Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 36 (7.9.1864)
- Date
- 1864-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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727 728 Operationen des Denkvermögens beziehen. 0) In den Sprüchen deuten die zahlreichen Antithesen und Parallelen ans Tüchtigkeit im Abstrahiren und Reflektiren hin. Ewald spricht von dem gesunden und starken Volksstnne, welcher in der Salomonischen Zeit noch ungebrochen in Israel herrschte, und fährt fort: ״Filososie ist nicht bloS da, wo sie in dem strengen Gesetze des Denkens (der Logik) einherschreitet, oder wo sie alle Wahrheiten und Begriffe in ein geordnetes Ganzes (ein System) zu bringen sucht: man kann zugeben, daß dieses ihre Vollendung sei, aber weder ihr Anfang ist es, noch ihr stets bleibender lebendiger Trieb. Ihr Anfang und ihr Leben selbst ist vielmehr der mächtig erwachte und durch nichts zu dämpfcnde Trieb zum Untersuchen und zwar zum Untersuchen aller Gegenstände ohne Ausnahme, der hohen, wie der niedrigen, der fernen und der nahen, der menschlichen und der göttlichen. Wo die Räthsel der Dinge dem sinnenden Menschen keine Ruhe mehr taffen und sie zu lösen unter den kräftigsten Geistern eines Volkes oder zugleich mehrerer Völker ein unermüdlicher Wetteifer entsteht, da ist schon die glückliche Jugendzeit der Filososie gegeben. Die edelsten der semitischen Völker standen nun offenbar schon in jener frühen Zeit, als die Griechen bei weitem auch nicht einmal so weit gekommen waren, auf dieser Stufe: und Israel, welches außerdem durch seine höhere Religion noch eine besondere Aufforderung zum Nachdenken über die Verhältnisse aller Dinge hatte, trat jetzt auf diesem bessern Felde der Ehre in den ebenbürtigen Weltkampf mit ihnen." (Gesch. 3, 82.) Ferner: ״Die Weisheit der Zeit bestand in einer Fülle von theils schon ganz klaren, lheils noch räthselhasten Erkenntnissen, welche mit. aller Macht hervordrangen, aber noch ganz in ihrer Ursprünglichkeit, also nach der bloßen Wahrheit noch für sich ausgesprochen, noch ohne das Bedürfniß, sich künstlich beweisen zu müssen, sowie ohne inner« Zusammenhang untereinauder und noch ohne das Bedürfniß davon zu fühlen." (Das. 86.) Von besonderer Wichtigkeit für den Gegenstand unserer Untersuchung ist die Bedeutung des hebräischen הכם, nach welcher dasselbe ״viel Kenntnisse besitzen, gelehrt sein" bezeichnet. In diesem Sinne sagt die Schrift, daß die הכמה Salomo's die der Morgenländer quantitativ übertraf (1 K. 5, 10.: והרב, nicht ותגדל), und fügt erläuternd hinzu: ״Er redete über die Bäume von der Zeder auf dem Libanon bis zum Nsop', der an der Wand wächst; über das Vieh, das Geflügel, das Gewürm und die Fische." (Das. 13.) Will man diesen Worten keinen Zwang authun, so kann man dieselben nur auf die Kenntuiß und die Beschreibung der Pflanzen und Thiere beziehen, also auf naturgeschichtliche Gelehrsamkeit. Josefus bezieht die Worte auf die Fabeldichtung Salomo's, weil seine Zeit das Naturstudium vernachlässigte, so daß ihm die Pflege desselben nicht des Rühmens würdig war. Merkwürdiger Weise folgt ihm aber auch Hitzig, welcher sogar den אזוב mit dem Fabel- ,בהן ,תבונה ,־בינה .*אמרה ,*אמר ,*אמת ,*אמונה (° תחבולה .מלמה .לברון,לבר ,'הגיון ,הגה ,דמיירן ,מהקר -חקר ,חיק ,חכמה ,הזיון ,הלון .מהזה ,הדח ,מרע ,דעת ,דעה ,טעם ,מהשבח ,מחשבה ,חשבון ,מענה ,סכלות ,לקה ,חושיה .