Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 36 (7.9.1864)
- Date
- 1864-09-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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72Z 726 Die talmudische Dämonologie weicht zwar, was den christlichen Forschern entging, in sehr wesentlichen Stücken von der des JosefuS und des Urchristenthums ab;5 * 7) die schädlichen Einwirkungen der Dämonen werden aber auch in den talmudischen Quellen anerkannt. °) Salomo wird daher auch im Talmud als Geisterbanner und Urheber magischmedizinischer Werke gepriesen.ד) Nicht minder gilt er für einen Heros der Halacha. Jeden Ausspruch der Thora wußte er durch Tausende von Gleichnissen einleuchtend zu machen. Jede Bestimmung der Soferim motivirte er mit tausenden von Beweggründen. Mnemotechnische Zeichen und Schlüsse durch Analogie sind seine Erfindung. Selbst manche spezielle halachische Institution führt,die Sage auf ihn zurück, ohne sich durch den Umstand irre machen zu lassen, daß Wesen und Namen dieser Jnstitlltionen den spätem Ursprung derselben deutlich genug verrathen. s) Als Meister der Magie und Fürst der Geisterwelt wird Salomo auch in pseudepigrafischen Schriften dargestellt, deren Zahl nicht gering ist, wie denn bereits in der biblischen Zeit jüngere Schriften und Sprüche unter dem Namen des weisen Königs in Umlauf gesetzt wurden. Die germano-fränkischen Schulen des jüdischen Mittelalters, die treuen Depositäre der talmudischen Anschauungen, bewahrten auch das talmudische Bild Salomo's in seiner vollen Integrität. Dagegen liehen die Forscher der arabischen Kulturepoche dem Könige des alten Israels die filosofischen Erkenntnisse ihrer eigenen Zeit. Die Sprüche, der Prediger und das Hohelied wurden zur Fundgrube griechischer Filosofeme gemacht, womit zusammenhing, daß Viele überhaupt allen Wissenschaften hebräischen Ursprung gaben. So spricht bei N. Jehuda Ha-Levi der Meister zu dem Köuige r ״Was denkst du von der Weisheit Salomo's? Sprach doch derselbe über alle Wissenschaften vermittelst göttlicher, geistiger und physischer Kraft! Und die Leute der Welt kamen zu ihm, um seine Gelehrsamkeit zu den Völkern zu verpflanzen, sogar von Indien her. Alle Wissenschaften find ihren Wurzeln und Grundprinzipien nach von uns zu den 5) JosefuS spricht von bösen Geistern, welche in die Lebenden hinein fahren (elirfvo/uew) v. j. Kr. VII. 6, 3. Dieselbe Anschauung herrscht in den Evangelien, während der talmudische Ausdruck כפאן שד Noich Ha-Schana 28, a• die däiponischc Einwirkung als eine von Außen kommende erscheinen läßt. Weniger beweist אהן Gitün 7, 1., da diese Wurzel auch vor Krankheiten gebraucht wird: Joma 8, 6. Da der Talmud das eigentliche Besessensein nicht kennt, so kennt er auch das AuSrrelbeu der Dämonen nicht. Neuere christliche Gelehrte pflegen sich, um ihre entgegengesetzte Ansicht zu begründen, auf Eisenmenger zu berufen. Bei diesem finden sich jedoch über den in Frage stehenden Gegcnstand keine Belege aus dem Talmud, sondern nur aus den mittelalterlichen Quellen, die für die talmudische Zeit nichts beweise». Geschichten, wie Jos. Alterth. VIII. 2, 5. erzählt, kennt die talmudische Dämonologie nicht. °) S. B. Chan. 1. 152. 7) Meg. 11, b. Gitt. 68, a. Sanh. 20, b. Schem. r. 30. Bam. r. 11. Peßach. 4, 9. Nachman. Vorr. zum Thorakommentare. *) Erub. 21, b. Jebam. 21, a. Ber. 13, b. B. Kama 81, b Chaldäern, dann nach Persien und Medien und endlich nach Griechenland und Rom verpflanzt worden." (Kus. 2, 66.) Maimouides sagt ungefähr dasselbe auf eine minder prätensive Weise (Moreh 2, 11), und Don Jsak Abravanel, der letzte Repräsentant der jüdischen Wissenschaft und Forschung auf der pyrenäischen Halbinsel, sucht in einem ausführlichen Erkurse darzuthun, daß Salomo als Physiker, Mathematiker, Metaphysiker, Ethiker und Theolog die höchste Stufe der Vollendung erreicht hat. (Komm, zu dem B. d. Kön.) Für die kritisch geläuterte Einsicht in das Wesen der Weisheit Salomo's, sowie seiner Vorgänger und Nachfolger, ist durch alle diese ungeschichtlichen Annahmen nichts ge- Wonnen. Aeltere und neuere jüdische Forscher haben sich um die Sprach- und Sacherklärung der einschlägigen biblischen Schriften ohne Zweifel hohe Verdienste erworben, das geschichtliche Moment wurde aber von ihnen nicht nach Gebühr beachtet. Nafthali Hartwig Wessely schrieb dem apokryfischen Buche ״die Weisheit Salomo's" Salomonischen Ursprung zu, und sowol in dem Kommentare zu diesem von ihm ins Hebräische übersetzten Bnches, welches 1780 erschien, als auch in seinen übrigen Werken, besonders im Gan Naül und Jen Libanon, bemüht er sich, über die biblische Psichologie Licht zu verbreiten. Die Scheidung des Stichhaltigen von dem Willkürlichen bleibt hier noch der künftigen Forschung Vorbehalten. Sehr schätzbares Material liefert Dukes Einleitung zu den Sprüchen Salomos in Cah e n's Bibel und Cahen's Kommentar, welcher Parallelstellen aus griechischen und römischen Klassikern herbeizieht. Epoche machend war das 1826 erschienene Werk U mbreits: ״Filologisch kritischer und filososischer Kommentar über die Sprüche Salomo's, nebst einer neuen Uebersetzung und einer Einleitung in die morgenländische Weisheit über- Haupt nnd die hebräisch Salomonische insbesondere." Umbreit findet die in den Sprüchen enthaltene religiöse Moral u nübertrefflich, und der Kommentar dieses christlichen Professors verdient jüdischen Theologen und Bibelfreunden angelegentlich empfohlen zu werden. Gramberg bemüht sich, Umbreit zu widerlegen und die Moral der Sprüche als eine bloße Klugheitslehre darzustellen, was wol mit seiner vorgefaßten Meinung von der Alttestamentlichen Theologie zusammenhängt. Ewald faßt weniger das ethische und religiöse, als das wissenschaftliche Moment ins Auge. Um Letzteres ist es auch uns hier ganz vorzüglich zu thun, indem wir an die Thatsache erinnern, daß im alten Israel eine von Priester- und Profetenthum gänzlich getrennte, rein menschliche spekulative Thätigkeit vorhanden war. Die Befähigung und Neigung der alten Hebräer zu spekulativem Denken erhärten die zahlreichen Abstrakta der hebräischen Sprache, insonderheit diejenigen, welche sich auf