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Ben Chananja · 1864-08-31 · 35 (31.8.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
35 (31.8.1864)
Date
1864-08-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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717 718 gottesgelehrte, aber der weltlichen Dinge unkundige Rabbi und Meister nicht wußte. Aber hatte den« der ״Mann aus Dessau" sein schöpferisches ,Licht werde" umsonst in die finstern Ghettos hineingeschmettert? Oder war die herrliche lebenskräftige Saat, die er auSgestreut, auf steinernen Boden gefallen? Mit Nichten! die Fcnersäule, vie er angezündet, damir sie dem Sklavenvolke in das gelobte Land hineittleuchte, hatte wol mit den störrischen Wolken des Wahnes und der Bethörung einen harten, zähen Kampf zu kämpfen, aber allgemach wichen die Nebel, die Finstcrniß flüchtete scheu in das Reich der Schatten hinab — und das Licht, das herrliche, göttliche Licht, blieb Herr des Wahlplatzes. Und die Saat, die ״Moses, der Knecht Gottes״ über die Felder Israels, die durch der Väter Unverstand so lange unfreiwillige Brache gefeiert, hingestreut — hatte mit der dummen, pflichtvergessenen Scholle nicht minder schwere Arbeit, aber der Keim, den der Hort Israels in sie gelegt, er trieb mächtig, unwiderstehlich fort, sich nach oben und nach unten, nach rechts und nach links Bahn brechend, bis die rohe, widerspenstige Masse auseinander borst, und sie iu ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit ans Tageslicht trat. Und so kam es denn, daß die Strahlen der neuen Morgensonne auch die dicht verklebten Fenster der Jeschiboth küßten, und das hehre Licht, zum Entsetzen der zweibeinigen Fledermäuse, durch Ritzen und Spalten, langsam aber unaufhaltsam hineinstckerte. Die lichtscheuen Nachtfalter verkrochen sich nun noch tiefer in ihre gewohnten Schlupf- Winkel. Aber die אצילי בני ישראל, die edlern Jünglinge Israels, welche der Genius unseres Volkes zu seinen Fahnenträgern und Sendboten sich auserkoren, labten und letzten sich an der göttlichen Erscheinung und wollten nimmermehr von ihr lassen. Umsonst erschollen Bannflüche auf Bannflüche, vergeblich raseten Aechtungen und Verfolgungen. Die edlen Vorkämpfer des Fortschrittes begriffen den Ruf, der ihnen geworden, und ließen sich von ihrem Vorhaben nicht abwendig machen. Ihr Losungswort aber lautete-, לכו בנים שמעו לי ,יראת ה' אלמדכבש• Denn ganz richtig erkannten sie, daß mit ven Alten, die das Vornrtheil mit der Muttermilch eingesogen und zur Werkheiligkeit ein ganzes Leben hindurch abgerichtct worden, nichts mehr auszurichten sei; auf die unschuldige, unverdorbene, für alles Schöne, Gute und Wahre empfängliche Jngend richteten sie daun ihr Augenmerk und ihre Hoffnung. Ja, ״kommt ihr Kleinen und höret mich, euch will ich wahre Gottesfurcht lehren", so lautete der weithin hallende Ruf, womit die Glanbensboten der ״wahren Gottesfurcht" ihre heilige Mis« sion antraten. Und so sehen wir sie, die Braven und Edlen, alljährlich die Jeschiboth schaarenweise verlassen und die Kinderschulen aufsuchen, wo sie für Spottlohn die Früchte, die sie erst kürzlich vom Baume der Erkenntniß gepflückt, unter die Kleinen vertheilen. Aber solch edlem, aufopferungsvollem Streben durfte und konnte auch der Segen nicht ausbleiben. Wir Juden nehmen unter de» Kultur- Völkern Europas bereits eine solche Stellung ein, die den Glauben an unsere Weltmission auf das glänzendste rechtfertigt. Und welchem Umstande haben wir diese Stellung zu verdanken? nichts anderem, als unserem ErziehungS- und Unterrichtswesen, dem der Nestor der Pädagogen, der wahrheitliebende Disterweg, erst neulich die höchste Bewunderung zollte. Dieses unser ErziehungS- und Unterrichtöwesen aber, vergessen wir es ja nicht, haben jene Männer eingeleitet und bis zu seiner Heutigen Stufe der Vollendung entwickelt, die ihre Jugendjahre einzig und allein dem Talmudstudium geweiht und als sie daS Lehramt