תורה ,תוכחת,מועצה ,עצה,השכל ,שכל ,משכית.,רעיון ,רעות ,רע ,ערמה ,שמועה. dichter Aesop in Verbindung bringt (Einl. in d. Spr. XVI)! Hitzig konfmldkrt aber auch die verschiedenen Zeiten, wenn er sagt: ״Das Gesetz, Niederschlag des göttlichen Willens, ist die objektive Weisheit." (Das. IX.) In ihrem ursprünglichen Sinne abstrahirt die הכמה vom Gesetze, sich auf rein rnenschlichem Gebiete bewegend. Das großartigste ErzeugNiß der althebräischen Gelehrsamkeit und Filososie ist das Büch J o b, welches trotz seines jüngeren Ursprunges dennoch vom Gesetze gänzlich abstrahirt. Die Probleme, deren angestrebte Lösung auch in unserer Zeit den Nichtfilosofen zumeist Interesse für die Filososie einflößt, kommen.hier züv Sprache. Ueber das Resultat des Büches spricht stch Kant folgendermaßen aus: ״Der Schluß ist dieser: daß, indem Hiob gesteht, nicht etwa frevelhaft, denn er ist sich seiner Redlichkeit bewußt, sondern nur unweislich über Dinge gesprochen zu haben, die ihm zu hoch sind, und die ec nicht versteht, Gott das VerdammiingSurtheil wider seine Freunde fallt» weil sie nicht so gut , der Gewisseuhaftigkeit nach, von Gott geredet hätten, als sein Knecht Hiob. Betrachtet man nun die Theorie, die jede von beiden Seiten behauptete, so möchte die seiner Freunde eher den Anschein mehrerer spekulativer Vernunft und frommer Demuth bei sich führen; und Hiob würde wahrscheinlicher Weise vor einem jedem Gerichte dogmatischer Theologen, vor einer Synode, einer Inquisition, einer ehrwürdigen Klassis, vor einem jeden Oberkonsistorium unserer Zeit ein schlimmes Schicksal erfahren haben. Also nur die Aufcichtigkci t dcs Herzens, nicht der Vorzug der Einsicht, die Redlichkeit, seine Zweife l unverholen zu gestehen, und der Abscheu, Ueberzeugung zu heucheln, wo man sic doch nicht fühlt, vornämlich nicht vor Gott, wo diese List ohnedies ungereimt ist: diese Eigenschaften find es, welche den Vorzug des redlichen Mannes, in der Person Hiobs, vor dem religiösen Schmeichler im göttlichen RichteranSspruch-entschieden haben." (Werke 7, 401.) Aeltere Schrifteklärer, namentlich die der talmudischen Zeit, haben gegen Job Partei ergriffen. Auch Maimonides thut dies, indem er an der von ihm als irrig bezeichneten Aristotelischen Anschauung von der Providenz auch Job Partizipiren läßt. (More 3, 23.) Den von seinen Freunden und seinen Auslegern so vielfach verkannten Dulder nimmt nun Kant, wie soeben gezeigt würde, in Schutz, seine Betrachtung mit folgenden Worten schließend: ״Der Glauben aber, der ihm durch eine >o befremdliche AUflösuug seiner Zweifel, nämlich bloS die Ueberführnng von seiner Unwiffenheit, entsprang, konnte auch nur in die Seele eines Mannes kommen, der mitten unter seinen lebhaftesten Zweifeln sagen konnte : bis daß mein Ende kommt, will ich nicht weichen von Meiner Frömmigkeit (27, 5'.) Denn middieser Gesinnung bewies er,-daß er nicht seine Moralität auf den Glauben, sondern den Glauben auf die Moralität gründete: in welchem Falle dieser, so schwach er auch sein mag , doch allein lauter und echter Art, d. i. von derjenigen Art ist, welche eine Religion nicht der Gnnstbewerbung, sondern des guten Lebenswandels gründet." (Das. 402.) Dieser Satz enthält aber den Kern der Kaniisch'en NeligionSfilosöfie. Sein Werk: ״Religion inden Grenzen der bloßeü Vernunft" schließt Kant mit einem Beweise, ״daß es nicht der rechte Weg fe(,' v'on1 der Begnadigung zur Tugend, sondern vielmehr von der Tügend zur Begn'adW'üg