Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-08-31 · 35 (31.8.1864) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
35 (31.8.1864)
Date
1864-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543157--3840-2547754
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

711 712 1. 3akob Saportas.') Von Salomo Rubin in Ostrog in Rußland. Dieser durch seine hervorragende talmudffche und kabbalistische Gelehrsamkeit, wie durch sein seltsam und vielfach bewegtes Leben, noch mehr aber durch seinen unermüdlichen Kampf gegen die Anhänger des Pseudo-Messiaö Sabbathai Zevi^) fast in allen drei alten Welttheilen als Stern erster Größe glänzende staatsmännische Rabbiner, von spantsch-portugiestscher Abstammung und Nachkomme des Nachmanides * * 3), erblickte das Licht der Welt im Jahre 1610 zu Saleh 4 * 6 *) in der Berberei. Im Jahre 1634, in einem Alter von 24 Jahren 5), wurde Saportas als Oberrabbiner von sechs Gemeinden, darunter in Algerien, Tlemsan, Marokko und Fez angestellt, Allein nach Verlauf zweier Dezennien wurde er beim Pascha von Tlemsan verleumdet, in den Kerker geworfen und auf die Folter gespannt, um von ihm Geständnisse und Geld zu erpressen. Glücklicher Weise gelang es ihm, aus dem Gefängnisse zu entweichen und sich nach Amsterdam 0) zu flüchten (1654), wo er von allen rabbinischen Autoritäten anfS ehrerbietigste bewillkommt wurde. Nach kaum einjährigem Aufenthalte daselbst wurde Saportas vom Kaiser von Marokko zurückberufeu, und mit einem Gesandtschaftsposten nach Spanien betraut. Wieder verstreicht ein Dezennium י) ohne Nachrichten über unfern rabbinischen Staatsmann, den wir erst im Jahre 1664 in London als Oberrabbiner wieder finden.8) Aber auch hier mußte er nach einem sehr kürzen Zeitraume aus Anlaß einer ausgebrochenen Pest^) den Wan¬ >) So ist dieser Name unter der in spanischer Sprache abgefaßten Vorrede zu der שו״ת אוהל יעהב edirt Amsterdam 1737 geschrieben. Vgl. Jost's Geschichte des Judcnthums n. s. S. Th. 3. S. 168. Anmerk. Mit hebräischen Lettern heißt derselbe ׳ששפורטש oder, wie er sich selbst in seinen Resvonsen zu zeichnen pfleg! ששפורטאש manchmal auch initial ש״פר• Hauptquellen: dieser biographischen Skizze RGA. אוהל יעקב und .ציצת נובל צבי ג) Deren Propaganda, wie eine grassirende Epidemie, solche Dimenstonen einnahm, daß selbst Männer, wie Benjamin Musaphia in Amsterdam, und der בעל טירי זהב in Lemberg ihr unterlagen. Letzlerer sandte seinen Sohn eigens zum Messias nach Galipoli und erhielt von ihm ein Schreiben nebst einem geweihten Hemde zum Geschenke. Ueber Erster» äußerte sich Saportas in sehr starken Ausdrücken. 3j RGA. Nr. 22, 24, 29, die 11. Generation nach Nachmanides. •י) Jost das. 168. Ob diese Stadt aber auch sein Geburtsort sei, ist noch sehr zu bezweifeln, da er in Nr. 11 seiner RGA. mit den Worten schließt: ־! עיר □אלוID הגולה והנדה und es in erwähnter Vorrede schlechthin heißt. ב^רץ הם עיר מולרחו ב^הלי קרר בארצות המערב. ף RGA. 71 הוינא קשישי בן כ״ר שנים ישבתי על כס ההוראה לרב ודיין על ו קהלות ועם ב״ד הקבועים וידועוכם כב״ד רר״א וד אסי. 6) Nach Jost soll er zuerst als Geschäftsträger des Kaisers von Marokko nach Amsterdam gekommen sein. ') Wir finden schon ein Jahr darauf diesen Ambassadeur SpanienS wieder in Saleh, von wo aus er sein Respons. 3 absendet. 