Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 36 (7.9.1864)
- Date
- 1864-09-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543158--3852-2547768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
733 734 Wenn man ferner mit der ungarischen Ausbildung vieler neudiplomirter Lehrer nicht zufrieden ist, haben wir gleichfalls zur Genüge dargethan, daß die Präparandie dafür um so weniger verantwortlich gemacht werden kann, als sie solche Subjekte a'ufzunehmen genöthigt ist, welche nicht einmal das ungarische ABC als Vorbildung mitbringen. Anders wäre es aber mit den Kandidaten, welche aus unserer Mittelschule hervorgingen. Aehnliche Vortheile könnten wir noch sonst hervorhebcn, die sich aus der Verwirklichung unseres Wunsches unfehlbar ergeben müßten. Wir überlassen indeß die Auffindung derselben dem nachdenkenden Leser, und wollen uns dafür deutlicher erklären, wie wir uns die projcktirte Lehranstalt zugleich auch als ״Pflanzstätte" der Präparandie denkest. Die k. Musterhauptschnle wird von beiläufig 400 Kindern besucht, die zum großen Theil armen Eltern angehören. Unter diesen findet sich immer eine erkleckliche Anzahl solcher, welche sich vermöge ihres sanften Temperamentes, guter Sitten und Fähigkeiten, namentlich aber wegen ihrer Armuth — zur Erziehung und Heranbildung für den Lehrstand vorzüglich gut eigneten. Wird nun die fragliche Anstalt als Mittelschule zwischen der Elementarhauptschnle und der Präparandie eingefügt, so könnten die betreffenden Lehrer auf die armen, aber braven Zöglinge leichtlich derart einwirkeu, daß sie zum Lehrfache Lnst bekämen und sich demselben widmen zu wollen erklärten, während der drei Jahre der Realschul-Frcquenz könnte aber, namentlich in Bezug auf das Nugarische und Hebräische, besonders Bedacht aus sie genommen werden, so daß fie für die Präparandie gehörig vorgcbildet und für das Lehrfach quasi erzogen und frühzeitig angelcitet, gewiß dereinst vortreffliche Jugendlehrer abgeben würden. Freilich setzt dieser Vortyeil voraus, oder macht es wenigstens wünschenöwerth, daß die gegenwärtig an der Musterhauptschule und Präparandie wirkenden Lehrer auch an der neu zu kreirenden Realschule beschäftigt seien, dies ist aber um so leichter ausführbar, als die Herren größtentheils Technik gehört oder für den Unterricht an einer dreiklassigen Realschule bereits befähigt sind. Nun, da wir unser» Vorschlag, wie wir glauben, eingehend motivirt, erübrigt uns nur noch von den Mitteln zur Realifirung desselden zu sprechen. Wir haben aber die Geduld des Lesers bereits derart in Anspruch genommen, daß wir dies lieber für jene Zeit anfsparenwo unser Plan, wie wir hoffen, an geeigneter Stelle bereits gewürdigt und als ausführbar befunden worden sein wird. Bis dahin empfehlen wir denselben der Besprechung wohlwollender Fachmänner, sowie der Gewogenheit der Schul- und Jugendfreunde. L o r r e s p o >k L e n Ausland. Trier, 24. August. Herr Rabbiner De. Hochstädter ist so gütig, mir mit einem herzlichen Schreiben den ״Emser Anzeiger" Nr. 66 zuzuschicken, in welchem ein Aussatz ״lieber den Namen unseres Kurortes Ems", von ihm (Dr. H.) abgedruckt ist. Aus gelehrte und scharfsinnige Weise zeigt er in demselben, daß der Name Ems vom hebräischen Chammoth abzuleiten sei. Da Herr H. wahrscheinlich auch Ihnen diese Arbeit eingeschickt haben wird, so werden Sie das für den ״Ä. CH." Interessante aus diesem mittheilen; ich habe'denselben nur als פזלתא רבדיהותא angeführt, um mich auch hierdurch wieder von hier aus nach Ems zurückzuversetzen und — Ihrem gütigen Verlangen entsprechend — mit meinem Pele-Mele fortzufahren. Ich thue solches um so lieber, als die Aerzte mir, da ich mich noch in der Nachkur befinde, jede anstrengende Beschäftigung verbieten, diese Korrespondenz für den ״B. CH." aber für mich eine leichte und angenehme Beschäftigung ist. Nach dieser Einleitung fahre ich mit den frühern Rubriken (s. ״B. CH." Nr. 33) fort: 5. Unsere Glaubensgenossen machten in GmS einen großen Theil der Kurgäste aus; Einige behaupten ein Drittel, ja sogar die Hälfte derselben seien Inden. Dasselbe Vekyältniß soll auch in den meisten Kurplätzen stattsinden. Ztt den Kurlisten erkennt man auch sogleich sehr viele unserer Glaubensgenossen an dem Namen, vorzüglich häufig finden sich die Levis in allen verschiedenen Schreibarten (Löwi, Lcvy u. s. w.) nnd dann Kahns (Cohen, Cohen, Cain, Kahana u. s. w.). Diese Erscheinung ist gewiß eine sehr erfreuliche, da sie einen schönen Kontrast zu der im Anfange dieses Sekulumö herrschend gewesenen Antipathie gegen alle jüdischen Namen bildet. Im Sinne einer talmndischen Behauptung לא נגאלו אבותינו אלא מסני שלא שנו את שמם werden wir Israeliten auch jetzt nnr als solche, und indem wir uns als solche öfseullich zeigen aber nicht durch ein Verleugnen und Aufgeben unserer Namen und Abstammung von allen Beschränkungen und Ausschließungen befreit werden. — Die große Frequenz von Israeliten an allen Kurorten bietet uns eine andere sehr erfreuliche Wahrnehmung dar, die nämlich, daß der Wohlstand unter unfern Glaubensgenossen bedeutend zugenommen, daß besonders ein solider Mittelstand — nicht mehr einige hervorragende Banquiers — sich unter denselben durch Fleiß und Industrie gebildet hat. Wahrlich ein guter Ersatz für unsere Ausschließung von Staatsämtern, wodurch auch die fähigsten jungen Leute sich dem Geschäfte und dem Fabrikwesen wivmen und es daher auch hierin weit bringen müssen. Durch diesen Wohlstand find auch die israelitischen Gemeinden im Stande, die unsäglich großen Opfer für Schule und Kultus zu bringen. — 6. Ich hatte Gelegenheit, mit mehreren schon ältern echt Altgläubigen, sowie mit einigen jüngern sogenannten Neuorthodoren Bekanntschaft zu machen, und hierbei den großen Unterschied zwischen beiden wahrzunehmen. Die Ersteren, so echt und ganz fie auch für alles Alte eingenommen sind, daran fcsthalien nnd mit Herz unv Gemüth auch das Kleinste befolgen, zeigen sich doch tolerant gegen manches Neuere, wenn solches nicht zu weit geht, anerkennend unv zuge» bend, daß in jetziger Zeit nicht Alles׳ wie früher bleiben könne, und die Jugend nicht so streng, wie sie, die Alten, leben können. Sie schimpfen und eifern nicht gegen Andersdenkende und Handelnde und fügen sich auch in manche neuere Umgestaltungen des Gottesdienstes. Ich habe mich mit einigen dieser wahrhaft Frommen gcfreuel, mich denselben in inniger Herzlichkeit genähert, sowie solche sich auch mir, und schieden wir gerührt in Freundschaft von einander, mit dem aufrichtigen Versprechen, uns bei der ersten günstigen Gelegenheit zu besuchen. — Welchcn Kontrast zu diesen bilden aber die jüngern Neuorthodoren? Diese ostentiren mit ihrer Frömmigkeit, tragen solche überall zur Schau, und wollen als Ausgezeichnete und Märtyrer gelten und anerkannt werden. Sie schimpfen und eifern gegen die Neuerer und die von den ihrigen abweichenden neuen Richtungen und freuen sich vom Herzen, wenn sie bei einem auch nur dem gemäßigten Fortschritte zugethanen Rabbinen und den von ihnen getroffenen Einrichtungen im Gottesdienst auch die geringste Blöße entdecken. Man sieht es ihnen oft an, daß es ihnen nicht so ernst mit ihrem Frommthun ist, und diese ihre Frömmigkeit nicht von Junen herauskömmt, sondern eine von Außen ausgepropfte und nur im מצות אנשים מלומדה ist. Daher nimmt man dann auch so manche Jttkonscquenzen bei ihnen wahr, wodurch sie sich oft lächerlich machen. So wollte einer derselben einem andern echt frommen Manne mit dem er am Freitag Nachmittag bis zum Eintritte des שבת eine Promenade machte, — seine Geld börse abgeben, die derselbe ihm aufbcwahren möchte, was dieser aber mit Indignation ablehnte, wie er selbst mir solches erzählte. Ich gab ihm vollkommen Recht zu seinem Unwillen über diese Zumuthung von Seiten seines Gefährten, da dieser ihn nach