Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 38 (21.9.1864)
- Date
- 1864-09-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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761 762 ersterer wurde als General zum Fürsten erhoben, letzterer mit der Würde des Palatinats bekleidet. Er war der letzte Palatin aus der Mitte der ungarischen Magnaten, da nach ihm diese hohe Stelle stets mit einem Erzherzoge besetzt wurde. Dem Palatin, der auch das Recht besaß, Münzen mit seinem Bilde zu prägen, folgte in der Regierung der Battyanischen Güter sein Sohn, Graf Josef, Kardinal und Fürst- Primas von Ungarn, der Liebling von Kaiser Josef, der auch jener berühmten Audienz des Papstes Pius VI. bei Kaiser Josef (1782) beiwohnte. Als Unterthanen dieser eminenten Persönlichkeiten hatten die hiesigen Israeliten freien Zutritt zu ihrer Herrschaft, konüten oftmalig Fürsprache zu Gunsten ihrer Glaubensgenossen einlegen, und zur Erleichterung ihres Schicksals beitragen. Bevor wir jedoch in der Beschreibung unserer Geschichte weiter schreiten, wollen wir die wichtigsten Familien der hiesigen Gemeinde aus dieser Zeitepoche erwähnen. An der Spitze ragten vier Familien als Tonangeber und Leiter der Gemeinde hervor, deren Nachkommen noch heutigen Tages ansehnliche Gemeindemitglieder sind. Da vor dem Namensedikte Josefs (23. Juli 1787) eigentliche Familiennamen unter den ungarischen Juden noch nicht gang und gebe waren, führten sie ihre Benennung-nach dem Namen einer Ahnen- Mutter: Keltische, Hillische, Edelische und Tarzelische. Nach Erlaß des Ediktes nahm ein Zweig der Nachkommen der reichen und ansehnlichen. Witwe Kellis den Familiennamen Rechnitz an, ein anderer Zweig nannte sich Meiersberg. Die Nachkommen der ebenfalls reichen und ansehnlichen Frau Hille verzweigten sich in drei Linien: Gutmann, Strauß und Löwenstein. Besagte Frau Hille stammte auS Frankfurt und soll eine Verwandte von R. Samson Wertheim gewesen, sein, sie führte hierorts das Fabrikat von Spitzen ein, womit sie viele arme -Personen beschäftigte und einen ansehnlichen Handel nach Wien betrieb. Die Frau Edel war Tochter oder Anverwandte des berühmten und ansehnlichen Wiener Vorstehers, Abraham Levi Ausspitz, der durch seinen Wohlthätigkeitssinn, besonders durch Verwendung von großen Summen izur Befreiung der jüdischen Gefangenen,aus Ofen, sich ein ewiges Denkmal errichtete.*) Der Name Ansspitz, früher in der. hiesigen Gemeinde sehr zahlreich, wie auch die Nachkommen der vierten Ahnen-Mutter eristireu hier nicht mehr. — Außer diesen Familien, die zu den ersten Begründern der hiesigen Gemeinde gehörten, gab es noch folgende ansehnliche Häuser: das Ungarische, dessen Begründer Joel und sein ׳in der Folge zum großen Ansehen gelangter Sohn, Ahron *) Auf seillkm Grabsteine am Wiener jüdischen Friedhofe, wo dieser Auslösung der Ofner Gefanzeneu besonders Ewähnung geschieht, heißt es auch von ihm, wie von R. Samson Wertheim שסייע לבנון בה״כ בק״ק א״ש Er starb am ersten Jjar 501—Mai 1741. Seinem Namen wird das unerklärliche Epitheton: רעבץ beigelegi. Ungar, Arendator der Güter des Fürsten Primas, eine wichtige Nolle in der hiesigen Gemeinde spielten; die Kitzeische Familie, die sich in drei Zweige theilte: Neinfeld, Leitner und Schönwald; ein Abkömmling dieser Familie, Herr David Reinfeld, ist gegenwärtig Major in der sardinischen Armee. Die Feiblische Familie, aus welcher mehrere jüdische Gelehrte hervorgingen, unter Anderm der nun in Wien lebende Hebraist und Typograph S. G. Stern. Die meisten dieser Familien hatten als Erbauer des hiesigen Tempels auf dessen inneren Mauern ihre Namen verzeichnet und besaßen auch das Recht des Verkaufes (קדימה). Die zwei ansehnlichsten Familien der Jetztzeit, die Pick'sche — begründet durch den achtbaren achtzigjährigen Greis, Aron Pick, — und die Weißische, gehören dem jetzigen Jahrhundert an. Nach dem Ableben des Rabbiners Ahron Sabbathai Proßnitz (1747) wurde P. Jehuda Löb Staßow (von einer in Russisch-Polen liegenden Stadt so benannt) zur Besetzung dieses Amtes berufen. Ueber seine frühern Verhältnisse ist nichts bekannt. Jedenfalls fungirte er hier schon im Jahre 1748, wie dies aus einer mir vorliegenden, mit seiner Unterschrift versehenen Urkunde hervorgeht. Besagte Urkunde enthält die Zusicherung von 1000 Stück Dukaten, die ein gewisser Lipmann seinem Schwiegersöhne als halb männlichen Erbtheil (ש״הז) verschrieb, was in damaliger Zeit gewiß eine hübsche Summe war, und von dem Wohlstand der hiesigen Gemeindemitglieder zeugt. In einem vom Nikolsburger Vorstand aus dem Jahre 1749 an Staßow gerichteten Schreiben wird sein Einfluß und Beistand für einen Nikolsburger Einwohner, der in Rechnitz Schulden einzukaffieren hatte, in Anspruch genommen. Staßow wird darin mit aller gebührenden Reverenz angesprochen. Er fungirte hier als Rabbiner 20 Zahre, hatte aber eine Zeit lang einen religiösen Kampf nach Innen, wie nach Außen.zu bestehen. Zn seiner Zeit tauchte aufs Nene die Sekte der Sabbatäer ans, die vorzüglich in Mähren und Böhmen viele Anhänger erhielt, und sich von da nach Ungarn ausbreitete. Staßow wurde der Anhänglichkeit an dieser Sekte angeklagt, und für einen geheimen Beförderer derselben gehalten. Zu welcher Zeit seiner hierortigen Amtirn.ng dieser Streit gegen ihn ausgehrochen, ist nicht genau zu ermitteln, da sich nichts darüber in/den hiesigen Gemeindebüchern vorfindet. Eine Notiz darin scheint jedoch auf den Beginn dieses Streites hinzudeuten. Derselbe lautet: ״Im Beisein der elf Männer und mit Zuziehung , der höchst Besteuerten wurde, beschlossen, daß der hierortige Rabbiner sich nicht mehr unterstehen soll, ohne Vorwissen des Vorstandes ein Gemeindemitglied und in specie ein Beamtetes in Bann zu legen oder au feiner Ehre zu kränken; , dies .geschieht, um den Frieden zu befestigen nnd Streitigkeiten zu verhindern; sollte jedoch der Rabbiner diesen Beschluß unbeachtet lassen, so wird er von dieser Stunde an