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Ben Chananja · 1864-08-31 · 35 (31.8.1864) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
35 (31.8.1864)
Date
1864-08-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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713 714 als der Amsterdamer Rabbiner der portugiesischen Gemeinde, Isaak Aboab, heimgegangen war, wurde Saportas mit diesem Rabbinate im Jahre 1693 bekleidet. Er starb 1698 in Amsterdam in einem Alter von 88 Jahren. ") Er hinterließ in Manuskript seine zwei, hier vielfach benützten, von seinem Sohne im Jahre 1737 herausgegebenen Werke שו״ת אוהל יעקב und ציצת נובל צבי. Letzteres wurde spater nochmals von Jakob Emden mit einigen Zusätzen heransgegeben. Wir finden zwischen diesen beiden eifrigen Kämpen für Religionsreinheit gegen sabbathäistische Sektirerei, was Gesinnung, Charakter und Temperament betrifft, die auffallendste Aehnlichkeit: Beide waren der Kabbala mit Leib und Seele ergeben, und versetzten ihr nichtsdestoweniger, eben aus äugstlicher Sorgfalt, sie rein zu erhalten, die erschütterndsten Stöße.*ף) Beide waren in ihren Diskursen bald bescheiden und demüthig bis zur Selbstverleugnung, bald aber ihre Würde und Verdienste fast über die Gebühr zur Schau tragend.Beide geriethen bei Disputationen leicht in Harnisch und sprüheten sodann die geistreichsten Funken, voll Sarkasmus und Bitterkeit. Die letzte Nummer seiner RGA. (77) enthält ein historisch bemerkeuswerthes Aktenstück bezüglich der im Jahre 1670 unter Kaiser Leopold I. von der Kaiserin, ihrer Kinderlosigkeit wegen, und auf Zurede ihres Beichtvaters, über bie Juden Wiens verhängten Vertreibung mit dreimonatlicher Frist, während welcher Zeit die Wiener Gemeinde an einen gewissen Isaak Senjor Tigira in Hamburg das schriftliche Ansuchen stellte, für schleunige Abwendung dieses drohenden Ungewitters bei seinen hochgestellten Gönnern Schritte zu thun, worauf Tigira durch Saportas der Wiener Gemeinde erwidern ließ, bei vielen geistlichen und weltlichen' .ביום ג׳ ארבער. לחדש א'יר בשנת נחת לפ״ק ד 15) Z11 dieser Beziehung könnte ihnen Loses Delmedigo als Verfasset des Michtav Achus beigezählt werden, wäre nicht jene berüchtigte Stelle in seinem Mazref, sein Bckenntniß nämlich, heute pro und morgen ooutra die Kabbala schreiben zn können, das ihn zu einem konsequeuzlosen Manne mit zerklüfteten Rissen in seinem großen Geiste und Widersprüchen in seiner schwankenden Uebcrzeugung stempelt, und hierin nur noch in jenem merkwürdigen Leon de Modena ein Seitenstück sinder. '«) Brgl. Saportas RGA. 24. 41. 71. 17) Brgl. Saportas Entrüstung RGA. 17 gegen den damals so sehr berühmten Saul Morteira. Es wurde nämlich damals, wie auch noch sonst, von nichtjüdischer Seite dem Nabbanismus in Betreff des bekannten Ansspruches: לא הרגו ערים זוממים נהרגין הרגו אץ נהרגין der Borwurk der Nnfolgerichtigkeit, ja der seltsamsten Unge- ׳ rechtigkeit gemacht, indem, meinte man, cs doch wider alle Logik sei, den bloßen Willen mit Tod zu bestrafen, und das vollbrachte Verbrechen gänzlich frei zu sprechen! Morteira sah sich dabei so in die Enge getrieben, daß er keinen andern Ausweg fand, als diesen aordischen Knoten mit dem Alerander-Schwerte zu lösen; er stellte die Meinung auf. daß der Grundsatz הרגו אין נהרגין dahin zu beuten sei, daß die falschen Zeugen nach vollzogenem Urtheile des fälschlich Beschuldigten, wo! hingerichtet werden, nur nicht mit der ilinen sonst gebührlichen Todesart des Verurthcilten, sondern mit dem Schwerte, wie ein gewübnlicher Mörder*).... ״Wie, ries Saportas i» seiner erbittertesten Entrüstung, so hätten doch alle Amorä'im und Geonim bis zur Zeit diesen schrecklichen Zrrthum begangen! Müßte nicht auf diese Weise das