Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 39 (28.9.1864)
- Date
- 1864-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zum ״Ben Chananja" Re. 39 richtcrS, Herrn Heinrich von Szudy, welcher der Abstimmung von Amtswegen beiwohnte, trug nicht wenig dazu bei, daß die Angelegenheit in Ruhe und Frieden erlediget wurde. Unser Rabbiner, Herr Singer, welcher ein so heiliger Mann ist, daß er die Eingabe gegen die Gründung eines Rabbiner-Seminars mitunterzelchnetc, hat sich jedoch bedungen, daß für die Zeit der hohen Feste rin Vorhang vor seinem Sitze angebracht werde, was ihm natürlich auch gewährt werden wird! Wie ich höre, ist der Herr Rabbiner bereits geneigt, auch in Ansehung der Trauungen im Tempel, denen er sich früher so entschieden widersetzte, in dem neu erbauten Gotteshanse nachzugeben. Es ist freilich etwas abnorm, daß nicht die Heerde vom Hirten, sonder» dieser von jener geleitet wird, man kann sich aber vorläufig diese Abnormität schon gesallen lassen, wenn nur die Sache des Fortschrittes, der Bildung und der edlern Sitte dadurch gefördert wird. — Austerlitz, im September. Zn Folge Ihres Gutachtens an die Pakser Fragesteller (Nr. 38 d. Bl.) sind die Vorrechte, welche sich bisher die mit dem Chawertitel Betheiligten in der hiesigen Synagoge erfreuten, abgeschaffl worden. Die Einkünfte des Rabbiners werden durch diese Reform allerdings geschmälert; der hiesige, in ganz Mähren hochverehrte Rabbiner denkt und handelt aber viel zu edel, als daß egoistische Beweggründe irgend einen Einfluß auf ihn ansüben sollten. Hermanmeftee, im September. Das hiesige Rabbinat, seit einem Jahre vakant, ist nunmehr wieder durch einen würdigen Mann besetzt. Se. Ehrw. Herr Samuel Rosenberg, bisher Rabbiner in Schüttenhofen, ist die Aequisition, zu der wir unserer Gemeinde mit vollem Rechte Glück wünschen dürfen. Dinstag den 30. d. M. hielt derselbe seinen Einzug bei uns. Die Empfangsfeierlichkeit, würdig der Person, welcher sie galt, war für den Gefeierten, wie für die Gemeinde gleich ehrend und zeugte von der aufrichtigen Sympathie, welche dem jugendlichen Seelenhirteu entgegengebracht wurde. Auf der eine Meile von hier gelegenen Eisenbahnstation Prclouc wurde Herr Rabbiner Rosenberg von dem Gesammtvorstande und der Elite unserer Gemeinde emvfangen, in deren Gesellschaft derselbe die Fahrt nach seinem Bestimmungsorte sortsetzte. Um die erste Nachmittagsstunde im Weichbilde der hiesigen Stadt angelangt, wurde daselbst der Angekommene von den Vätern der Gemeinde, und in der inner« Stadt von der israelitischen Schuljugend, mit dem Lehrkörper an der Spitze, dem Magistrate und andern christlichen Honoratioren des Ortes begrüßt, welche nachher atlesammt als Festtheilnehmer dem Herrn Rabbiner auf dem Wege zur Synagoge folgten. Bor dem Eingänge derselben, wo der imposante Zug anhielt, wurde Herr Rosenberg von einem Schüler im Namen der Schuljugend ein Willkommensgruß dargebracht, und dieser von der betreffenden Seite mit einer kurzen Ansprache an die Schuljugend erwidert. Hierauf hielt Herr Rosenberg in der festlich geschmückten Synagoge nach dem vorauSgegangenen Mincha-Gotteödicnfle vor einem zahlreichen Auditorium seine Antrittsrede, in welcher er Beruf, Stellung und Pflichten eines Rabbinen der Jetztzeit in markirten Bildern aus dem Leben mit ihren Licht- und Schattenseiten so wahr und schön zugleich zur Anschauung brachte, wie eine solche lebendige Darstellung dem oratorischen Talente dieses Mannes eigen ist, den wir schon früher zweimal auf exegetischem Gebiete mit derselben Meisterschaft sprechen zu hören Gelegenheit hatten. Wenn Herr Rabbiner Rosenberg — wie zu erwarten steht — seinem eindringlichen Worte durch entsprechende That Nachdruck verleiht, und Lehre mit Beispiel verbindet, dann ist. er ganz der Mann, dessen die hiesige Gemeinde bedarf, und daß er eö sein wird, zu dieser Hoffnung berechtigt uns sein guter Ruf und die Kunde über