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Ben Chananja · 1864-09-21 · 38 (21.9.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
38 (21.9.1864)
Date
1864-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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770 dieser Woche drei aufeinander folgende Male unter enthnflastischem Bei« falle, bei vollgepfropftem Hause aufgeführt. Mögen die TheNterkritiker, die Nimmersatten Nezettseltten wegen der verspäteten Aufführung dieses StüÄeS auf der HofbühNe wie immer grollen: uns gilt dies immerhin als ein Fortschritt, wenn einer solchen Handlung, wie sie Mosenthal in seiner ״Deborah" darstellt, ״die Kleinen und Großen des Reiches" mit unvcrleugbarer Theilnahme folgen. Die theologischen Gestalten in bettt Tribunale, vor welches Gutzkow seinen Uriel Akosta laden und verketzern läßt, verschwinden vor den Jammerbildern vertriebener Indenfamilien, die Mosenthal durch die steierischen Marken führt; und der Posauncnschall, der vor der Synagoge zur Verbannung AkostaS ertönt, verstummt vor den innigen, wahrhaften und unauslöschlichen Liebesschwüren, welche die Jüdin Deborah dem Sohne eines steierischen Dorfrichtcrs schwört. Es ist wahr, daß Mosenthal einen großen Theil seiner poetischen Bilder, seiner zündenden Reden ans dem ״Buche der Bücher", ans der Bibel, geholt hat; das thut aber seinem Verdienste keinen Abbruch. Im Gcgenthcil. Herr Mosenthal zeigt eben dadurch nukern christlichen Brüdcrn, wie tief die Toleranz im Judenthume wurzelt und ״Deborah" ist ein Zcngniß, wie treu und unerschütterlich ein jüdisches Weib lieben kann. Ihr Fluch, nachdem sie sich verkannt und verrathen sieht, ist zwar nicht minder gewaltig, als ihre Liebe. Allein er hat seine Grenzen. Der Familienfrieden und das Familienglück ist dem jüdischen Weibe heiliger als Alles. Und so läßt auch Moscnthal seine Deborah, als sie nach Jahren zerknirscht vom Grame und der Verkennung m das Haus ihres ehemaligen Geliebten, nunmehrigen Gatten nnd Vaters zurückkehrt, dessen Kind Herzen und küssen, den Fluch, den sic auf das Haus ihres untreuen Geliebten gestreut, in Segen für das Kind und seine glücklichen Eltern umwandeln. Es ist nicht hier der Ort, Theaterkritik zu üben, und wir haben Uns auch deshalb nur auf spezifisch-jüdischem Boden gehalten, insofcrne dieses für die Leser dieses Blattes von Interesse ist. Wir gedenken schließlich unseres GlanbenSgcnossen , des Künstlers Sonnen tha l, der den toleranten steierischen Bürgersohn (Josef) trefflich chärakterisirte. 6r. Sragh-Küllö, im September. Ihr hiesiger Korrespondent berichtete in Nr. 34 d. Bl. der Wahrheit gemäß, daß unsere Schule, ״der einzige Lichtpunkt im Meere der Finsterniß", im Stadium der Auflösung begriffen sei. Ich kann Ihnen nun die erfreuliche Mittheilung machen, daß in Folge dieser, die unverdeckte Wahrheit aussprechenden Korrespondenz diese Katastrophe glücklich überwunden wurde: Die Schule ist wieder gerettet! Der Fortschritt hat gesiegt! Es verdient registrirt zu werden, daß Herr Karl Goldsahn, ein junger Jurist, der seit fünf Monaten in unserer Mitte weilt, durch seine ausmunternden Worte zu dem glücklichen Erfolge dieser Sache sehr viel beigetragen hat. Er hat sich dadurch des Dankes unserer ganzen Gemeinde verdient gemacht. M. Arad, 9. September. Gestern um 4 Uhr Nachmittags waren wir Zeugen einer in ihrer Art nur seltenen Feierlichkeit, die im hiesigen Tempel abgehalten wurde. Es war die feierliche Einweihung der in diesen Blättern schon erwähnten neuen und großartigen Orgel. Schon in den ersten NächmittagSstuuden drängten sich Schaaren von festlich Gekleideten gegen unsern Temp.'l, dessen innerer Raum, wie auch die Gallerien bis zur bestimmten Stunde aufs Höchste gefüllt war. Unter der Versammlung bemerkten wir die verschiedenen Honoratioren unserer Stadt und Punkt 4 Uhr erschallten die erschütternden Töne des großen Meisterwerkes. Die Eröffnung der Feier bildete das Mal) Town in einer Komposition von unserm Chordirigcnten. Dann folgte das Miricha-Gebet; worauf eine, zu diesem Zwecke von unserm verdienstvollen Chordirigenteu Grünzweig kömponirte Fest-Kantate von dem, mit entzückender Stimme begabten Oberkantor Kohn äbgesuugen