ganze Gebände der mündlichen Lehre wie eine morsche Hütte Zusammenstürzen? Ist dies, dein gewohnter Vernichtungskrieg gegen jeden Rüttler an biesem Gebäude? (hiemit wahrscheinlich ans MorteiraS Verfolgung gegen Spinoza anspielend) Welche Schmach!" *) Allerdings eine für jene Zeit freisinnige Konjektur, und bei ihrer konsequenten Erweiterung könnte dieser streng fromme Morteira den besten Gewährsmann für viele derartige Tendenzen der Neuzeit abgeben. Autoritäten, wie Montekukuli, dem Kardinal Aznleno, der Schwedischen Königin und andern hohen Personen bereits 8 die nöthigen Schritte gemacht zu haben. 2. Chajim Äsak Mnsaphia. Von Dr. B. Bock in Wien. Die jüdische Literatur scheint mit den Bekennern des Judenthums ein gleiches Schicksal zu haben. Sowie die Inden zerstreut in allen Gegenden der Welt leben, umherwandern und plötzlich in einem entfernten Himmelsstriche auftauchen, so geht es auch der jüdischen Literatur. Man kann nicht sagen: in der einen oder in der andern großen Bibliothek befänden sich sämmtliche Werke, welche selbst nur eine einzige Branche der jüdischen Literatur hervorgebracht hat. Durch Zufall wird ein bedeutendes Manuspript entdeckt und ersteht aus dem Staube, unter welchem es begraben lag, zum Leben, ja sogar es belebt die Denker und Forscher, indem es ihnen neue Quellen über die Natur und den Geist des Judenthums erschließt. Die Bienenemsigkeit der Bibliographen unserer Zeit hat nun sehr vieles aus der Dunkelheit der Staats- und Familienarchive ans Tageslicht gebracht. Nichtsdestoweniger ist in dieser Beziehung noch manche Lücke auszufüllen. Namentlich gilt dies von den Männern aus Salon ich i und Smyrna und deren Werken, die in halachischer Beziehung von größerem Interesse und für die Bewegung innerhalb des Judenthums unserer Zeit von wichtiger Bedeutung sind. Steinschneider hat dieselben nicht gebührend gewürdigt. Wenn Sie gestatten, Herr Redakteur*), will ich mir erlauben, den geehrten Lesern Ihres geschätzten Blattes eine Analyse dieses Zweiges der Literatur, welche aus den oberwähnten Städten vorhanden ist, zu geben, so weit mir dies durch die reichhaltige Bibliothek deö Herrn Drs J ell in e k bekannt ist. Das erste durch den Druck verbreitete Werk נ) des Mannes, dessen Namen als Aufschrift zu diesem Artikel dient, wurde zwar in Livorno 1844 bei Leo Emanuele Ottolengi gedruckt, allein auch erlebte einige Zeit in Salonichi; ich will daher mit der Biografie dieser in halachischer Beziehung bedeutenden Persönlichkeita) meine bibliographischen Beiträge beginnen. Chajim Jsak Mnsaphia wurde am 6. Schevat des Jahres 1760 in Jerusalem geboren, es war am Tage, als ein Stern am Horizonte der halachischen Literatur er- 8 losch; denn der Geburtstag Musaphias fällt mit dem Sterbe- V tage des N. Jona Nabon, Verfassers des Buches N e ch p a h b a- 8 K e s e f in Jerusalem zusammen. Bis zu seinem 13. Jahre lebte 8 Mnsaphia im Hause seiner Eltern, die ihn den hebräischen 8 und talmndischen Studien geweiht hatten. Schon in frühester, D Jugend bewunderte man den Fleiß und das Talent des jun I gen Menschen. Nicht lange jedoch sollte Mnsaphia׳ sorgenlos 8 seinen Studien obliegen. Sein Vater, deffen einzige Reve- 1 nuen die Interessen eines von seinen Vorfahren in der Stadt 3 Zara testirten Legates waren, reiste im Jahre 1773, als in z Jerusalem eine fürchterliche Hungersnoth ausgebrochen war, z und dazu noch die Geldsendung durch Verkehrsstörnng sistirt J wurde, nach jener Stadt, um die ausgebliebenen Interessen 4 des Kapitals zu beziehen. Der um die Ausbildung des Soh- 1 nes so sehr bekümmerte Vater starb auf dem Wege, nach j *) Mit vielem Vergnügen. Red. ') Sefer Chajjim wa-Cheßed. 1. Th. I

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