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Ben Chananja · 1864-08-31 · 35 (31.8.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
35 (31.8.1864)
Date
1864-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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715 716 Zara 1773 und erlebte nicht einmal die Bar-Mizwa-Feier seines Sohnes. Die betrübte Mutter entschloß sich nun, mit ihrem Sohne, der nunmehr ihrer Obsorge allein anvertraut war, nach Liberias zu reisen, um ihn ihren daselbst woh- «enden Anverwandten zur körperlichen und geistigen Pflege zu empfehlen. Hier angelangt, machte sie die traurige Erfahrung, daß alle ihre Angehörigen in Folge der Hungersnoth ausgewandert seien. Die trostlose Mutter starb bald vor Gram über die bittere Enttäuschung und der junge Musaphia stand nun in seinem 13. Lebensjahre einsam und verwaist in der Welt da. Ein reicher Kaufmann in Liberias nahm den jungen Menschen zu sich und ließ ihn im Talmubischen ausbilden. Hier blieb er er einige Zeit und machte sodann selbst eine Seereise nach Zara. Diese Reise machte er jedoch nicht direkt, denn er blieb zwei Jahre lang in der Jeschiba des R. Meir Maregge, ging sodann nach Salonichi und endlich nach Zara, wo er die Erbschaft seines Vaters bezog, die er mit seiner Schwester in Jerusalem theilte. Hier blieb er einige Jahre als Schüler des berühmten R. David Pardo, heiratete daselbst die Tochter eines angesehenen Mannes, und konnte sorgenlos seinen Studien obliegen. Im Jahre 1796 folgte Musaphia einer Vokation nach Spalatro, und dies war seine erste öffentliche Stellung, denn mit reinem Widerwillen schien sich Musaphia gegen rabbinische Funktionen zu sträuben, da diese gewöhnlich störend für den forschungsdurstigen Geist sind. Doch die Krankheit seiner Frau hatte sein ganzes Vermögen aufgezehrt, und es blieb ihm nichts übrig, als das Rabbinat in'Spalatro anzunehmen. Mit Aufopferung und Gewissenhaftigkeit versah er hier sein Amt, lebte aber sehr unglücklich, denn hier starb seine erste Frau. Trostlos über den Verlust seiner Gattin, gekränkt von seinem Amte, dessen Last er nicht erfragen konnte, kehrte er 1813 nach Zara zurück, wo er in einem daselbst von einem reichen Manne errichteten Bet Ha-Midrasch seinem forschenden Geiste genügen konnte. Die Macht der Umstände, die oft stärker als der menschliche Wille ist, nöthigte ihn, in Zara selbst das Rabbinat anzunehmen, das er jedoch nicht lange bekeidete. Denn Uneinigkeiten im Schoße der Gemeinde, Unannehmlichkeiten seitens der dortigen Regierung nöthigten ihn schon im Jahre 1816, die Stadt zu verlassen und nach Triest zu gehen. Hier traf er mehrere Mitglieder seiner ehemaligen Gemeinde in Spalatro, die in ihn drangen, nach Spalatro zurückzukehren. Musaphia gab den Bitten seiner Anhänger umsomehr nach, da er in seinem Alter, nach so viel bewegten Tagen, sich endlich nach Ruhe sehnte. Nach seiner Restauration in Spalatro lebte er bis an das Ende seiner Tage, trotz seiner geschwächten Gesundheit, unermüdet seinen Forschungen in der Halacha. Sein berühmter Name war Oie Ursache, daß aus allen Gegenden Fragen von der größten Wichtigkeit zur Entscheidung an ihn gelangten. Er starb am Vorabende des Schabnoth-Festes im Jahre 1837, und hinterließ mehrere Werke, die seine sämmtlichen Responsen umfassen, und außerdem mehrere Moralvorträge. Von seinen Werken jedoch kam erst eines in die Oeffentlichkeit, nämlich der bereits erwähnte erste Theil des Werkes ״Chajim-va-chesed." Dieses Werk enthält 43 sehr wichs) Die 43 Responsen. welche Ausschluß über die wichtigsten und