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Ben Chananja · 1864-08-31 · 35 (31.8.1864) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
35 (31.8.1864)
Date
1864-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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709 710 18, immer okkupirten Betten, werden jährlich sechstausend Kranke behandelt und erhalten den nöthigen Beistand. Christen aller Konfessionen, sowie Muselmänner und natürlich alle Israeliten von Kurdistan wie von Bochara, von Persien wie von Indien, von allen europäischen und afrikanischen Ländern. Dr. Roth Ptgel, ehemaliger Sekundararzt am großen Wiener Krankenhanse, erfüllt im Vereine mit seiner würdigen Gattin mit Rechtschaffenheit und Zartgefühl seine hohe und beschwerliche Mission. Aus dieser Anstalt und aus der Arbeitsschule, die seit zehn Jahren 150 Arbeiter versorgt hat, sind alle Elemente hervorgegangen, aus denen sich die Verbesserung des Zustandes dieser Bevölkerung gestaltet. Die jungen Leute halten es jetzt für eine Ehre, nicht zu denen zn gehören, die Almosen von der Chalukah erhalten; die in Alexandrien, Beyruth und selbst in Konstantinopel schließen sich den Arbeitern unserer Anstalt an. Die von der Stiftung des Jehuda Turo außerhalb der Mauern errichteten Zufluchtshäuser geben vierzig Familien Wohnungen und sobald die Geldmittel der Generalfundation flüssig sein werden, wird man 200 Familien be- Herbergen können. Die Bevölkerung beträgt jetzt in Jerusalem ungefähr 7200, ans dem Lande 20,000 Seelen. Außer Polen lieferten in letzterer Zeit Marokko und Tunis die größte Zahl der Einwanderer; eine mächtige kommerzielle Bewegnng in den Häfen von Jaffa und Chaiffa zog eine beträchtliche Zahl jüdischer Familien an sich, die dort Magazine und verschiedene Anstalten errichteten. Die Pflanzung der Baumwolle, der ich in der Ebene von Saron begegnet, die Gründung der Stadt Port^Said, die den größten Theil ihrer Vorräthe, von der Seite Syriens erhält, sowie die Durchbrechung der Landenge von Suez sind die wahren Ursachen ... Die Eröffnung einer europäisch-französischen Schule begegnete nicht der geringsten Opposition und gibt Zeugniß von dem wahren Geiste der Zivilisation, der in der heiligen Stadt vorzuherrschen beginnt. Einige Reste der Unduldsamkeit, die noch auf unseren Glaubensbrüdern lasten, verschwinden vor dem wahren Geiste der Toleranz. Der Generalgonvernenr von Jerusalem, Jzzet Pascha, war so gütig, mir zu versprechen, daß er seinen ho- Heu Schutz auf Alles ausdehnen werde, was unsere Anstalten, und im Allgemeinen was den Zustand unserer Brüder betrifft. Er entschuldigte sich , daß er noch nicht Alles thun konnte; er müßte vorerst den Geist der Bevölkerung und die Bedürfnisse derselben kennen lernen. Er wird wenig von den untergeordneten Beamten unterstützt. Das Bessere ist erst im Entstehen. Der Vicar des heiligen Landes und apostolischer Penitentiär von Jerusalem, Pater Josef Carlotti von Coeldi, gab aus eigenem Antriebe, in Gegenwart unseres Konsuls v. Booners, Befehl, daß die Juden in Zukunft in d e n Straßen nicht belästigt werden sollen, die in der Nachbarschast der Kirche des heiligen Grabes liegen; Kinder hatten nämlich die Gewohnheit, auf die vorübergehenden Juden Steine zu werfen. Um den gegenwärtig herrschenden guten Geist zu konstatiren, bin ich am Hellen Tage, um zehn Uhr, in die Kirche des heiligen Grabes gegangen. Ein zukunftvolles Gefühl der Ehre erwacht, und wenn es uns einst gelingt, in dieser patriarchalischen Stadt einen Mittelpunkt der religiösen Studien, eine Art israelitischer Universität für den Orient und die angrenzenden Länder zu schaffen, werden viele Hindernisse beseitigt sein und wir werden dem würdigen Geiste unserer Zeit ein erhabenes Denkmal gesetzt haben; wir werden die Bettelei durch die Entrichtung einer Schuld ersetzt haben, indem wir Anstalten errichten, welche denen die Subsistenzmittel verschaffen, die sich daselbst beschäftigen, und indem wir solide, auf die religiöse Gesinnung gegründete Kenntnisse verbreiten." Rachbemerknng -er Redaktion -es ״$. LH." Die Segenswünsche aller Juden begleiten den edlen und großherzigen Schreiber vorstehender Briefe auf seiner zivilisatorischen, der geistigen und sittlichen Hebung des orientalischen Israels gewidmeten Reise. Er war daselbst der Vorläufer der Alliance, und er ist jetzt einer der umsichtigsten und thätigsten Verbreiter ihrer Ideen und Bestrebungen. Möge Gott diese Bestrebungen von bleibend segenreichen Erfolgen begleitet sein lassen! Dadurch, daß die französischen Juden die Segnungen der Kultur den jüdischen Gemeinden des Orients bringen, besitzen sie faktisch die moralische Hegemonie über einen großen Theil der Judenheit der Gegenwart. Jeder Unbefangene erkennt dies schon jetzt an; die Geschichte wird diese Anerkennung mit lauter Stimme verkünden. Sie wird aber auch von der Indifferenz gebildeter Juden erzählen, denen es nicht in den Sinn kömmt, der Kultur ihrer Glaubensbrüder in ihrer nächsten Nähe kräftig unter die Arme zu greifen. Vielleicht entschließt sich unser edler Freund, Albert Cohn, auf einer seiner Reisen Pest zu besuchen. Sein ans- Munterndes Wort würde wol kaum wirkungslos verhallen. Das Afrikanische Alexandrien ist manchen ungarischen Gemeinden vorangeeilt! Nicht wenige jüdische Gemeinden in Ungarn bedürfen der materiellen und moralischen Nachhilfe von Außen. Ein unter Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften gegründeter, unter der Aufsicht der Negierung stehender Kulturverein ist für diese Bevölkerungen ein dringendes Bedürfniß. Von Separatismus kann hier nur die Bornirtheit reden; derbenkende Jude sagt mit dem Dichter: Wett« die Rose selbst stch schmückt, Schmückt sie auch den Garten.

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