wurde. Nach Rezitirung einiger Lobpsalmen ergriff unser ehrwürdiger Oberrabbiner Steinhardt das Wort. Er schilderte in kurzen, aber kräftigen Worten die Nation»! lügend Unseres StämmeS, die Opferwilligkeitj wenn es sitz um Hebung und Verherrlichung des Gottesdienstes handelt; hob die Eintracht und Verbrüderung der Konfessionen besonders hervor, und erflehte in rührenden Worten den Segen Gottes auf Gemeinde, Landesfürst und Nation. Die Feier schloß mit einem Triumphlied, komponirt vom Organisten Moriz Klein. Die Kantate, wie auch das Triumphlicd sind laut Aeußeruug von Sachkenneru besonders gelungene Komposttionen. Im Ensemble wirkten mehrere hier stabile Musiker und Dillettauten, 25 Mann aus der Musikkapelle des Salvator-Regiments, mehrere Mitglieder der gegenwärtig hier gastirenden Operngesellschaft, viele Kirchensäuger und Sängerinnen, nebst unserm gut eingeschulten Knabenchor. Die Zwischenpräludien wurden von mehreren Organisten abwechselud ausgcführt. Wie wir vernehmen, wird der Chordirigent Grünzweig, der zur Hebung dieser Feierlichkeit viel beigetragcn hat, von der hiesigen Jugend mit einem Ehrenpokal überrascht werden. Die Orgel, 20 Register stark, mit 2 Manualen und Pedal ist in jeder Hinsicht vorzüglich und gereicht seinen Meistern, den hiesigen Orgelbauern Anton Dangl und Sohn zur Ehre. Die Kosten betragen nahe an 4000 Gulden. V Bifenz, im September. Ihr ^-Korrespondent hat über den Zwitterzustand der hiesigen Gemeinde sehr nachsichtig und schonend berichtet, denn der Wolf weidet hier auf der Gemeindeflnr nicht sehr friedlich neben dem Schafe. Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde auch in der hiesigen Synagoge gefeiert. Der Neligionslehrer sollte predigen, aber auch der Rabbiner wollte sich die Predigt nicht nehmen lassen. Es kam im Gemeindehause zu hitzigen Debatten und am Ende predigte — Niemand. Bei der jüngsten Prüfung waren vier katholische Geistliche anwesend; da aber die NeligionSprüfung ein echt tsraelitischeS Gepräge hatte, entfernten sich die priesterlichen Gäste während desselben bis auf den prüfenden Dechant. Szarvas, im September. Zum hiesigen Obergymnasium hat die jüdische Bevölkerung stets ihr Contingent geliefert, und obschon eine der jünsten Gemeinden im Bekeser Komitate, haben wir dennoch die Ehre, bereits angehende Juristen und Mediziner aus unsern Reihen her- Vorgehen zu sehen. Besonders scheuen die Armen weder Opfer noch Anstrengung, um ihren Kindern durchs Studium eine ehrenvolle Bahn zu eröffnen. Gegenwärtig studieren am Gymnasium 48 Israeliten, darunter 23 einheimische. Auch werden 13 Studenten mit Freikost versehen, und soeben bildet sich ein Verein zur Unterstützung unbemittelter Studenten. Gelegenyeitlich verdient auch unsere öffentliche Volksschule hervorgehoben zu werden, die selbst von unsern christlichen Mitbürgern derartig gewürdigt wird, daß im letzten Kurse 10 christliche Schüler dieselbe besuchten. Leider haben sich bezüglich der Aufrechthaltung dieses nothwendigen Instituts Geldschwierigkeiten ergeben. Der Vorstand wendete sich daher an die hochlöbliche Statthalterei und pctitionirte daselbst um Unterstützung der Schule. Allenfalls steht es von unserem wackern Vorsteher, Herrn Alerander Klein,-zu erwarten, daß derselbe, welchen Erfolg immer das erwähnte Gesuch haben mag, mit allem Eifer bestrebt sein wird, die edle Pflanzstätte unserer hoffnungsreichen Jugend nicht veröden zu lassen. . I. Lichtenstein, Bezirks-Rabbiner.?11. Mohnes, Mitte September. Wir haben -hier am 22. d. M. eine große Feierlichkeit, wozu Fremde aus Nah und Fern geloden sind, nämlich die Einweihung unserer neuerbautrn Synagoge. Der Aufbau einer neuen Synagoge in einer kleinen Gemeinde, die nur über geringe Kapitalskräfte diSponirt, ist wol ein sprechendes Zeugniß von der Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder und von der treuen-Pflichterfüllung des Seelsorgers, der seine Gläubigen von der Kanzel herab zur That begeistert. Ü S. A. Ajhely, 11. September. Besser, als jeder PrüfungSbericht, zeigt von dem ersprießlichen Wirken unseres Lehrkörpers der Umstand, daß der Vorstand schon seit längerer Zeit an die Verbesse-

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