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Ben Chananja · 1864-09-28 · 39 (28.9.1864) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
39 (28.9.1864)
Date
1864-09-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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781 782 eine Einschränkung der göttlichen Vollkommenheit zu nennen. 4) b. Der von der ״reziproken Verschiedenheit" Hergeleitete Beweis lautet folgendermaßen: Wenn es zwei — oder mehrere — Götter gäbe, dann müßten beide einen Gattungsbegriff gemeinschaftlich haben, jene Bestimmung nämlich, die eben beide zu Göttern macht, und noch überdies müßte jeder dieser Gottheiten eine gewisse Sonderbestimmung eigen sein, durch die eben der eine Gott von dem andern sich unterscheidet. Mithin wäre keiner der beiden Götter eine einfache Wesenheit, sondern aus verschiedenen Bestimmungen zusammengesetzt, was jedoch dem Gottesbegriffe total widerstreitet. — Maimuni erkennt diesem Beweise einen echt demonstrativen filosofischen Charakter zu, und in der That hatte derselbe in der arabischen Filosofie sich der größten Beliebtheit erfreut, so daß er die Runde durch alle Schulen machte, wie dies unser gegenwärtiger Artikel darthun wird. 6. Dagegen schwebt über den dritten kelamistischen Beweis ein kaum zu lüftendes Dunkel. Derselbe geht von einer bei den Mutazila herrschenden Prämisse aus: Der Wille sei bei Gott keineswegs ein in seinem Wesen bestehendes Attribut, da Gott eben von allen Attributen frei sein müsse. Man dürfe daher keineswegs sagen, es bestehe in Gott ein Etwas, wodurch er weiß, ein Etwas, wodurch er kann, ein Etwas, wodurch er will, und man drückte das Letztere durch folgende Bezeichnung aus: ״Der Wille Gottes sei nicht etwas in einem Träger Bestehendes" 6) (הוא רצון לא בנושא, arabisch הי אראדה לא סי מחל). — Ein solcher substratloser Wille, folgerte man nun, könnte nur einer absoluten Einheit und daher unmöglich zwei Gottheiten zugeschrieben werden. — Maimuni sagt von diesem Beweise, ״er wolle etwas Dunkles durch ein noch Dunkleres erklären." ä. Viel klarer jedoch ist der vierte Beweis. Dieser geht von einer Prämisse aus, die aus der arabischen Filosofie in die des Cartesius und des Spinozas sich hinüber verpflanzte: Zum Gottesbegriff gehöre vor Allem die Nothwendigkeit der Eristenz, d. i. die Unabhängigkeit seines Daseins von andern Dingen außer sich (6n8 a 86, causa sui), daher Gott als das einzige ״Nothwendig-Eri- ף Daß Maimuni hier die Mutazila im Sinne habe, erkenne ich aus den Worten:.... קצתם והם קדמוני הם יאמינו. denn bekanntlich waren die Mutazila die älter» Mutakallimiin, die Sekte der Ascharija tauchte erst 180 Zahre später aus. Einer ihrer wichtigsten Lehrsätze bestand aber in der Negirung' der göttlichen Attribute. 8) Sharastani (Th. I S. 48 ff) schreibt Folgendes über die Lehrpunkte des Abul Hudsail: ״Der zweite Punkt ist, daß er Willensäußerungen setzt, in welchen Gott seinen Willen bethätige, ohne einen Träger. Gr war aber der erste, welcher diese Ansicht aufbrachte und die Später« folgten ihm darin." Hudsail war, wie Sharastani sagt, der Scheich der Mutazila. — Wir bemerken hier gelegentlich, daß dir im More I, 73, Präm. 6, dargestellte Meinung einiger Mutazila, daß ״wenn Gott die Welt vernichten wollte, er erschaffen würde ein AccidenS der Zerstörung ohne Träger" (קצתם אמרובי ׳(כשירצה השם להססד העולם יברא מקרה הכליון לא בנושא eine Behauptung der Dschubbaija war, welche nach Sharastani (S. 60) sagten: ״eö sei ein Vergehen nicht in einem