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Ben Chananja · 1864-09-21 · 38 (21.9.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
38 (21.9.1864)
Date
1864-09-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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767 768 Zur Vereinbarung -es 9. und 12. Glaubensartikels. Von Rabbiner Dr. A. Hübsch. "!כהקים שם המת על נחלתו" Ruth 4, 5. Wenn alte Fragen wieder auftauchen und aufs Neue besprochen werden, so kann das ein Zwiefaches beweisen: entweder hat derjenige, der die Frage frisch anregt, zu wenig Belesenheit in den einschlägigen Schriften, um die Vergangenheit derselben zu kennen, er glaubt seinen Pflug auf jungfräulichen Boden zu setzen, während der Kundige schon langst die Körner gezählt, welche die Ernte auf diesem Felde einbrachte; in diesem Falle begnügt man fich, dem מקשן □HD die kurze Abfertigung des "!״כבר קרמקי znzurufen, mau kommt allenfalls seiner Unwiffenheit mit dem belehrenden Hinweis auf die betreffenden Stellen zu Hilfe und die Sache ist abgethan! — Oder es findet der Fragesteller die Erledigung, welche die beregte Schwierigkeit in früherer Zeit gesunden, nicht für zulangend, er will durch eine neue Antwort eine neue Entwicklungsphase der alten Frage herbeifüyren und eine glückliche Lösung fichert ihm einen würdigen Platz in der Entwicklungsgeschichte der fraglichen Frage! — Daß Herr Rabbiner Letsch den scheinbaren Widerspruch des des 9. und 13. Glaubensartikels als eine ganz nagelneue berghohe Schwierigkeit בש□ אמרו hervorhebt, daß er diese harte Nuß seinem ״Zerdroschenen, dem Kinde seiner Tenne" zu knacken vorsetzt, daß er durch dieses ״Weiserchen" seinem Abgekanzelten, dem Herrn Rabbiner Kutna die Unzulänglichkeit jeder menschlichen Forschung beweisen will, das überrascht uns nicht im Mindesten! Wir können es dem Herrn Rabbiner Letsch von seinem Standpunkte aus nicht zumuthen, durch eine genauere Bekanntschaft mit den religionsfilosofischeu Schriften unserer Literatur, sein wolerworbenes Ansehen, sit venia verbo, zu Grunde zu richten! Der historisch gewordene geistreiche Arzt des Rabbi L. lacht fich vielleicht ins Fäustchen, daß er mit einer alten und abgethanen theologischen Frage den Bannerträger einer religiösen Fraktion in die Enge getrieben hat, und der tiefgeiehrte Rabbi hat keine Ahnung davon, daß er von dem Laien blos mystifizirt wurde! — Wenn aber eine wirklich hervorragende Autorität, wie Herr Oberrabbiner Hirsch B. Fasset, an die Besprechung einer solchen Frage geht, dann läßt sich von seiner vielfach bewährten, gründlichen und umfaffenden Belesenheit in den Fachschrifren nicht anders erwarten, als daß er vorerst die Vergangenheit der fraglichen Sache beleuchten, und dann seine eigene Meinung darüber sagen werde; es muß uns demnach nicht wenig überraschen, in dem diesbezüglichen Aufsatze des hochgeschätzten Theologen eine Ansicht im eigenen Namen ausgesprochen zu finden, welche in der That Eigenthum eines altern, berühmten Religionsfilosofen und Eregeten ist. Man vergleiche, was Herr Oberrabbiner F. Nr. 32 d. Bl. von dem überschriftlichen Gegenstände sagt und zugleich erlaube man mir Abravanels Meinung über denselben Gegenstand in wörtlicher Uebersetznng hier anzuführen. In seinem Rosch Amana Abschn, XIV. spricht er fich über den 9 Glaubensartikel also aus: ״Es gibt keine göttliche Lehre, welche die Seele ihrer Endvollkommenheit zuführt, als die Lehre Mosis, sie ist für die Seele die nothwendige Nahrung, welche sie dem Leben erhält und vor dem Tode wahrt! — Mögest du aber keinen Widerspruch dieses Satzes drriu ersehen, wenn der Drang der Zeitumstände die Abweichung von der eineu oder andern Thorazeremonie nothwendig macht, hört ja doch Brod, Fleisch und Wein nicht auf, die natürliche Nahrung des menschlichen Leibes zu sein, wenn auch der krankhafte Zustand des Leibes den Genuß dieser