Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 39 (28.9.1864)
- Date
- 1864-09-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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777 778 Darum dürfen wir getrost aussprechen: es sind wol wenige ungarische Israeliten, — echte Israeliten und echte Ungarn — die nicht mit uns ans voller Seele dem ״Gen Chananja" zurufen: einen frohen Jnhresgrnß und ein herzliches Glück arrfN) Arad, 27. September 1864. Die Schicksale und Bestrebungen der israeMscheu Gemeinde zu Ziechnilz. Ein Beitrag zur Geschichte der ungarischen Israeliten im 17. und 18. Jahrhundert. , Von Dr. M. Z i p s e r, Oberrabbiner. (Fortsetzung. *) **) Wie wir oben erwähnt, ist der Grabstein von N. Jsak Proßnitz in einer verkehrten Richtung aufgestellt; ich vermuthe, daß dies von Staßow's Gegnern geschehen, die heimlich in der Nacht diesen Stein umgekehrt, um die Gemeinde auf den Glauben zu bringen, als scheute dieser fromme Rabbi seine neue Nachbarschaft. Von Staßow's Leistungen während seiner hierortigen zwanzigjährigen Wirksamkeit ist nicht viel bekannt, wahrscheinlich haben seine Gegner Alles zu vernichten gesucht, was ihm sein Dasein verdankte. In seine Zeit fällt jedoch die Errichtung eines Psalter-Vereins: הברה של תהלים. Ein Mitglied der hiesigen Gemeinde vermachte bei seinem Ableben eine gewisse Summe an den Vorstand, damit vier gelehrte Männer von den Interessen unterstützt werden, wofür sie die Verpsiichtung hatten, täglich des Abends die Psalmen im Tempel zu rezitiren. Dieses Legat wurde im Jahre 1755 gestiftet, bestand bis in die jüngste Zeit, hörte jedoch vor einigen Jahren gänzlich ans. Besonders betheiligte sich Staßow an der Bessergestaltung des Brüdervereins (p״n), dessen Statuten während seiner Amtirung mehrmals einer Revision unterzogen wurden. Ein Jahr vor seinem Sterben fügte er denselben folgende Punkte bei: 1) Die Vereinsvorsteher haben ein in schwarzem Sammt schön gebundenes und mit silbernen Spangen versehenes Vereinsbuch anzuschaffen, ׳worin alle Statuten und die Namen: der Mitglieder einzutragen sind. 2) Ebenso soll ein zweites Buch angelegt werden, worin alle dem Vereine angehörenden Requisiten, wie auch Einnahmen und Ausgaben verzeichnet werden müssen. 3) Müssen neben den Vorstehern zwei Kontrolore ernannt werden, deren Unterschrift zu jeder Ausgabe vonnöthen ist. In Ermanglung dieser Unterschriften werden die Ausgaben bei der jährlichen Rechnung nicht angenommen. 4) Ein Gemeinde-Vorsteher darf kein Vereins-Vvrsteher sein. 5) Der Verein hat eine Lade mit einem doppelten Gesperre anzuschaffen, worin die dem Vereine angehörenden Schriften und Werthschaften aufzubewahren sind; die Lade hat bei dem ersten, die beiden Schlüssel bei den zwei andern Vorstehern zu verbleiben. Als Charakteristikon der damaligen Umstände wollen wir den . bei einer frühem Revision der Statuten aus dem Jahre 524—1764 gegebenen Prat (Jahreszahl) hersetzen; derselbe lautet: משיה בן דוד יגאלמ^תקכר. Dieser Prat wurde wahrscheinlich von Staßow als Gegendemonstration gewählt und sollte sein Glaubensbekenntniß an den wahren Messias darlegen. Staßow scheint in gedrückten Verhältnissen gelebt zu haben; so kömmt er im Gemeindebuche als oftmaliger Schuldner vor, im Jahre 1758 mit einer Schuld von 100 fl. In Folge eines Gemeindebeschlnsses vom Jahre 1756 erhielt er wöchentlich 37״ fl., das Jahr zu 52 Wochen berechnet, wie auch 4 fl. als Ersatz für den Fleischkreuzer und Weintatz, was zwar, nach den damaligen Verhältnissen, wo der Metzen Korn einen Gulden und der Weizen einen Thaler gekostet, ein angemessener Gehalt war, der jedoch für ihn, da er von seinen Gegnern keine Sporteln angenommen oder erhallen, kaum hinreichend sein mußte. Obwohl von der Palaiinin, die auf Seite seiner Gegner stand, verfolgt, stand Staßow nichtsdestoweniger in gutem Ansehen bei ihrem Genial, dem Grafen Ludwig Bathyany, was aus folgenden Dokumenten zu ersehen ist. In einem Edikte vom 1. April 1748 wird die schlechtgehandhabte Rechtspflege des Vorstandes in der Leitung der Gemeindeangelegenheiten scharf gerügt und heißt es hierüber im zweiten Punkte, wie folgt: ״Es wird hiermit befohlen, daß alle dergleichen Mißbräuche und Miß- Handlungen mit Zuziehung des Rabbiners streng untersucht, alle Jntereffirte, wie auch jene, die davon Wissenschaft haben konnten, unter dem Banne von ihm eraminirt und der Herrschaft in Unterthänigkeit wahrhafte und umständliche Berichte *) Ich drücke dem wackern und verdienstvollen Einsender und seinen Gesinnungsgenossen für den Ausdruck ihrer mich beglückenden Sympathie dankbar die Hand, und erwiedere ihren Glückwunsch mit inniger Herzlichkeit. ״Ben Chananja" wird unter dem Beistände Gottes fortfahren, der Fahnenträger der Achtung gebietenden Schaar unter den ungarischen Juden zu sein, welche er bisher nicht ohne Erfolg zu vertreten so glücklich war. Die Sache, für welche die Freunde ״Ben Chananja's" einstehen, ist so gerecht und heilig, daß der Sieg derselben mit fester Zuversicht erwartet werden-darf. Je gewissenhafter, und treuer wir für dieselbe arbeiten und wirken, desto getroster dürfen wir sie in unseren Neujahrsgebeten dem Schutz: des Herrn der Heerschaaren empfehlen. L. **) S. Nr. 17. 20. 2t. 23, 26. 27. 29. 30. 38.