Träger, wenn Gott wolle, daß die Welk vergehe." י) WaS die Araber ואגב אלוגור nannten, das bezeichnet«! EartefiuS und Spinoza durch den Ausdruck Substanz, ker subatantiam intelligo id, quod in se est et per se concipitur: hoc eat id, cujus conceptus non indiget conceptu alteriua re!, a quo for׳ war! debeat (8p. opera II. pag. 33.) stirendeמהוייב המציאות=ואגב אלוגוד) ״) zu definiren sei, während Alles außer Gott nur als ein ״Möglich-Eristireudes" (אסשר המציאות=ממכן אליגור) erkennt werden müsse. Von diesem Vordersätze aus wird nun in nachstehender Weise gefolgert. Ein Schöpfer muß sein, da es ohne Schöpfer auch keine Schöpfung gäbe. Das Dasein Eines Gottes ist mithin nothwendig — möglich dagegen ist es, daß es mehr als Einen Gott gibt, da auch dann das Vorhandensein der Schöpfung noch immer erklärlich bleibt. Die Eristenz Eines Gottes ist also nothwendig und die Eristenz mehrerer Götter möglich —; da nach unserem Vordersätze jeooch in der Eristenz Gottes keine Möglichkeit statthaben kann, so muß nur Ein Gott sein. Maimuni zeigt das Unrichtige dieser Schlußfolgerung nach, da bei der Annahme von mehreren Göttern die Möglichkeit nicht ontologisch, sondern nnr logisch ist, d. h. nicht in dem Wesen Gottes, sondern nur in nnserm Denken liegt. Syllogistis'ch ausgedrückt, würde dieser Beweis als ein, von den Logikern sogenannter Zweideutigkeitsschlnß (sophisma amphiboliae) sich darstellen: Bei dem Nothwendig-Eristirenden darf keine Möglichkeit (in dessen Wesen) herrschen; Nun sind mehrere Götter blos möglich (in nnserm Denken). Also kann es nicht mehrere Götter geben. Einen ganz ähnlichen Zweideutigkeitsschluß lassen sich die Mutakallimun übrigens auch in der Beweisführung für die Schöpfung ans Nichts zu Schulden kommen (Vrgl. hierüber meinen Aufsatz im ״Ben Chananja" 1862. S. 119.) 6. Eine der spätem Mutakallimun stellte noch einen fünften Beweis für die Einheit auf und ward derselbe ״der Beweis von dem Bedürfnisse" genannt. Gäbe es zwei Görter, sagte er, und der eine konnte ohne Beihilfe des andern alles Seiende Hervorbringen, so wäre der andere ganz überflüssig, ganz ohne ״Bedürfniß." Konnten dagegen nur beide zusammen ״mit vereinten Kräften" das Universum erschaffen, bann wäre wiederum jeder der beiden Götter dadurch, daß das ״Bedürfniß" sie eben auf die vereinten Kräfte hinwies, unselbstständig und in seiner Macht beschränkt. Maimuni bemerkt dagegen, wie schon oben gegen den ersten Beweis, daß die Macht Gottes dadurch noch keines- Wegs beschränkt zu nennen wäre, wenn er das, was eben ganz außer seiner Machtvollkommenheit liegt — was mithin zu den Unmöglichkeiten gezählt werden müsse —. nicht zu bewerkstelligen im Stande sein sollte. So würde wol auch Gott nicht deshalb unvollkommen genannt werden, weil er nicht im Stande wäre, ein Quadrat hervorzubringen, dessen eine Seite gleich sei mit dessen Diagonale u. dgl. m. (Fortsetzung folgt.) Ueber deutsche Gebetbücher und Philippson's ״Neues israelitisches Gebetbuch-" Der verehrte Leser dieses Blattes wird mir gütigst verzeihen, wenn ich eingestehe, daß ich in jüngster Zeit die Gebetbücher deutscher Reformgemeinden und Reformrabbine» durchgelesen habe. Auf die Frage: wie man seine Zeit so verschwenden kann, habe ich gar keine Antwort; aber dem Vergehen folgt die Strafe aus der Ferse und meine Strafe konnte auch nicht ausbleiben, ich ärgerte mich weidlich über die Eharakterlofigkeit, die den ganzen Wust neumodischer Gebetbücher charakterifirt.

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