Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 36 (7.9.1864)
- Date
- 1864-09-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543158--3850-2547766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
729 730 fortzuschreiten." (Werke 10, 244.) Solchergestalt fand der größte Filosof der neuern Zeit das Resultat seiner: eigenen religionsfilosofischen Spekulation in dem Werke eines alten hebräischen Filosofen niedergelegt! Wenn Job in einer seiner Reden den hohen, alle Erdengüter hinter sich lassenden Werth und die Unerreichbarkeit der!חכמו״ preist (28, 12—26), so denkt er dabei nicht an das Gesetz, sondern an die Erkenntniß der Eigenschaften, Ursachen und Wirkungen der sichtbaren Dinge. Er erklärt dies deutlich genug, indem er sagt, daß nur Gott den Weg der חכמה und ihren Wohnsitz kenne: ״Denn er schaut bis ans Ende der Erde, was unterm ganzen Himmel ist, steht er, dem Winde Gewicht zu geben, und das Wasser ordnete er mit dem Maße." (23—25.) Polemisch gegen die Ueberschätzung des theoretischen Wissens und hinweisend .auf die höhere Bedeutung der praktischen Lebensweisheit lautet der Schluß: ״Als er dem Regen Gesetze gab, und eine Bahn dem Wettersirahl, da sah er sie, — die חכמח —, bestellte er sie und erforschte sie: zum Menschen aber sprach er: Siehe des Herrn Furcht ist Erkenntniß (חכמח) und das Böse meiden Einsicht." (26—28.) Dieses Schlußwort enthält keine Definition des Begriffes Chokhma, wie Hitzig meint, sondern eine Distinktion zwischen der objektiven, theoretischen Chokhma, die in ihrem vollen Umfange nur Gottes ist, und der subjektiven, praktischen, die Gott dem Menschen zur Richtschnur gegeben. Verwandt mit dieser Distinktion ist das Wort des Proseien Jeremias: ״So spricht der Ewige: ein Gelehrter rühme sich nicht seiner Gelehrsamkeit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichthums, sondern dessen rühme sich, der sich rühmen will, Vernunft zu haben und mich zu erkennen, daß ich der Ewige bin, der Liebe, Recht und Gerechtigkeit übet auf Erden; denn daran habe ich Wohlgefallen, ist des Ewigen Spruch." (9, 22. 23.) Daß ״der Weise sich nicht seiner Weisheit rühme", wie die meisten Uebersetzungen haben, wollte der Profet sicherlich nicht sagen. Eher dürfte mit einigen Uebersetzern an die ״Klugheit des Klugen" zu denken sein; da aber חכם bei Jeremias fast durchgängig von Gelehrten oder Künstlern gebraucht wird (8, 8. 9. 10. 9. 50, 35. 51, 57>, so wird wol unserer Uebersetzung der Vorzug zu' geben sein. Auch die Gelehrten anderer Länder, wie Aegyptens, Tyrus und Dschebels werden in den h. Schriften als חכמים bezeichnet (2 M. 7, 11. Jesaj. 19, 11. Jer. 50. 35. 51, 57. Ez. 27, 8. 9.) In diesem Sinne ruft Ezechiel dem Fürsten von Tyrus zu: ״Siehe, du bist gelehrter als Daniel; nichts Verborgenes überragt dich." (28, 3.) Daniel war nicht durch seine Weisheit oder Klugheit, sondern ganz vorzüglich durch seine Gelehrsamkeit berühmt. (Dan. 1, 4. 4, 6.) Das zweite Hemistich des angeführten Verses, — nichts Verborgenes überragt dich, — beweist auch unwidersprechltch, daß das Wissen Daniels in Rede steht. Auch der Umstand, daß Jeremias den חכם dem Priester und Profeten koordinirt (18, 18), deutet darauf hin, daß man sich unter Ersterem in engerem Sinne einen gelehrten, durch Wissen besonders hervorragenden Mann dachte, so daß von ihm Aufschlüsse über Fragen erwartet wurden, welche nicht in den Lehrkreiö des Priesters und Profeten gehörten. Pflegten die Chakhamim oder eigentlichen Gelehrten auch öffentlich zu lehren? Direkte Nachrichten fehlen hierüber. In folgenden Andeutungen dürfte jedoch Grund genug vorhanden sein, die Frage bejahend zu entscheiden. Spr. 1, 20. 21.: ״Die Weisheit läßt sich auf der Gasse verlauten, in den Straßen ihre Stimme ergehen; an der Ecke lärmvoller Plätze ruft sie, an den Thoreingängen, in der Stadt redet sie ihre Rede." Warum sind gerade die bezeichneten Orte als Standpunkte der Rednerin gewählt? Nachdem Hitzig verschiedene Meinungen hierüber angeführt und widerlegt hat, sagt er: ״Die Weisheit spricht durch ihre Organe und Vertreter, vorzugsweise durch die Profeten, durch den Mund der Lehrer, welche mit dem Volke täglich in Berührung sind." Da die Sprüche auf das Profetenthum nur wenig Rücksicht nehmen, so wird man hier öffentlich redende, nichtprofetische Lehrer zu verstehen haben. Das. 15, 12.: ״Der Spötter liebt es nicht, daß man ihn zurechtweise; zu Weisen geht er nicht." Nach der Septuaginta: ״mit Weisen geht er nicht um", indem sie את für אל liest. Dafür entscheidet sich auch Hitzig:. ״wer Tadel willig hinnimmt, pflegt doch׳ nicht mit Fleiß zu den Weisen hinzugehen, um sich einen Wischer zu holen." Allein der Tadel, der in öffentlicher Versammlung über Laster nnd Untugenden ausgesprochen wird, ist kein Wischer, den sich der Einzelne holt. Der Spötter will sich aber eben überhaupt nicht getroffen fühlen. Paffender für die öffentliche, als für die Privatbelehrung ist wol auch das Lob der Beredsamkeit das. 16, 23. 24.: ״Das Herz des Weisen witzigt seinen Mund, und mehrt auf seinen Lippen die Lehre. Honigseim sind liebliche Worte, süß der Seele und Arznei dem Gebein." Dasselbe gilt von den Worten: ״Die Lippen der Weisen streuen Kenntniß aus"; (15, 7) ״die Lippen des Gerechten weiden Viele." (10,15.) Den Sitten des biblichen Orients. ist das öffentliche Lehren jedenfalls entsprechend. Mit der Feier der Fest- und Fasttage waren öffentliche Volksversammlungen auf die unzertrennlichste Weise verbunden, wie die Ausdrücke מקראי עצרה ,עצרת ,קראצם',קדש, deutlich genug beweisen. Die Profeten sprachen öffentlich. Gericht gehalten wurde öffent-