8) di&Sl. Jöccr. — Nach Jost hingegen soll er nach London gleichfasts in der Eigenschaft als Gesandter des Marokkanischen Kaisers gekommen und wegen seiner großen Gelehrsamkeit zu den Rabbinen- Berathungen gezogen worden sein. derstab ergreifen, und nach Hamburg auswandern, wo er bis 1673, wie es scheint, privatistrend verweilte. Während dieses seines Aufenthaltes in Hamburg traf jene verhängnißvolle Epoche (שנת בכה תב״כה) ein, wo die Meffiasbewegung des Sabbathai Zevi ihren Kulminationspunkt in Europa erreichte, die größten rabbinischen Koriphäeu irre leitend. Saportas, dessen rüstiger Geist von den Schlacken des Aberglaubens geläutert war, beginnt jetzt in vorgerücktem Alter einen hartnäckigen Kampf auf Tod und Leben gegen eine Uebermacht, dem nur sein von der festesten Ueberzeugnng gestählter Geist und vom Eifer der Wahrheitsliebe beseelter Biedersinn gewachsen sein konnte. Mit einer seltenen Aufopferung stemmte sich dieser heimatslose, von den empfindlichsteu Schicksalsschlägen so harr geprüfte Mann gegen eine Tendenz des Jahrhunderts, und ließ unerschrocken Schmähungen und Gefahren über sein graues Haupt ergeheu^0), bis es ihm endlich gelang, für seine gute Sache eine Partei von Gleichgesinnten zu bilden. Besonders inspiritte er einen berühmten Rabbiner in Livorno, Josef Lewi, welcher das Volk in öffentlichen Reden belehrte, die wahre Buße bestehe nicht im Fasten und Beten, sondern im Ablassen von der Sünde, im Zurückgeben des ungerecht erworbenen Gutes, in Friedfertigkeit und in guten Sitten. ") Saportas ruhete und rastete nicht. Er schrieb Massenhafte Folianten von Warnungs- und Ermahnnngsbriefen nach allen Richtungen hin, nach Deutschland, Polen, Italien, der Türkei, Aegypten und anderen Orten: alle voll des zündenden Feuers, einer genialen Mischung des bittersten Sarkasmus und der besänftigenden Herzensgüte eines Seelen- Hirten. 'Dieser schwere Kampf wurde vom Siege gekrönt. Zuerst gelang es Saportas, einen herumreisenden Wunderthäter, Sabbathai Raphael, einen Jünger des Zevi, auf eine eklatante Weise zu entlarven, und er trug daun den Sieg davon über alle Messiasanbeter in Europa. Schwieriger aber wurde es ihm, diese Gahrung in seinem Vaterlande, in der Berberei, in Marokko und Saleh zu dämpfen. Mit verjüngtem Eifer schleuderte er dorthin ein langes beredtes Schreiben 1a), und hatte endlich die unsägliche Freude, seine rastlose Mühe auch hier vom gewünschtem Erfolge gekrönt zu sehen. Der Messias wurde Mohamedaner, und viele seiner Anhänger beugten beschämt das Haupt und verstummten. Im Jahre 1672 wurde Saportas zum zweiten Male nach Amsterdam berufen, wo er zwei Jahre hindurch dem großen Lehrhause und dem Kether-Thoravereine, talmudisches Wissen allseitig verbreitend, Vorstand. Darauf wurde 'er nach Livorno als Vorsitzer und Leiter des dortigen allgemeinen Lehrhauses berufen, wo er bis zum Jahre 1680 verblieb. Dann . bekam unser siebenzigjähriger Greis neuerdings eine freundliche Einladung nach Amsterdam, um sich da an die Spitze der Kommune Ez Chajjim zu stellen. Er ging aber zuerst nach dem Haag'3), und erst ף Vrgl. RGA. 16 und צנ״צ. '°) RGA. V. u. Z. N. Z. 1') 3ui Zizath Nobel Zebi, wo darauf hingewiesen wird, daß die Thora nur einen einzigen Fasttag kennt: ו^ף הקדים לו ^בילה ושתית יותר מדאי. 3 (״m Jahre כזב לפרט הפרט Das. ף׳ RGA. Nr. 73.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.