antraten, weder pädagogische Kenntnisse, noch Erfahrungen, wol aber einen redlichen Willen und eminente geistige Anlagen besaßen. Leider aber schrumpfen die Jeschiboth. ans denen der Kern unseres Lehrstandes hervorgegangen, täglich mehr zusammen oder verschwinde» gar vom Schauplatze ihrer, in vielen Beziehungen wundervollen und ersprießlichen Thätigkeit; und mit Besorgniß erfülltem Herzen frägt sich der Schul- und Jugendfreund: muß nicht unser wackerer Lehrstand unfehlbar der Entartung anheimfasten, da er seiner natürlichen, regenerirendeu Pflanzschule verlustig geworden? Anstatt der alternden Jeschiboth. hat uns freilich die hohe Regiernng, die unserem Schulwesen wahrhaft väterlich zugcthan, die Mittelschulen zur Rekrutirung der Präparandie angewiesen. Aber wir haben bereits nachgewiesen, daß die christlichen Mittelschulen schon deswegen nicht geeignet sind, die Elemente eines isr. Lehrstandes zu liefern , weil wir vom jüdischen Lehrer nebst weltlicher Bildung vorzüglich die Kenntniß der heiligen Schrift in der Tcrtsprache verlangen müssen, der Schüler der christlichen Mittelschule aber weder die Gelegenheit, noch die Muße findet, sich dieselbe anzueignen. Und noch einmal fragen wir: was frommt ״nS eine gut eingerichtete, von einem ergiebigen Fond erhaltene Präparandie, wenn nicht deren Frequenz durch die geeigneten Persönlichkeiten sicher gestellt? Ist nicht in diesem Faste eine solche einem, nach allen Regeln der Kunst eingerichteten Ziergarten vergleichbar, welcher in seiner Nachbarschaft der regenerirendeu Baumschule ermangelt und eben deswegen selbst bei der sorgfältigsten Pflege früher ober später verdorren und veröden muß? Doch nachdem wir es, wie wir glauben, unwiderleglich dargethan, daß unsere isr.'Präparandie der geeigneten, wahrhaft jüdischen Pflanz- und Vorschule nicht entrathen kann, darf wol der geehrie Leser erwarten, daß wir nun an die Beantwortung der Eingangs unseres AufsatzeS gestellten Frage gehen und ihm sagen, wie dem weitläufig erörterten Nebel gesteuert werden könnte. . Nun, das wollen wir denn auch thuu, indem wir ohne weitere Umschweife die Gründung einer isr. dreiklassigen Unterrealschule und deren unmittelbare Verbindung mit der bestehenden k. isr. Präparandie in Vorschlag bringen. In nachstehendem wollen wir aber unfern Vorschlag motiviren, indem wir der Reihe nach das Interesse der hierstadtischen Kommune, das unserer Glaubensgenossen und endlich das der bestehenden k. isr. Präparandie zu Rathe ziehen. (Schluß folgt.) Das israelitische Handlnngsdiener-Injtitut zu Breslau. Von S. G. in Breslau. Im Jahre 1830 wurde in hiesiger Stadt unter andern auch ein Verein zu Gunsten junger Leute, die sich den! kaufmännischen Stande widmen, gegründet, von dessen Thcilnahme jedoch, intolerant genug, Kauflcute jüdischer Konfession ausgeschlossen wurden. Es lag daher nahe, daß die hier sehr zahlreich vertretene Klasse jüdischer Kausleuke ebenfalls die Gründung eines Vereines beschloß, welcher die Lage ihrer Eleven in materieller, wie in geistiger Beziehung erheben und veredeln sollte. Ein diesbezüglicher Aufruf hatte die erwünschte Wirkung, so daß die zu konstituircnde Gesellschaft zu Anfänge schon sich einer bedeutenden Mitgliederschast erfreute. Nachdem die Statuten noch in demselben Jahre entworfen und von der Regierung genehmigt worden, trat der Verein unter dem Namen ״israelitisches Handlungsdiener-Jnstitut" ins Leben und wirkt nun seit mehr als drei Dezennien in wohlthätiger und segensreicher Weise fort. Es wurde bei der Gründung dieses Vereins wolweislich darauf Rücksicht genommen, daß derselbe nur solchen jungen Leuten, die sich der Handlung, nicht aber dem Handel widmen, zu Gute kommen soll, als ein Hilfsverein, welchem die Beförderung des Unterkommens, die nöthige Unterstützung, die Aufsicht über sittliche Aufführung, namentlich aber die Ausbildung der Vvrkenntnisse der merkan-

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