Nahrungsmittel momentan verwehrt! — Und ebenso wenig widerspricht eö dem obigen Satze, wenn es die Nothweudigkeit mit sich bringt, daß mit einem Theile der Schriftgebote eine Wandlung vorgehe, wie z. B., daß in der messianischen Zeit der Erlösung aus Egypten nicht mehr erwähnt werden wird; derartige Wandlung ist keine Verändernng an der Thora selbst; denn diese wird hierdurch ebenso Wenig alterirt, wie etwa dadurch, daß ein Mann, der kein Feld hat, das Gebot der Zehntentrichtung nicht erfüllt! Gebote, die an äußere Umstände geknüpft find, haben für ihre Ausübung nur so lange Anspruch auf fortwährende Dauer, als die erforderlichen äußern Umstände, vorhanden sind; ändern sich aber Letztere, so bleibt das betreffende Gebot doch imwer bestehend als prinzipielle Norm für die besagten Umstände. ES kann die Arzneikunde nur dann ausgeübt werden, wenn ein Kranker vorhanden ist, damit ist aber noch nicht gesagt, daß die Arzneikunde aufhört, wenn eS keine Kranke gibt, ihre Ausübung ist wol von den vorkommenden Krankheitsfällen bedingt, ihr Bestand ist aber keines- Wegs hieran geknüpft. Und ebenso, wenn es einst die Verhältnisse mit fich bringen, daß wir statt der Erlösung aus Egypten der messianischen , Erlösung pflichtlich erwähnen, so wird doch im Prinzipe das Gebot bestehend bleiben, daß es uns Pflicht ist, der Erlösung aus Egypten zu erwähnen, so lauge das erforderliche Verhältniß hierfür obwaltet, so lange nämlich keine bedeutsamere Erlösung eintritt, welche jene erstere in den Hintergrund drängt. — Das Resnltat. das sich uns hieraus ergibt, ist, daß jede derartige denkbare Veränderung in der Ausübung der Thoragebote keineswegs ein Wechsel an der Thora selbst, sondern bloS ein Wechsel in den äußern Verhältnissen und Umständen ist, und der Satz von der Ewigkeit der Thora wird hiervon nicht berührt!" — So weit Abravanel. Der biedere Herr Oberrabbiner Fasset wird es mir gewiß nicht als Unrecht aurcchnen, daß ich durch Mittheilung obiger Zeilen dazu beitrage, ״daß der Name des Tobten erhalten bleibe bei seinem Erbe!" — Den ausgeschriebenen Preis des Rabbi Letsch aber, die Orthodorisinnig in. optima lorma, brauche ich für Abravanel nicht in Anspruch zu nehmen, da ihm diese Ehre bereits von dem berühmten R. Josef Jabez zu Theil wurde; dieser erkennt nämlich dem gelehrten Don die Palme zu, weil er bei seinem jedesmaligen More-Vortrage, nachdem er Maimunis Worte genau erklärt, nie zu bemerken vergaß: ״Das ist die Meinung des Rabenu Mosche aber nicht des Mosche Rabenu.'" Der schon vor 300 Jahren orthodorifirte Abravanel hat also ganz schön ausgeglichen, was Rabbi Letsch nur auf Kosten der armen Kultur wegzuquelschen vermag. Nach Abravanel wird es auch Herrn Rabbiner Kutna schwerlich gelingen, eine neue Antwort zu finden, und den schönen Preis zu erringen! '-׳־ Lorresponderiz. Ausland. Paris, 15. September. Eine telegraphische Depesche aus Semlni unterrichtet das Zentralkomitö der Alliance israölite universeile von einer neuen Verfolgung der Serbischen Juden und von deren Vertreibung aus Schabatz. Das Zentralkomitv beschloß, diesem Zustande schnelle Abhilfe zu leisten und richtete fich in diesem Sinne an die Serbische Nationalversammlung. (Arek. isr.) Inland. (Lk) Wien, 15. September. Ich will Ihnen heute eine Thatsache mittheilen, die für die Inden Oesterreichs nicht minder erfreulich ist, als welche Errungenschaft immer, die das vergangene Jahr in seine Annalen registrirt hat. Ein schlichtes, schwarz gelocktes und schwarzäugiges Judenmädchen mit einem Herzen unauslöschlicher Liebe und fast ungewöhnlichen Hasses fand nach jahrelangem Betteln Einlaß.in einen Musentempel, wo sonst ״profane Menschenkinder" nicht geduldet wurden: des jüdischen Dichters Mofenthals ״Deboray" wurde in das Repertoir des Hofburgtheaterö aufgenommen, und im Verlaufe

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