Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 38 (21.9.1864)
- Date
- 1864-09-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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765 766 Es hat sich hier der Segen des geistigen Wechselverkehrs, jenes moralischen Gebens und Zurückempfangens ganz sichtbar herausgestellt. Der Monotheismus ist vom Judenthume ausgegangen, vorzüglich hat der Islam denselben in sich ausgenommen;*) dagegen hat das Judenthum wiederum von der Filosofie des Islam — dem Kelam — das Streden, die Gotteseinheit spekulativ darzuthun, zurückempfangen. Selbst Bachja Jbn-Bakuda, der immer mehr zum Gemüthe als zum Geiste seiner Leser sprechen will und der, wie sein Zeitgenosse Gazali, die praktische Moral weit über die spekulative Forschung setzt, hat sich bei diesem erhabensien Momente des Glaubens ganz entschieden auf den filosofischen Standpunkt gestellt, um die Untersuchung über die göttliche Einheit auf dem ״Wege der Spekulation" mit seinen Lesern vorzunehmen. Wer die Einheit Gottes, sagt er, mit vollem Herzen, d. h. nicht bloS mit den Lippen, sondern in vollster Uebereinstimmuug von Herz und Zunge anerkennen will, der muß durch filosofische Beweise den Glauben an die Einheit in sich zur filosofischen Ueberzeugung erheben. Mit Recht habe daher ein Weiser behauptet: Nur die beiden, der Profet und der Filosof, können Gott in Wahrheit dienen, da jeder Andere in Gott ein Etwas verehrt, das jenem erhabenen Begriffe ganz ferne liegt, * * * * * 6 * 8 *) und es sei daher heilige Pflicht eines Jeden, dem die Gabe hierzu geworden, über die Einheit?) spekulativ nachzudenken, denn nur dann könne er im Stande sein, — was da vorzüglich Noth thut — die eigentliche Einheitvon der uneigentlichen") zu unterscheiden. Dieser letztere Punkt zieht sich wie ein rother Faden durch die ganze jüdische Religionsfilosofie. Maimuni in seinen 13 Glaubensartikeln spricht sich hierüber in folgender Weise aus: ״Die zweite Grundlehre betrifft die Einheit Gottes, d. h. wir glauben, daß derjenige, der die Grundursache alles Seienden ist, Eines ist, nicht wie das Eins der Gattung und nicht wie das Eins der Art, auch nicht wie das aus Theilen bestehende Individuum, das sich in mehrere Einheiten zerlegen läßt, oder wie der einfache Körper — das Element —, Eins der Zahl nach, doch theilbar ins Unendliche; sondern Gott ist von einer Einheit, der keine sonstige Einheit irgendwie gleichkommt." 10) Uebrigens handelt schon Aristoteles, mit Bezug auf die Einheitslehre der Eleaten, aussührlich über daS Eins *) Es hatte diese Aufnahme des EinheitsbekenntniffeS dem Islam weit mehr genützt, ihn mit größerer Widerstandskraft begabt, als die ruhmbedeckten Waffen mohamedanischer Helden. Krug (Eusebiologie Abschn. 11, §. 12. 9lmn. 1) sagt hierüber: Die monotheistische Vorstellung deö Islam ist vielleicht mit eine Ursache, daß das Christenlhum, welches einst in Nubien so herrschend war, daß es dort bereits 17 Bisthümcr gab. in diesem Lande fast ganz verschwunden und vom Islam verdrängt ist. Derselbe Fall findet auch in den Oasen statt. S. Rob. Walpole's memoirs rclating to european and asiatik Turkey Nr. 27. s) שער היהוד cap. 1. 6) Das. cap. 2 לא יוכל לעבוד עילת העילות . ... אלא נביא הדור בטבעו ׳או הפלוסוף המובהק במה שקנהו מן ההכמה ובו׳ י י י י ד) Der ncuhebräische Ausdruck יהוד ist dem arabischen תוהיר nachgebildet. Letzterer Ausdruck erinnert uns au den Sektirer Al-Halladsch, der um seinen Glauben befragt, antwortete: Drei Buchstaben ohne Punkte, und zwei mit Punkten bezeichnet! Und man sagte, er habe hiermit das EinheitSbekenntniß gemeint — תוהיר —, da in der NeSchischrift bekanntlich ו und 1 diakritische Punkte erhalten. Vergl. Haarbrücker in den Anmerkungen zn Sharastani S. 418. 