verschiedensten halachischen Anfragen geben, bekunden zur Genüge die Bedeutung dieser talunkdischen Kapazität. tige Responsen, die über die Halacha bedeutenden Aufschluß geben, und über viele soziale Fragen im Judenthume in der liebevollsten Weise entscheiden. Der Verfasser bekundet in diesen Responsen einen tiefforschenden Geist, eine immense Kenntniß des Talmuds sammt seinen neuen und alten Kommentatoren und endlich eine hochzuachtende Toleranz in seineu Entscheidungen, die der Zeit und den Verhältniffen gewissenhaft Rechnung tragen. Schließlich ist diesem Werke ein Anhang Ritualien über Segenssprüche vom R. Jom. Tob b. Abrahams beigegeben, die nach einem Manuskripte des Verfassers hier znm ersten Male in die Oeffentlichkeit gelangten. Einige Fragen in Bezug auf die kön. israelitische Lehrerbildungs-Anstalt. Von Israel Bar gell a. III.') Wie wäre der k. isralitischen Präparandie in Pest eine geeignete Pflanz- und Vorschule zu schaffen? Es ist bekannt, daß bis kurz vor Gründung der kön. isr. Präparandie das Lehramt bei uns zu den Freikünsten gehörte, so daß wer etwa Schillers ״Räuber" oder KotzebueS ״Menschenhaß und Reue" studirt hatte, sich'für gebildet und gelehrt genug halten konnte, im Dienste der Jugenderziehung seine ersten Sporen zu verdienen- Trotzdem aber das jüdische Lehramt ohne die geringste obrigkeitliche Kontrole von jedem, der sich dazu berufen fühlte, geübt werden durfte, gab es der guten und tüchtigen Lehrer nicht weniger, als heute, ja, hört man den Gemeinden zu, so stammen die meisten bessern jüdischen Lehrer eben aus jener Zeit der unbeschränkten ״Gewerbefreiheit" auf dem Gebiete des jüdischen ErziehungS- und Unterrichtswesens. Aber wo hatten denn die frühern isr. Lehrer Gelegenheit und Mittel, sich für ihr schwieriges Amt vorzubereiten und auszubilden, da es an einer hierzu geeigneten Anstalt ganz und gar fehlte? Nun, es ist wahr, eine Lehrerbildungsanstalt im eigentlichen Sinne des Wortes, gab es wol in früheren Zeiten bei uns nicht, aber es vertrat die Stelle einer solchen ziemlich gut die sogenannte Jeschiba. Wie, die Jeschiba? Bestanden denn an den Jeschiboth Kanzeln für Pädagogik, Didaktik und ähnliche für den künftigen Jugendbildner nothwendige Wissenschaften? Mit Nichten! an den Jeschiboth bestanden nicht nur keine Kanzeln für die erwähnten Wissenschaften, sondern das profane Wissen war überhaupt an mancher Jeschiba proskribirt, an den meisten nur geduldet, nirgends aber gefördert und ermuntert. Und doch, wer weiß eS nicht, daß die Jeschiboth in frühern Zeiten die eigentliche Pflanzstätte für das israelitische Lehrerthum gewesen, aus welcher alljährlich ein sehr starkes Kontingent Lehrer-Rekruten ausrückte, um den edlen, aber schweren Kampf der Jugenderziehung zu kämpfen? ES hatte aber mit der Lehrerbildungsfähigkeit der talmudischen Hochschulen, trotzdem sie weder dazu eingerichtet, noch sich überhaupt dazu berufen fühlten, folgende eigenthümliche Bewandniß. An den Jeschiboth herrschte zwar, wie wir es bereits erwähnt, dünkelhaftes Vorurtheil, wo nicht Fanatismus gegen, alles, was der 3) 1. ה׳ ברכות להריטב״א in acht Abschnitte eingethrilt. 2. Der Sohn des Verfassers liefert noch einige Beitrüge ritueller Natur in Bezug auf Segenssprüche und Gebete von den alten jerusalemischeS Rabbtnen; diese Beiträge wnrden in einer Manujkriptensammlung den R. Jizchak ha-Kohen, Rabbiner zu Jerusalem bis 1610, aufgesnndetn Letzterer wird in verschiedenen halachischen Werken mehrmals genann-. *) S. I: Nr. 21. II: Nr. 26.

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