' Tempel vom benannten Herrn Vorsteher geöffnet. Der Zudrang zu den Tempelräumen war so stark, daß trotz aller Vorsicht und aller Wachen beide Tempelräume überfüllt von Menschen waren. Nachdem von dem Chore ׳מה טבן und die üblichen Pieren beim Umzuge des Altars mit den rV'D abgesungen wurde, bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel und hielt eine sehr gediegene, gehaltvolle Rede, zu deren Schluß er in erhebender Weise den Segen vom Himmel erbat für daS erlauchte Kaiserhaus, für das theure Vaterland und seine hochherzigen Bewohner, für daü Komitat Somogy und dessen Obrigkeit, für die Stadt KapoSvär und ihre Einwohner, für den wackern, um den Tempel und die Schule hochverdienten Herrn Vorsteher Anton Königsberger und für die ganze israelitische Gemeinde. Nach Beendigung dieser Rede reichte Herr Paul von Somsich dem Rabbiner die Hand mit den Worten: ״Ich danke Ew. Hochwürden für den geistigen Genuß, den ich heute empfunden habe. Dieser Tag wird ewig ein schöner, denkwürdiger Tag meines Lebens sein." Auch der Klerus und die Offiziere dankten Herrn Rabbiner in ähnlicher Weise. Kurz, der Eindruck des Ganzen war im Allgemeinen so mächtig, daß die Begeifterung den Musen die lieblichsten Kinder entlockten; gebildete christliche Damen schrieben die empfundenen Gefühle in weihevollen Gedichten nieder; auch die Prosa äußerte sich in den Worten: Ich war so von Andacht ergriffen, daß ich aufs Knie hätte fallen mögen. Samstag am 24. hielt Herr Rabbiner in dem von Zuhörern vollgepropsten Tempel — denn es haben fich eine große Menge von Gästen aus der ganzen Gegend hier eingefunden — wieder eine sehr gute Predigt, die allgemein gefiel und Sonntag den 25. stattete eine Deputation der Gemeinde mit dem Vorsteher an ihrer Spitze dem Herrn Rabbiner ihren Dank ab, ihm einen sehr werthvollen silbernen Armleuchter überreichend, bei welcher Gelegenheit Herr Anton Königsberger eine Ansprache hielt, die alle Anwesenden zu Thränen rührte. Möge dieser Geist der Gemeinde ewig erhalten werden, daß sie fich immer zu ihrer eigenen Ehre und zur Ehre der Judenheit entwickeln möge. Jakob Lichtenfeld. Brief deö Herrn Obergespans des Somogyer KomitateS an die israelitische KultnSgemeinde zu KapoSvär. An die Vorstehung der ehrsamen isr. Kultusgemeinde u. s. w. Indem ich für die freundliche Einladung zur GröffnnngSfeierlichseit des neu erbauten israelitischen Tempels hiermit meinen aufrichtigsten Dank ausspreche und gleichzeitig mit wahrem Bedauern eröffne, daß ich derselben wegen meiner Abwesenheit von KapoSvär nicht beiwohnen konnte, kann ich nicht umhin , diese Gelegenheit zu ergreifen, der ehrs. Gememde meine herzlichen Glückwünsche ob der Vollendung eines Werkes anszusprechen. daS, indem es ein ebenso erhabenes, als bleibendes Denkmal deö religiösen Sinnes Ihrer Glaubensgenossen das Andenken der jetzt lebenden Gemeindeglieder verewigt, gleichzeitig allen übrige» Konfessionen ein hehreS und nachahmungswürdiges Beispiel des GemeinfinneS, der Ausdauer und der Opferwilligkeit bietet, und neuerdings unwiderleglich beweiset, daß fester Wille und Thatkraft alle Hindernisse zu überwinden im Stande sind, zumal dort , wo das Werk mit Gott begonnen und zur Ehre Gottes beendet wird. Visovlje, am 24. September 1864. Der Obergespan des löbl. Somogyer KomitateS: Karl v. Märei. p. Erlau, Anfangs Oktober. Wiewol unser Rabbiner Weiß von der höchsten Stelle in sein Amt eingesetzt würde, und sein Nachfolger Goldzieher weichen mußte,, wünscht ersterer, da seine Stellung eine höchst peinliche ist, dennoch, seine Angelegenheit durch einen Rabbiner geschlichtet zu sehen. Der Rabbiner Löv in Ujhely, dessen Intervention er anrief, wies dieses Ansinnen zurück, da in dem bezüglichen Allerhöchsten Reskripte die Einmischung eines fremden Rabbiners ausdrücklich untersagt ist. ף. Miskolcz, 5. Oktober. Die Nachricht, daß die VerhandlungSakten, welche die Seminarfrage zum Gegenstände haben, dem Redakteur des ״Ben Chananja" zur Prüfung und Begutachtung vorgelegt wurden, hat in den Reihen der Orthodoxen einen panischen Schrecken hervorgerufen. Dr. Hildesheimer hat zwei Sendboten znm h. Hillel nach Szikßü entboten, um eine abermalige Rabbinerversammlung zu bemerkstelligen. Die Rabbiner zu Szäntü, Kälü, St. Peter und Andere sollen bereits ihr Erscheine» bei der Versammlung zugesagt haben. Hoffentlich wird es mir gelingen, Ihnen am Orte der Versammlung einen zuverlässigen Brichterstatter zu gewinnen. P. Lipnik-Biala, Anfangs Oktober. Von dem verdienstvollen hiesigen Religionglehrer Freund ist ein kleines Heftchen sehr lesenöweither hebräischer Gedichte erschienen. W Aus dev Karpathengegend, (von Preßburg bis Tyrnau), Anfangs Oktober. Herzlichen Neujahrsgruß dir, wackerer Kam- Pfer für jüdische Interessen, herzlichen Gruß dir ״Ben Chananja"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.