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Ben Chananja · 1864-10-12 · 41 (12.10.1864) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
41 (12.10.1864)
Date
1864-10-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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820 8* *9 Statistik bet Iubea in Wmeit. Mähren mib Schlesteu im Fahre 175%. Von G. Wolf. Die Statistik spielt in unserer Zeit eine große Rolle, und es ist nicht zu leugnen, daß Zahlen eine überzeugende Beweiskraft haben. Es ist nun keine Frage, daß eS von großem Interesse ist, die Bevölkerungsverhältnisse kennen zu lernen und zu ermitteln, in welchem Verhältnisse die jüdische zur christlichen Bevölkerung jetzt steht und in früherer Zeit stand. So leicht es jedoch ist, sich über die Bevölkerungs- Verhältnisse in unserer Zeit zu belehren, so schwer fällt es, aus älterer Zeit etwas zu erfahren. Abgesehen davon, daß man früher diesem Momente wenig Rechnung überhaupt getragen*), so gedachte man der Juden um so weniger, ובגוים לאיתהשב und nur da und dort gibt eine versprengte Notiz Aufklärung darüber. Um so erfreulicher war es für mich, folgende statistische Tabelle der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien vom Jahre 1754 und einige Fascikel im Archive des Staatsministeriums, welches Varia enthält, auf welche auch der Herr Archivar Vinzenz Reutlerer, der mit vieler Liebe wissenschaftliche Arbeiten fördert, aufmerksam machte, zu finden. Eigenthümlich ist das Sprunghafte in den Zahlen.— Wo sonst Bevölkerungsstatistiken längere Zeit näher beachtet werden, findet, man ein progressives Steigen der Volkszahl, außer wenn Pest, Seuchen, Plagen rc. oder Krieg im Lande gewüthet haben. Ein ungewöhnliches Anwachsen der Bevölkerung findet statt, wenn plötzlich da oder dort neue Geldmienen entdeckt werden, wo ein neuer Industriezweig rc. in Schwung kömmt. Das Steigen und Fallen der jüdischen Bevölkerung in früherer Zeit hing von anderen Bedingungen ab. Plötzliche Ausweisungen — zu schweigen von Metzeleien — verminderten die Anzahl der Juden, dafür wuchsen sie in anderen Orten, wenn auch nicht in gleicher Anzahl an, da sich die Ausgewiesenen nach allen Richtungen der Windrose zerstreuten. Man kann sagen, daß in solcher Weise eine permanente Völkerwanderung war, die, wie nutürlich nicht ohne Einfluß auf die nationalökonomischen Verhältnisse des Landes blieben. Wir wollen hier über die weitern Folgen in politischer, sozialer und religiöser Beziehung nicht sprechen, und gehen auf die Sache selbst über. Wie bekannt, wurden die Juden aus Böhmen 1745 ausgewiesen. 1748 wurde es ihnen neuerdings gestattet, da- *) Seit dein Jahre 1828 werden in Oesterreich regelmäßig statistische Berichte anfgenommen; eine genaue Konskription — welche mit großen Geldanlagen verbunden ist — wird erst nach einem JahrescykluS vorgenommen. selbst zu bleiben. (Obschon den Juden der Aufenthalt in Prag während der Zwischenzeit verboten war, so haben sie eS doch nicht gänzlich gemieden, da eS den Kranken und Aerzten sicher gestattet war, daselbst zu bleiben. Im Jahre 1749 bestand die jüdische Bevölkerung Prags aus 2015 Seelen (beiläufig ein Jahrhundert zuvor 1638 waren daselbst 7815 israelitische Seelen.) Im Jahre 1754 waren die Bevölkerungsverhällniffe der Juden in Böhmen folgendermaßen: Von 1 1—15 Jahren 5714 männl. 5691 weibl. ״ 15-20 ״ ״ 1466 1286 ״ 20—40 ״ ״ 1082 487 ״ ledig ״ 20-40 ״ ״ 3542 , 4569 ״ verheiratet ״ 40—50 ״ ״ 58 105 ״ ledig ״ 40—50 ״ ״ 1452 1308 ״ verheiratet Ueber 50 ״ ״ 130 230 ״ ledig 50 ״ ״ ״ 1332 1048 ״ verheiratet 14,770 männl. 14,124 weibl. Im Ganzen 28,894 Seelen.*) Vorausgesetzt , daß diese Zahlen durchgehends richtig sind, so scheinen damals frühe Heiraten unter den Juden nicht üblich gewesen zu sein. Die Zahl der Hagestolzen und der alten Jungfrauen scheint auch eine verhältnißmäßig! große gewesen zu sein. In Mähren waren die Bevölkerungsverhältnisse zu jener Zeit folgendermaßen: Von 1—15 Jahren 735 männl. 654 weibl. 15-20 /׳ 3412 ״ 3365 ״ ״ 20—40 ״ 250 ״ 169 ״ ledig ״ 20—40 ״ 3563 ״ 4069 ״ verheiratet ״ 40— 0 ״ 32 ״ 90 ״ levig ״ 40—50 ״ 869 ״ 824 ״ verheiratet Ueber 50 ״ 77 ״ 167 ״ ledig 50 ״ ״ 855 ״ 721 u verheiratet 9793 männl. 9999 weibl.**) Vergleicht man diese Tabelle mit der von Böhmen, so wird man sofort aus der unverhältnißig großen Anzahl derjenigen von 15 bis 20 Jahren zu denjenigen von 1 bis 15 Jahren entnehmen , daß größere Einwand erungen׳ stattgefunden haben, und zweifelsohne war es Böhmen, welches dieses Kontingent geliefert hatte, obschon auch die Juden in *) Die Gesammtzahl der Bevölkerung in Böhmen zu jener: Zeit war 1.942,519. In Prag waren 22,562 männliche und 28,235 weibliche, in den Städten und Märkten 150,208 männliche und 179.720 weibliche und auf dem flachen Lande 737,215 männliche und 824,491 weibliche Individuen. *f) In Mähren waren zu jener Zeit 867,222 Seelen, und zwar in den Städten 47,767 männliche , 59.136 weibliche, auf dem flachen Lande 369,675 männliche und 390,642 weibliche , und in Schlesien 154,207 Seelen , und zwar in den Städten 14.423 männliche und 17,790 weibliche, und auf dem flachen Lande 59,112 männliche und 6288 weibliche.

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