sein bisherigeS Vorleben. Iahoda. ' E. Kollirr, 22. September. Herr Dr. Josef Gugettheimer, der nur durch ein sehr geschickt ausgeführtes Manöver der Kolliner Gemeinde, die ihn weder gesehen, noch gehört hat, aufoktroyirt wurde, hat in den langen drei Jahren seines Hierseins sich hinlänglich überzeugt, daß ernicht für Kolli«, und Kollin nicht für ihn geschaffen sei. Er bestürmte daher seinen hohen Protektor, den bekannten Herzog von Jerusalem, er möge für ihn eine passendere Gemeinde suchen. Dieser hohe Herr sah ei», daß G.'S Wirken in Kollin nicht fruchtbringend sei, und feine Stellung einem verlornen Posten gleiche (beiläufig gesagt war Herr G. der Einzige unter allen Rabbinern der Landgemeinden Böhmens, der jene famose Erklärung unterzeichnet) und glaubte bereits, eine Ruhestätte für seinen Schützling gefunden zu haben. Es wurden alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, und Herr G. sollte den gepflogencn Unterhandlungen gemäß, den RabbinatSsitz zu Bonyhad in Ungarn erlangen, wo vielleicht noch die Saaten des Ob'sknrantiSmus in voller Blüthe stehen, die seiner Partei eine reiche Ernte versprechen. Die Unterhandlungen gingen nach Wunsch, und man glailbte schon am Ziele zu sein, als die Bonyhader, klüger und vorsichtiger, als die Gemeinde Kollins, auf den Einfall kamen, Sendbote» hieher abznordncn. Freitag, am 17. d. M. Nachmittags erschienen drei Kundschafter aus Bonyhad; sie kamen, sahen und — siegten! Ja! die bessere Einsicht siegte, indem es diesen Herren bald klar wurde, daß Herr G. selbst für Bonyhad nicht paßt. Herr G. jedoch siegestrunken, und im Wahne, am Ziele seiner Wünsche zu sein, erklärte dem Vorsitzenden des Gemeindcvorstandes, er gebe der Gemeinde eine Stunde (!) Bedenkzeit, ob dieselbe geneigt sei, gewisse Umstände, die er nach seiner gcsetzeStreuen Ueberzeugung nicht länger dulden könne, abzuändern, und überdies seinen Gehalt in jener von den Bonyhadern angebotenen analogen Höhe auszubessern. Widrigenfalls sei er gezwungen , Kollin zu verlassen. Als in der Gemeinde in Folge dieser Eröffnung sich ein Gefühl kundgab, welches nicht das der Traurigkeit war, und man wolweislich die gegebene Frtst stillschweigend verstreichen ließ, glaubte man allgemein, Herr Ghabe nnabäuderlich mit den Sendboten Bonyhads abgeschlossen. Diese jedoch wußten ihre Gedanken durch die Sprache zu verheimlichen, schützten unvollständige Vollmachten vor und reisten ab, ohne Herrn G. acceplirt zu haben. Der Vorstand, in der sichern Voraussetzung, daß nach der abgelaufenen Frist Herr G. mit den Bonyhadern im Reinen sei, erklärte diesem Tags darauf, daß die Gemeinde ihrerseits zur Konkursansschreibung schreiten müsse. Wie erstaunte er jedoch, als Herr G. Plötzlich umsattelte und vorgab, daß er noch den Bonyhadern vcrschie- ^ene Bedingnisse gestellt, daß seine Frau nicht nach Bonyhad ziehen will, und obwol er nach Verstreichung des gestellten Termines und der Nichtbewilligung der gestellten Bedingnisse, sich für frei hielt, um'mir den Bonyhadern zu unterhandeln, die Gemeinde jedoch, in so lange er nicht schriftlich seine Kündigung gebe, zu keiner Konkursauöschreibung schreiten lönne. — Herr G. mag wol foruiell Recht haben; ob aber ein solches Verfahren ehrenhaft und ehrlich sei, ist wol eine andere Frage?! Herr G. wird nun, trotzdem, daß sein Gehalt nicht erhöhet, und der nach seiner Auffassung statlfindende ׳חלול שבת den er unter keiner Bedingung länger mitansehen wollte, nicht abgestellt werden wird, dennoch vorläufig wieder in Kollin bleiben! — Mohücs, 25. September. Vorgesteru fand die solenne Einweihung unserer nenerbauten Synagoge statt. Rabb. Roth aus Siklüs hielt die AbschiedSrede von der alten Synagoge. Unser Rabbiner Grünwald hielt die deutsche, Rabbiner Ehrlich aus Fünfkirchen die ungarische Einweihungsrede. Aste drei Redner erledigten sich ihrer Ausgäbe auf eine meisterhafte, die zahlreichen Anwesenden wahrhaft rrbanende Weise.