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Ben Chananja · 1864-09-07 · 36 (7.9.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
36 (7.9.1864)
Date
1864-09-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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731 732 lich im Thore der Stadt. ES hat mithin durchaus nichts Befremdendes , daß gelehrte und erfahrene Männer, auch ohne Anspruch auf Profetie zu machen, es versuchten, über höhere Interessen zu ihren Mitbürgern zu reden. Der Spruch: ״Zu hoch hängt für den Dumme» die Weisheit, im Thore thut er den Mund nicht auf", (Spr. 24, 7) mag weniger hieher gehören, da sich derselbe wol auf die Theilnahme an der gerichtlichen Verhandlung bezieht. Wenn aber Jesajas (29, 21) und Amos (5, 10) von einem ״Strafredner im Thore (״(מוכיח בשער reden, so ist durchaus kein Grund vorhanden, sich unter dem Strafredner nur einen Profeten zu denken. Die מוכיחים der Sprüche wird doch gewiß Niemand auf Profeten beschränken wollen (24, 25.28, 23.). Aus all dem ergibt sich, daß es außer den Priestern und Profeten noch einen Lehrstand im alten Israel gab: die Spruchweisen, wie man sie bisher nannte, und die man füglich auch die Filosofen nennen könnte. Die Priester beriefen sich, indem sie lehrten, auf das Gesetz, die Profeien auf höhere Eingebung, die Filosofen auf Vernunft und Erfahrung. Der Neigung dieser Letzteren zum gelehrten Forschen öffneten sich im letzten Jahrhundert des ersten Tempels neue, nationelle Bahnen, und als Resultat der von ihnen eingeschlagenen Richtung trat im letzten Jahrhundert des zweiten Tempels das Rabbinerthum hervor. (Fortsetzung folgt). Einige Fragen in Bezug auf -ie kön. israelitische Lehreriiil-nngs-Rnstalt. Von Israel Bargell a. III. Wie wäre der k. i sr a elitisch e u Pr äp arandi e i u Pest eine geeignete Pflanz- und Vorschule zu schaffen? (Schluß.*) 1. Kommunales Interesse. Es ist bekannt, daß die hiesige städtische Realschule derart überfüllt wird, daß man bereits zu dem Nothbehelf der Parallelklassen Zuflucht nehmen mußte, ohne dadurch in die Lage versetzt zu werden, allen Aspiranten die Ausnahme gewähren zu können. Wir erfahren zwar, daß schon mit Beginn des nächsten Schuljahres mit der Theresienstädter kath- Elementarhauptschule eine Unterrealschule in Verbindung treten soll, wodurch dem beregten Uebelstande für den Moment gewiß vortheilhaft abgeholsen werden wird. Doch bei der erstaunlich schnellen Zunahme der hiesigen Bevölkerung, die vorwaltend dem Handel und den Gewerden obliegt, ist es leicht vorauszusehen, daß sich recht bald die Noth- Wendigkeit der Errichtung neuer Realschulen Herausstellen wird. Die hiesige Kommune würde es uns daher ganz gewiß Dank wissen, wenn wir durch die Verwirklichung obigen Vorschlages der hiesigen Oberrealschule einen Theil ihrer Zöglinge abnehmen möchten. t2. Sp ezifi sch jüdische s Interesse. Durch die Errichtung einer dreiklaffigen Realschule allhier würden aber auch religiöse Bedenken behoben und außerdem wäre ein werthvolles Mittel gefunden, strebsame, talentvolle jüdische Pädagogen aufzumunlern und anzuspornen. In Folgendem wollen »vir uns näher erklären. Jedermann weiß eS, daß die jüdischen Schüler der hiesigen stadtischen und zugleich katholischen Realschule namentlich an Sabbath-und Feiertagen mit ihrer Religion in Kollision gerathen, weil die in den untern Klassen