8) und אחר תאמת ף und אחר העובר• ") Vergl. auch Zcsode Ha-Tora I. 7. (rö tv) und bemerkt, daß selbst der metafisische Begriff des Eins das Vielfache nicht ausschließen könne.") Albo weist nach, daß nichts außer Gott durch Eins bezeichnet werden könne, nicht einmal der mathematische Punkt, obschon er weder in Wirklichkeit noch in Gedanken theilbar ist, da er aber doch die Stetigkeit mit andern Dingen gemein habe. Ja, selbst das numerische Eins, das wol nicht einmal die Stetigkeit mit andern Dingen gemein hat, dagegen jedoch nur etwas Imaginäres ist, so daß der Verstand sich viele solcher Einheiten denken kann.1a) Wir finden diesen Gedanken schon bei Sharastani ausgesprochen. ״Die Gelehrten, welche die Wissenschaft der Zahl und der Rechnung behandelt haben, sagt er, sind über das Eins verschiedener Ansicht,. ob dasselbe nämlich unter die Zahl gehöre, oder ob es das Prinzip der Zahl sei. Diese verschiedene Ansicht geht aus der mehrfachen Bedeutung, welche der Ausdruck Eins hat, hervor. Man sagt nämlich ganz allgemein Eins und versteht darunter das, woraus die Zahl zusammengesetzt ist, denn die Zwei hat keine andere Bedeutung als Eins einmal verdoppelt, in gleicher Weise ist es mit der Drei und der Vier. Man gebraucht ferner den Ausdruck Eins und versteht darunter das, woraus die Zahl entsteht, nämlich die Ursache derselben, welche nicht zur Zahl gehört. Es inhärirt aber auch die Einheit aller Zahlen, nicht insofern die Zahl daraus zusammengesetzt ist, sondern alles Eristirende ist in seinem Genus, seiner Art oder seiner Person Eins; man sagt ein Mensch und ein Individuum, und bei der Zahl ist es ebenso, denn die Drei ist darin, daß sie drei ist, Eine. — Die Einheit in der ersten Bedeutung also gehört unter die Zahl, in der zweiten Bedeutung ist sie Ursuche der Zahl und in der dritten Bedeutung inhärirt sie der Zahl. Unter den drei Fällen ist aber keiner, dessen Bedeutung auf den Schöpfer anzuwenden wäre." 13) Diese Schwierigkeit nun, Gott durch das Eins zu bezeichnen, hat eine Theorie erzeugt, zu der beinahe alle jüdischarabischen Schulen sich bekannten: ״Wenn wir sagen, Gott ist eins, so bedeutet dieses blos, Gott ist kein e Me hrhe it." ") Wir sagten aber, von der Filosofie des Islam sei das Streben ausgegangen, die göttliche Einheit filosofisch zu erweisen.^) In der That hatte der Kelam vier Fragen zum Vorwurfe seiner dialektischen Untersuchungen gemacht: Das Dasein Gottes, dessen Einheit und Unkörperlichkeit, sowie die Schöpfung aus Nichts. Die Leser des ״Ben Chananja" '0) haben uns bei Darstellung der kelamistischen Theorieen in der letzter» Frage freundlichst begleitet, wir wollen hier nun auch die Beweise der Mutakallimnn für die göttliche Einheit in Kurzem entwickeln. (Fortsetzung folgt.) ") Phys. I. 2: Evtavta di d1t]71ö()0vv nai ü^tof.öyovv ro Sv TzoXXd eivut x. t. k. ") Vergl. auch Jbn-Zadik, עילם קטן pag. 40. ... . אהר הממסר אינו כאחד האלהוח 3י) Sharastani Th. II. S. 381 ff. ") סקולנא הו ואחד אלמעני נסי אלכתר״ה• ,5) Als Gewährsmann dafür gilt nnS Maimuni, welcher sagt: זה המעט מזעיר שתמצאהו מן עניין היחיד ׳ ומה שנתנלה מוח העניין לקצת הגאונים ואצל הקראים . הם עניינים לקחום מן המדברים מן חישמאלים. (More 1,71). 16) Jahrgang 1862, Nr. 14.