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Ben Chananja · 1864-09-14 · 37 (14.9.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
37 (14.9.1864)
Date
1864-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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747 748 Zu der Gedankenkette, deren Betrachtung diese Zeilen gewidmet sind, gehört auch diese Anschauung als ein ein- -einer Ring. Mit einigen unwesentlichen Veränderungen ist dieser Gedanke auch zu den Mohamedanern übergangen.^) Man könnte diesen und ähnliche Gedanken die Chemie der moralischen Welt nennen, Atome der Kulturgeschichte. Göttliches und Weltliches liegt in diesem Gedanken gemischt. Vernünftig gebraucht, können sie sich nützlich erweisen. ES herrschten früher in der moHamedänischen Welt große Streitigkeiten über die Nachfolge der Jmame. Feuer und Schwert gaben oft Nachdruck den gegenseitigen Gründen. An sich ist der Streit rein politischer Natur, es war ein Streit, welche Partei die Herrschaft haben sollte. Er hat aber dennoch zuweilen in die Filososie und in das Aeußere der Religion eingegriffen, 3) ohne weder auf das Eine, noch auf das Andere einen wohlthätigen Einfluß auszuüben. Wie eine Wolke in höhern Lüften, schwebt über alle diese traurigen Streitigkeiten der Gedanke — Menschliches und Göttliches verbindend —, daß die Welt nur durch eine A n z a h l von Frommen erhalten wird. Hat dieser Gedanke einen praktischen Werth? Vielleicht nicht. — Ist es vielleicht ein Ideal der Menschheit? Vielleicht ist er's! Ist diese Bestrebung profitable im gewöhnlichen Sinne des Wortes? Wol nicht. Wäre sie es wirklich, so wäre die Zahl der Heiligen viel größer, das Verdienst aber auch viel kleiner. Mag unsere Vermuthnng als solche gelten. Das Vielleicht wirb sich nie in eine Gewißheit verwandeln. Entscheiden kann man nicht. Kann das Vielleicht sich nicht in Gewißheit perwandeln, und kann man auch nicht entscheiden, so darf man wenigstens Aehnliches vorführen, bas jedenfalls zum Nachdenken Anlaß geben kann. Serie ca empfiehlt, daß man sich in Gedanken vorstelle, daß ein tugendhafter Mann — etwa Cato — uns allenthalben begleite; es würde dieses, nach seiner Ansicht, unS von Manchem abhalten. Man könnte dieses ein wanderndes und wandelbares Ideal nennen. Die Erinnerung sollte hier im Dienste der Tugend gebraucht werden, Vergangenheit und Gegenwart zu verknüpfen. Der Gedanke an sich ist sehr interessant. Cato als Wächter ist sehr nützlich. Ob von diesem Präservativ oft Gebrauch gemacht wurde, davon schweigt leider die Geschichte. Das Bild Jakobs soll dem Josef erschienen sein in dem Angenblicke, wo die Tugend des keuschen Jünglings auf so harte Probe gestellt wurde. Es ist dies eine legendenartige Erzählung des Midrasch.5) Es liegt nichts Wunderbares in dieser Legende, es enthält nur rein Menschliches. Nach unserer modernen ') Zn dem sehr schätzbaren arabischen Wörterbuch von Lane findet man (Theil I. S. 168) HirhergehörigeS. Bergt. auch Sharastani I, S. 58 (deutsche Ucbersetznng.) ') Die christlichen Streitigkeiten im Mittelalter zwischen den Päbstcn und den Kaisern dürfen als Seiteustück zu den genannten moha medanischen Streitigkeiten betrachtet werden. Anschauung würden wir sagen, daS bessere Ich, unter guten Mustern erzogen, hat sich derselben in Zeiten des Schwankens erinnert. Im Angesichte aber des angeführten Gedankens des Seneca erhält die Legende des Midrasch ein erhöhtes Interesse. Der Psalmtst sagt שויתי ה' לנגדי תמיד Es stehen diese Worte höher. Sie enthalten Lehren von der Allwissenheit Gottes. Diese tritt hier als Begleiterin des Menschen auf. Es gibt dieses mehr Nachdruck den menschlichen Entschlüssen. Sertius hat die merkwürdigen Worte: ״Möge Gott in allen deinen Handlungen dir immer gegenwärtig sein." ®) Es ist dieses eine Begegnung mit dem Psalmisten. Der in Rede stehende Gedanke von der Existenz einer Anzahl von Frommen in der Welt, steht seinerseits wieder mit andern Gedanken in Verbindung. Einerseits hängt er mit dem Gedanken von der Ersprießlichkeit der Verdienste der Frommen und ihrer Nützlichkeit für die ganze Welt znsammen. Dieser Gedanke wurzelt tief in allen Religionen. Anderseils steht auch der in Rede stehende Gedanke mit dem in Verbindung, daß der Mensch der Zweck der Schöpfung sei. Eine Ansicht, welche ebenfalls geistig erhebend für den Menschen ist. Auf den Flügeln der Phantasie steigt der Historiker allenthalben herum. Alles ziehet an ihm vorüber. Er sieht die Gedanken reise 'ד עמלה רעיונית) vorbeirollen, sieht den Mittelpunkt derselben, und merkt auch die inner» Znsammenhänge. Das Einzelne ist allenthalben die Leiter, worauf man zur Betrachtung des Allgemeinen emporsteigt. So ist es auch in der Geschichte. Es ist allenthalben viel Einzelnes, welches oft nicht beachtet, oft nicht der Beachtung werth gehalten wird. Es ist die Pflicht des Historikers viel Einzelnes zu betrachten. Es ist sein Glück, wenn er das Allgemeine darin erkennt. Die gewöhnlich so genannte Kritik muß für ein höheres allgemeines Urtheil Platz machen. Uebung macht allenthalben den Meister, und bei vielen und sorgfältigen Betrachtungen zeigt sie dem Auge des Historikers Manches, welches nicht auf der Oberfläche liegt. Die Urtheile desselben, wenn sie auch nicht immer auf unbedingten Glauben Anspruch machen können, haben wenigstens ein Recht auf höhere Beachtung. Ohne die Grenzen der Bescheidenheit zu überschreiten, noch die für den Leser schuldige Höflichkeit auö den Augen zu setzen, darf man folgende talmudische Worte anwendnngsweise gebrauchen. 1. שתיN11 ׳:Ni 5^N .1׳N1 אתה רואה 8j ראיות ״Du thust nur einen Blick, ich thue zwei Blicke." Die angeführten Worte können vielleicht auch als Entschuldigung für etwaige Digressionen dienen, falls solche sich wirklich bemerklich gemacht haben sollten. Es hat, <) Briefe Nr. 10. -) Breschith rabbah Kap. 87. איקונין של אבי דאה ויכנן דמו. «) Sprüche Nr. 215. ד) Ucber diesen Ausdruck haben wir bereits oben (S. 427) einige Worte mitgetheilt. ') Scheu, oty rabba Kap. 3.

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