ungemein wichtige Gleichartigkeit der Disziplin Ausnahmen zu Gunsten einer sehr beträchtlichen Schülerzahl als unstatt- Haft erscheinen läßt. Ebenso bekannt ist es, daß die aus der Elementar-Hauptschule in die Realschule übertretenden jüdischen Kinder aus der Religion und namentlich der heiligen Schrift nur noch sehr mangelhaft unterrichtet sind, daß aber an eine Weiterbildung und Vervollkommung in denselben während der Frequenz der christlichen höhern Anstalt, wie es die Ersahrung leider lehrt, nicht zu denken ist. Diese Bedenken würden nun, wenn unser Vorschlag sich verwirklicht, ebenfalls wegfallen. Was endlich das Mittel zur Aufmunterung und Anspornung fähiger jüdischer Pädagogen anbelangt, müssen wir uns, damit wir nicht mißverstanden werden. etwas weitläufiger auSlaffen. Es ist schon mehrfach hervorgehoben »vorden, daß in früherer Zeit die fähigsten und strebsamsten jungen Leute sich dem israelitischen Lehrfache »vidmeten, während gegenwärlig zumeist Subjekte ohne jegliche Begabung sich in die Präparandie drängen. Aber wer die materielle Richtung unserer Zeit kennt, wird sich darüber gewiß nicht wundern. Lauten doch die Losungsworte der Gegentvart: ״Zeit ist Geld" ״Wissen ist Macht." Und wer will es in einer solchen Zeit einem gescheidten fähigen Jünglinge verdenken, wenn er eine Karriere verschmäht, die weder Ruhm, noch Ehre, noch Wohlstand in Aussicht stellt? Eine Stelle an der hiesigen israelitischen Normal- oder Muster-Hauptschule, mit der ein Gehalt von sechs bis siebenhundert Gulden verbunden, ist der Gegenstand, nach welchem Hunderte braver Landlehrer mit schmachtenden Augen hinanfblicken; — sonstige Ehren, Würden oder einträgliche Aemter gibt es für den Pädagogen nicht, und wenn er auch das Wissen eines Humboldt und die Amtstüchtigkeit eines Pestalozzi in sich vereinigte. Warum aber dem Lehrer allein idillische Genügsamkeit zumuthen? Doch wir bemerken, daß wir mnvillkürlich in einen Ton hineingerathen, der sich wenig schickt zur Erörterung eines Gegenstandes, »velcher die vollste Nüchternheit beansprucht. Verzeihung! Der Gedanke an das unverdiente Mißgeschick lo vieler braver Männer übermannte uns für den Augenblick; doch find wir schon wider ganz kalt und nüchter». Gleichwol scheuen »vir uns aber nicht, unsere Betrachtung mit dem Geständniß zu schließen: wir wünschen schon deswegen die Errichtung einen höher!» israelitischen Lehranstalt, damit auch dem Ehrgeiz des strebsamen jüdischen Lehrers einige kräftigere Nahrung geboten »verde. .3. Interesse der jüdischen Präparandie. Schließlich »vollen »vir unser»» Vorschlag auch vom Standpunkte unseres speziellen Themas prüfen und uachsehcr», in »vie ferne die mit der kön. isr. Präparandie zu verbindende Lehranstalt eine Pflanzstätte u»»d Vorschule derselben abzugeben geeignet sei, Wenn gegen die Lehrer, »velche in der isr. Präparandie ihre Ausbildung gervonnen, die Klage erhoben »vird, daß sie nicht genug Hebräisch wissen, haben wir bereits nachgelviefeu, daß dieser Uebelstand darin seinen Grund ha», daß die Präparandie ihre Kandidaten aus den christlichen Mittelschulen zu holen bemüßigt ist, wo die jlrdischen Schüler nicht die Gelegenheit haben, sich im Hebräischen zu vervollkommnen. Anders wäre es nun freilich mit unserer Realschule. *) S. I: Nr. 81. II: Nr. 86. III. Nr. 35.

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