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Ben Chananja · 1864-10-12 · 41 (12.10.1864) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
41 (12.10.1864)
Date
1864-10-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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829 830 zu dessen Berichterstatter ich mich hiermit empfehlen möchte. Herzlichen Gruß auch den freundlichen Lesern dieses Organes, deren Nachsicht und milder Kritik ich meine Beiträge empfehle! Der Tod hat in dem eben abgelaufenen Jahre in den jüdischen Gemeinden seinen Tribut gefordert, und haben im Preßburger Komitate mehrere jüdische Seelsorger das Zeitliche gesegnet. Der ehrwürdige Oberrabbiner zu Preßburg, Prediger Fischmann daselbst und der Rabbiner zu Karlburg, Herr Naftali Sofer, Bruder des Halaser Rabbiners, der die jüdische Literatur durch einen ״Jalkot Glieser" bereichern zu müssen glaubte, hielten Trauerreden. Rabbiner Naftali erlaubte sich bet dieser Gelegenheit, sich gegen die deutsche Predigt des Herrn Fischmann auszulassen; und das sollte ihm übel bekommen! Ja warum achtet auch Rabbi Sofer Mannheimer, Jellinek, Brüll höher, als Herrn Fischmann? Weiß etwa Herr Rabbiner Sofer nicht, daß Herr Fischmann, obwohl deutsch redend, dennoch in deutscher Sprache mit heiliger Begeisterung für ״dichte Vorhänge" zur Weiberschule in die Schranken trat? Weiß er niDt, daß Herr Fischmann Ascher jozar Becken in den Lehrschulen anbringen läßt? Weiß er nicht, daß Herr Fischmann den Spaziergängern am Sabbath □נטילת ידי und ג׳ סעודות empfiehlt? Und doch war er ihm Gegenstand des Angriffes! Rabbi Sofer mußte dafür schwer büßen und sucht sich jetzt in einer Broschüre unter dem Titel Matteh Naftali zu revanchiren. Ich kenne den Inhalt dieser Flugschrift noch nicht, doch das weiß ich, daß Herr Prediger Fischmann mit der Frage der Vorhänge total Fiasko machte. Wollte nun Herr Fischmann die Aussichten der in der großen Synagoge Betenden verschleiern, so hat der ehrwürdige Herr Oberrabbtner S. W. Schreiber den Schleier der Gemeindezustände PreßburgS bedeutend gelüftet. Er hat in seiner Rosch Haschanah-Predigt das ungerechte Benetzmen der Schulkommiffion gegen die Lehrer, welche schon seit 14—15 Monaten keinen Gehalt bekamen, gerügt, aufgefordert, die Lehrer zu befriedigen, und erklärt, keinen Gehalt für sich nehmen zu wollen, bis die Lehrer befriedigt sind! Dies soll dem ehrwürdigen Oberrabbiner sehr verübelt worden sein. Die repartirten Gelder gehen in der Preßburger Gemeinde sehr spärlich ein; man verlangt gedruckte Ausweise, zu Jedermanns Einsicht über die Verwendung der Einkünfte der Gemeinde, sowie über die Verwendung von 2800 fl., welche die Gemeinde aus der städtischen Kommunalkasse erhält; dann dürste man wol geneigt sein, die Lasten der Gemeinde zu tragen. Man will aber keine Willkür unterstützen. In der That melden sich auch zwei Lehrer nach.Tyrn.au, wo für. drei Lehrer Konkurse ausgeschrieben sind, und soll die Wahl vorzüglich, Herrn G. begünstigen, welcher bereits in Tprnau Lehrer war. — Hiermit schließe ich mein erstes Debüt, auf die Nachficht der Leser hoffend. Ich hoffe aber auch, daß mich die Betreffenden von Preßburg bis Tyrnau nicht verrathen werden, damit weder in jübischer noch in deutscher Sprache ein Bann über mich geschleudert oder ein Matteh Naftali geschwungen werde. (Ich bitte, mir die in diesem Briese genannten Brochüren gefälligst zukommen zu lassen. Red.) Böhm. Leipa, 24. September. (Einweihung des neuen Tempels.) WaS auch eine kleine Gemeinschaft vermag, wenn es ihr um ein Unternehmen Ernst ist, haben die hiesigen Israeliten gezeigt, die aus eigenen Mitteln in der Zeit von achtzehn Monaten hier einen Tempel errichtet haben, der nun eine wahre Zierde der Stadt bildet. Gestern erfolgte die feierliche Einweihung des vollendeten Baues. Schon Tags vorher hatten sich die Häuser der umliegenden Gassen mit frischem Grün geschmückt und Fahnen über Fahnen flatterten ans den Fenstern. Ein Ständchen der Schützenmufik, das Abends dem Vorstande der Jsrae- Uten, Herrn Zinner, und dem Baukomitö zum Zeichen der Anerkennung ihrer um den Bau erworbenen Verdienste gebracht wurde, bildete das Vorspiel zu dem Feste, das am Freitage Nachmittag seinen Verlauf nahm. Vom provisorischen, Tempel im alten Schlosse bewegte sich der Festzug mit den Thora-Rollen durch die Schloßgaffe nach dem neuen Tempel, an dessen Hauptpforte die Ceremonie der Schlüffelüberreichung stattsand. Mit Bereitwilligkeit hatten die Turner die Aufgabe übernommen, freie Bahn zu halten. So ausgedehnt die Räume des Tempels find, , so waren sie doch in wenig Augenblicken von der gedrängten Menge ausgefüllt. Den zahlreichen, geladenen Gästen hatte man mit Zuvorkommenheit die Sitzplätze angewiesen. Unter den Gästen bemerkte man die. Grafen Kinöky von Bürgstein und den Direktor von Neuschloß als den Vertreter des Grafen Kaunitz, welcher letzere bei der Lieferung des Bau- Materials sich wesentliche Verdienste um die Ausführung des Tempelbaue» erworben hat. Außerdem waren die Spitzen der hiesigen weltlichen Behörden, der Bürgermeister und die Stadträhe, sowie Repräsentanten des Schützenvereines u. s. w. anwesend. Der Kreisrabbiner von Teplitz leitete die Feier. Zum ersten Male begleiteten die Töne der Orgel die Gesänge der israelitischen Gemeinde. Herr Musikdirektor Skcany von Prag, der zur Festfeier den 122. Psalm komponirt hatte, spielte die Orgel und der GesangSvcrein ״Harmonia" der ans dem Chore aufgestellt war, sang mit anerkennenSwerther Trefflichkeit jene Lieder und Psalmen, welche die weihevolle Handlung, wie das Anzünden des ewigen Lichtes, den Umzug mit den Thorarollen, das Oeffnen der h. Lade und das Einsetzen der Gesetzesrollen zu begleiten hatten. Unter den Gesängen hob sich besonders die Festhymne hervor, eine von dem israelitischeu Lehrer Herrn Schreiber verfaßte und vom Herrn Rektor Czerniczky komponirie Kantate. Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Bäckh, hielt die Festrede, die reich an sinnigen Deutungen und von dem Geiste edler Humanität durchweht war. Den Schluß der Feier bildete das Gebet für Se. Majestät den Kaiser und die Volkshymne, in die alle Anwesenden mit einstimmten. Abends waren die Häuser in dem israelitischen Stadttheile illuminirt und heute findet in dem Saale zum ״Herzog von Reichstadt" ein großer Festball statt. Es erübrigt uns noch zu sagen, daß der Plan des neuen Tempels vom Neuschlosser Jngenienr Herrn Goldbach entworfen und der Bau vom Herrn Baumeister Poffelt ausgeführt worden ist. Die Kosten kamen zumeist durch freiwillige Beiträge der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde zusammen. Die Lizitation der Sitze im Tempel allein ergab eine Summe von über 12,000 Gulden. Einzelne Sitze wurden mit mehr als 500 Gulden erworben. Demnächst soll auch der Bau einer israelitischen Schule in Angriff genommen werden, und es ist nicht zu zweifeln, daß bei der rühmlichen Ovferwilligkeit der hiesigen Israeliten, die in allgemeinen Angelegenheiten als Mnster ausgestellt werden könnte, auch dieses neue schöne Projekt zu einer glücklichen Realisirung gelangen wird. Berichtigung. In der Beilage zur vorigen Nummer dieses Blattes sind durch einen unliebsamen Zufall in der Zusammenstellung des Artikels die Szegediner isr. Hauptschule mehrere den Zusammenhang störende Versetzungen einzelner Absätze vorgefallen, sowie auch der unmittelbar darauf folgende Aufsatz von dem Referate getrennt, und der Anfrage angereiht hätte erscheinen sollen; ebenso haben sich , auch einige Druckfehler eingeschlichen, nämlich: 1. Col. Anfangs des Artikels Z. 12 eingehender statt eingehendere, 2. Col. Z. 14 von oben auf den statt auf dem Z. 22 vou oben Wir kungeS statt Wirkung es 3. Col. Z. 6 von oben mit schwierigsten statt sch wieriger en 4. Col. Z. 30 von oben in statt vom, wofür die Nachsicht des geneigten Lesers in Anspruch genommen wird. Bemerkungen. Die zurückgelegten Korrespondenzen erscheinen in der nächsten Nummer. — Die Worte ״Fortsetzung folgt" sind nach' dem ersten Anssatze von DukeS in der vorigen Nummer zu lesen. Inserat. Vor kurzem ist erschienen und kann durch jede solide Bnchhandlung bezogen werden: משנן לשון עברי׳■ Kleine Schulgrammatik der hebräischen Sprache für die Hand der Schüler in Volks- und Hauptschuken- Vou M. Ehrentheil, Religions- und Hauptschullehrer. — Preis: asES Nkr. Diejenigen Herren Lehrer,, die ihre Bestellungen unmittelbar bei Herrn Schulldirektor Sigmund Ko hu in Arad machen, erhalten das Eremplar mit nur 25 kr. -HW berechnet, wobei ihne jede beliebige Anzahl von Eremplaren ans einfache briefliche Bestellung sofort bereitwilligst effektuirt wird. Die Einsendung des Betrages kann nach erfolgtem Absätze geschehen. (1 — 2) Szegedin, Selbstverlag der ttcdaktiou. Leipzig, Lommisfious-Verlag von Frau; Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.

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